15 November 2019 | Geschichte

Briefe 1893 - 1904 (51. und 52. Brief)

Von Hans Warncke alias „Hans Waffenschmied“ aus Windhoek und Hamakari

Hans Warncke, Sohn von Pastor Wilhelm Warncke, wurde am 7. Januar 1871 in Neustrelitz geboren und starb am 14. Januar 1904 auf Hamakari. Er war der Großonkel von Dagmar Zumbrunn-Warncke, die zusammen mit ihren Geschwistern und Schwager das Buch „Briefe 1893 - 1904“ zusammenstellte und durch den Kuiseb-Verlag publizierte. Auf den kommenden Seiten von WAZon Geschichte(n) werden diese Briefe veröffentlicht.

Ongousomiuja, den 7. Februar 1902

Lieber Vater!

Da ich Dr. Försters Adresse vergessen habe, schicke ich diesen Brief, den ich gleich nach dem an euch gerichteten Brief vom 2. des Monats, geschrieben habe, nach Grünow. Versehe ihn bitte mit der richtigen Adresse und gebe ihn auf. Desgleichen meinen Brief an Paul, den ich auch an deine Adresse schicke. Kannst du mir nicht die Kolonialzeitung nur unter Kreuzband zusenden; das wäre mir sehr lieb. Ich habe gestern einen großen Hammel schlachten müssen, der kein Wasser lassen konnte. Sonst ist mein Vieh noch gut. Ich habe 105 Stück Kleinvieh und 25 Stück Großvieh.

Besten Gruß

Euer Hans

P.S. Sowie ich mit meiner Fracht auf Hamakari angekommen bin, schreibe ich wieder.



52. Brief

Ongousomiuja, den 7. Februar 1902

Lieber Schwager und liebe Schwester!

Du hast mir damals geschrieben, liebe Else, und mir alles mitgeteilt, daß du verheiratet bist und schon Kinder hast, und ich freue mich sehr über euer Glück. Obwohl ich dich, lieben Schwager, noch nicht persönlich kenne, so weiß ich doch aus Mutters Schilderungen hinreichend, um mir ein Bild von dir entwerfen zu können. Vor allen Dingen danke ich dir herzlich für deine Hilfe, betreffend der Warensendung, die du mir gewährt hast. Ich hatte damals an Vater geschrieben, ich möchte entweder eine große Sendung oder gar keine, aber ich wußte nicht, daß sich die Sachen selbst bei einer Sendung zu nur 1 000 Mark, wie diese, so billig stellen würden. Ich habe für die ganzen Waren, inklusive Kaffee, hier ab Karibib etwa 250 Mark bezahlt, Zoll sowohl als Speditionskosten. Vater hat mir mit dem letzten Brief geschrieben, wenn ich eine andere Sendung (Schuhe, Anzüge) wolle, so sollte ich von Karibib telegraphieren. Wenn man dort nach Deutschland telegraphieren kann, werde ich es jetzt tun. Ich bin auf dem Wege von Hamakari (was mein Platz ist) nach Karibib mit einem Transport Ochsen und Kleinvieh, um es dort zu verkaufen und Waren einzukaufen. Ich denke, Montag da zu sein. Den Platz, wo ich und mein Kompagnon sitzen, haben wir von den Hereros gekauft, 150 Meter lang und ebenso breit. Er liegt in der Nähe von Waterberg, (auf der Karte von Südwest mit Onjupa bezeichnet) wo eine Missionsstation ist. Man kann dort nach allen Richtungen hin handeln, sowohl auf dem Weg Karibib-Waterberg, als von Waterberg aus den kleinen und großen Omuramba hinauf, wo sich die Herero-Werften ziemlich bis in die Höhe von Grootfontein erstrecken. Ferner handeln wir auch nach Osten ins Sandfeld (Omaheke auf der Karte) hinein. Man arbeitet hier im Feld unter den Hereros meist mit 100 Prozent Aufschlag auf die Waren und am Vieh verdient man vielfach auch noch etwas.

Doch sind die Unkosten ziemlich beträchtlich. Die Regierung fordert an Abgabe für einen Handelszug mit 1 Wagen auf 3 Monate 80 Mark. Vor allem aber muß man, um einen laufenden, ständigen Absatz für seine Waren zu haben, den betreffenden Leuten auf Kredit geben. Nun ist die Manier des Herero-Kaffern folgende: Er macht z.B. 200 Mark Schuld. Nächstes Mal, wenn der Händler wieder kommt, bezahlt er 100 Mark, kauft aber auch wieder für ungefähr dieselbe Summe. Dies Verfahren hat den einen Vorteil, daß man den Mann an der Hand hat und laufend Geschäfte mit ihm macht. Es hat aber auch den Nachteil, daß man auf diese Weise ein totes Kapital liegen hat. An dem Tag natürlich, wo man aufhört zu handeln oder anders wohin zieht, müssen die Schuldner alles bezahlen. Die Hauptsache ist nur, daß man Erfahrung hat und die Leute alle kennt, so daß man gewiß weiß, daß die Betreffenden auch genügend Vieh besitzen, denen man leiht. Dann ist weiter kein Risiko dabei.

Ich habe den größten Schaden Ende 1900 gekriegt durch die damals nach so langem Stillstand plötzlich ausbrechende Rinderpest. Jetzt, wo die Pest überall ab und zu auftritt, weiß man ja Bescheid und sieht sich vor, indem man nur Großvieh kauft, was durch die Krankheit ist oder wo der Herero garantiert bis zum Verkaufstag. So zum Beispiel habe ich jetzt beim Heruntergehen Kälber gekauft, habe einen guten Preis gegeben, aber ausgemacht, daß wenn die Kälber vor dem Tag, wo ich sie verkaufe, krank werden, daß dann der Kaffer den Schaden trägt.

Oben ist unser Haus aus Backsteinen erbaut und mit Wellblech gedeckt. Wenn ich jetzt mit den Waren rauf komme, dann geht mein Kompagnon sofort mit dem Wagen wieder los ins Handelsfeld, und ich bleibe auf dem Platz. Die Waren, die hier am besten gehen, Hosen, Jacketts, Hemden, Hüte, Decken, Messer, Pfeifen, Tücher, Frauenzeug, Männer und Frauenschuhe, Reis, Mehl, Zucker, Kaffee, Salz. Der Meter Frauenzeug (Blaudruck) kostet in Deutschland etwa 28 Pfennig, hier in Karibib 70 Pfennig. An die Hereros verkaufen wir ihn mit 1,50. Nun weißt du ungefähr Bescheid.

Ich habe eure Adresse vergessen, schicke daher diesen Brief an Vater, der kann ihn mit eurer Adresse versehen und euch zuschicken.

Nun lebt wohl für heute. Hoffentlich geht es euch beiden sowie den Kindern gut.

Mit vielen Grüßen

Euer Hans

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