01 Februar 2019 | Geschichte

Briefe 1893 - 1904

Von Hans Warncke alias „Hans Waffenschmied“ aus Windhoek und Hamakari (XXIII und XXIV Brief)

Hans Warncke, Sohn von Pastor Wilhelm Warncke, wurde am 7. Januar 1871 in Neustrelitz geboren und starb am 14. Januar 1904 auf Hamakari. Er war der Großonkel von Dagmar Zumbrunn-Warncke, die zusammen mit ihren Geschwistern und Schwager das Buch „Briefe 1893 - 1904“ zusammenstellte und durch den Kuiseb-Verlag publizierte. Auf den kommenden Seiten von WAZon Geschichte(n) werden diese Briefe veröffentlicht.

Abgestempelt in Swakopmund 9. Oktober 1896

Liebe Eltern!

In aller Eile schreibe ich euch jetzt ein paar Worte. Ich bin jetzt hier auf Zaobis und lasse meine Ochsen ausruhen und baue für Herrn Corleis ein Haus für Store, Gastzimmer, Logisräume etc. Ich denke in 5-6 Wochen fertig zu sein und dann wieder nach Mund zu fahren. Ich wollte jetzt überzählige Ochsen verkaufen, aber jetzt soll die Rinderpest im Anzuge sein von oben her und keiner kauft mehr Ochsen. So muß ich noch mit dem Geld warten, da ich das Frachtgeld noch alles gebrauchte, um Schulden zu bezahlen. Wenn nur die Pest, die schon auf dem Waterberg sein soll und die in Transvaal und Oranje schon völlig unter den Rindern aufgeräumt hat, uns nicht gänzlich ruiniert, jeder fürchtet das Schlimmste!

Seitdem ich den letzten Brief schrieb, habe ich eine Fracht für Haikamkap gefahren und 2 für Otjimbingue, ich habe auch kein besonderes Glück gehabt, hatte Gallseuche, woran mir 3 junge Ochsen krepiert sind. Jetzt muß ich schon abwarten, ob die Seuche hierher kommt, ehe ich meine überzähligen Ochsen verkaufen kann. Hier auf Zaobis sind außer Corleis nur ein junger Mann, der Storemann desselben, dann ein Mann, der die Postpferde und Ochsen beaufsichtigt, dann ein anderer, der erst von der Truppe abgegangen ist, welcher jetzt noch Backsteine macht. Ich wohne mit diesem zusammen in einem großen Graspontok, den er schon gebaut hatte. Ich esse hier bei Corleis, wo wir 3 Mark pro Tag bezahlen.

Die Post ist plötzlich soeben eingetroffen und fährt sogleich wieder ab, weshalb ich mich sputen muß. Ich werde jetzt in aller Muße, die ich ja nun habe, schreiben können mit der nächsten Post. Für jetzt entschuldigt mich, denn die Post fährt gleich.

Herrn Schuster habe ich getroffen. Schade, daß der Wagen nicht kam, ich könnte ihn so gut verkaufen mit Profit.

Nun grüßt alle Geschwister, Hausgenossen und Bekannten vielmals von mir, mir ist es jetzt solange gut gegangen und das Fieber hat sich nicht wieder eingestellt.

Nun lebt wohl für diesmal,

mit herzlichen Grüßen

Euer Sohn Hans


Zaobis, den 7. Januar 1897

Liebe Eltern!

Heute ist mein Geburtstag und mich hat gerade heute ein Skorpion in den Arm gestochen, weshalb ich schlecht schreiben kann. Die Post geht heute Nachmittag. Ich werde deshalb einige Ochsen leihen müssen. Ich denke auch nächstens zu fahren, vielleicht 2-mal für Otjimbingue. Dann werde ich den Kram verkaufen und lieber mauern. Ich habe 2 weitere Leute in Aussicht. Mit Herrn Corleis Haus bin ich noch nicht ganz fertig, es soll noch ein Anbau und eine Veranda gebaut werden.

Mir sind jetzt 5 Ochsen weggelaufen und 2 Leute hinterdrein, um zu suchen. Die Ochsen sind sicher im Damaraland und da verschwinden sie leicht spurlos. Wenn ich das Zeug verkaufe, schicke ich das Geld.

Vom Fieber bin ich jetzt solange glücklich verschont geblieben, trotzdem es viel geregnet hat. Es wird ein sehr fruchtbares Jahr.

Weihnachten haben wir (der Storemann, ein anderer hier bei Corleis Angestellter, und ich) auch einen kleinen Tannenbaum geputzt, den Eingeborenen hier etwas geschenkt. Die Frauen derselben mußten dann Weihnachtslieder singen. Herr Corleis kam nachher auch und gab eine Bowle, die wir tranken und auch sehr wehmütig nach Deutschland, nach Hause, dachten. Es ist dies das erste Mal hier in Afrika gewesen, daß ich wirklich eine Art Heimweh hatte.

Deinen Brief vom 25. September habe ich kürzlich erhalten. Du frägst nach Schurzens. Die alte Frau ist in Windhoek bei der Truppe als Köchin. Die ältere Tochter hat Gustav Wilke, meinen Lehrer im Bauhandwerk, geheiratet. Mauer hat wieder Lizenz, er will auf Salem bauen. Ich werde es vielleicht übernehmen. Ich war damals, als ich nach der Bai fuhr, einen Tag mit Herrn Schuster und Schurz zusammen und wir haben uns sehr nett unterhalten.

Bei Dr. Rhode damals, wo ich Fracht bei ihm für seine damalige Filiale in Haikamkap holte, hat es mir sehr gut gefallen. Ich habe dort vorzüglich gespeist und Bier getrunken und mich mit Dr. Rhode über alles Mögliche unterhalten. Er ist ein sehr geistreicher und witziger Mensch. Nur von vielen hier wird er geschmäht wegen seiner Schlauheit und Durchtriebenheit im Handel und Geschäft. Ich kann aber nichts über ihn sagen, er ist wenigstens sehr freundlich gegen jeden und durchaus ohne Dünkel, an dem hier im Lande so viele kranken und der sozusagen fast epidemisch ist.

Wie gut, daß Muttichen wieder wohlauf ist. Ich hatte neulich hier auch eine Art Ma­genkrampf. Die jetzige Witterung bringt es jedenfalls mit sich, da fast alle Leute diese Magenstörung, so eine Art Kolik, haben.

Die Geschwulst an meinem Arm ist ziemlich schlimm, doch habe ich den Arm gebadet und ich denke, sie wird noch bald wieder abziehen. Jetzt zur Regenzeit kommen auch die Schlangen heraus und werden gefährlich. Eine Puffotter haben wir kürzlich oben im Haus totgeschlagen.

Ein hier durchreisender Frachtfahrer, der bei mir und Esser (meinem Kollegen, welcher mit mir hier arbeitet) im Pontok war, holte einen Rock vom Nagel und eine Schlange fiel aus dem Ärmel und verschwand blitzschnell. Als Esser, ein durchreitender Soldat und ich neulich abends nach dem Haus oben zum Abendessen gingen, züngelte plötzlich dicht vor mir und noch näher an Esser eine große Puffotter, die drohend sich aufrichtete und in ihrer Stellung verharrte bis sie ein Stockschlag nieder warf.

So, nun für diesmal genug, liebe Eltern, grüßt die Geschwister und alle Bekannten herzlich. Nachträglich ein fröhliches Weihnachtsfest und ein glückliches neues Jahr wünschend verbleibe ich

Euer Sohn Hans

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