08 Oktober 2015 | Kultur & Unterhaltung

Bornemann und Merle – Die Jagd

Christian Bornemann und Manfred Merle kennen sich bereits seit fast zwei Jahrzehnten. Zur ersten Begegnung kam es Ende der 1990er Jahre bei einem Speed-Weltcup in Südfrankreich. „Wir haben großen Respekt voreinander“, sagte Merle der AZ am Sonntagabend nach der offiziellen Eröffnungsfeier der Speed Challenge 2015 im Nest-Hotel. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 48,82 Knoten – 90,41 Kilometer pro Stunde (km/h) – über 500 Meter holte sich Bornemann vergangenes Jahr in Lüderitzbucht den deutschen Rekord zurück – von Merle, der bei seinem Debüt 2013 mit 47,86 Knoten (88,64 km/h) durch den Kanal unweit des Diaz-Kreuzes gerast war. Nun treffen die beiden Kontrahenten zum zweiten Mal in Namibia direkt aufeinander. „Ich fahre hier nicht gegen Christian, sondern um den Rekord“, betonte Merle, der aus Peine bei Hannover angereist ist. Bornemanns nationale Bestmarke diene ihm dabei als Messlatte. Einen persönlichen Konkurrenten sehe er in seinem Landsmann jedoch keineswegs. „Ich trete hier wirklich für einen Weltrekord an. Wenn der deutsche Rekord dann wieder an mich geht, wäre ich natürlich super froh“, ergänzt der 52 Jahre alte Elektrotechniker. Seinen zweiten Start in Lüderitzbucht hat er einem Sponsor zu verdanken. Merle: „Ohne finanzielle Unterstützung wäre ich nicht hier.“ Der ebenfalls ambitionierte Bornemann hat bei seiner vierten Teilnahme an der Speed Challenge gleich fünf Ziele fest im Visier. „Ich will meine persönliche Bestleistung verbessern und den deutschen Geschwindigkeitsrekord des Kitesurfers Jochen Bock (49,36 Knoten/91,41 km/h, Anm. d. Redaktion) knacken. Darüber hinaus ist es mein Ziel, die 50-Knoten-Marke durchbrechen, einen Top-Speed von mehr als 100 Kilometer pro Stunde erreichen und schneller als Manfred zu sein“, erklärt der 49 Jahre alte Zahnarzt aus Dortmund und lächelt dabei. 1,89 Meter ist Bornemann groß, 95 Kilogramm bringt er auf die Waage. „Momentan wahrscheinlich etwas weniger“, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu. Seit Samstag leidet Deutschlands derzeit schnellster Windsurfer an einer Magenverstimmung. „Ich habe wohl etwas Falsches gegessen, befinde mich aber auf dem Weg der Besserung und muss jetzt wieder die Kraftreserven auffüllen.“ Dass an den ersten Tagen der Speed Challenge wegen technischer Probleme im Kanal keine Rennen stattfinden können, spielt ihm da in die Karten. Bornemann: „Bei der Jagd auf Rekorde muss man hundertprozentig fit sein.“ Der Mann mit dem kahlrasierten Kopf weiß, wovon er spricht. 2012 verbesserte er die nationale Bestmarke, die Jochen Krauth 17 Jahre zuvor mit 41,90 Knoten (77,60 km/h) an der Küste der kanarischen Insel Fuerteventura (Spanien) aufgestellt hatte, um 0,48 auf 42,38 Knoten (78,49 km/h). Kurz darauf steigerte er sich noch einmal auf 46,75 Knoten (86,58). Während seiner Vorbereitung auf die Speed Challenge 2015 hat Bornemann rund 40 Tage auf dem Wasser verbracht. In den vorigen Jahren waren es meist weniger. Seine Surfeinheiten absolviert der Westfale an der niederländischen Küste – die ist von Dortmund aus schneller zu erreichen als Nord- oder Ostsee. Zusätzlich geht er dreimal die Woche joggen, macht Krafttraining und schwimmt. Merle dagegen surft bevorzugt auf Prielen in der Nordsee, beispielsweise vor Büsum. Trainiert wird immer bei guter Windvorhersage – durchschnittlich zwei Mal im Monat. Wenn das an der Nordseeküste nicht geht, fährt er auch in den Niederlanden oder am Steinhuder Meer, dem größte See Nordwestdeutschlands. Seinen Körper stählt der 1,87 Meter große und 100 Kilogramm schwere Muskelmann im Fitnesscenter. Es sind die Muskeln und die Körperspannung, die ihn bei Stürzen auf dem Wasser vor schweren Verletzungen bewahren, weiß er. Auf Surfbrettern steht Merle seit 29 Jahren, mit dem Speed-Surfen begann er 1997. An dem rasanten Sport reizen den Draufgänger die Geschwindigkeit, das Adrenalin und die Aufgabe, absolut am Limit zu fahren. Außerdem faszinieren ihn die Auseinandersetzung mit den Naturgewalten und das Unkalkulierbare am Wind. „Wenn man nach dem Start um die Kurve des Kanals schießt, der Wind in das Segel donnert und es richtig voran geht, ist das schon geil“, beschreibt Merle seine Leidenschaft für das Extreme. Bornemann erfreut sich an den vielen unterschiedlichen Facetten seines Sports: Material, Erfahrung, Geschicklichkeit, Koordination, Innovationsbereitschaft, technische Finesse – alles muss passen. „Der Schwerste oder Muskulöseste ist nicht unbedingt der Schnellste. Man muss auch den Kopf einschalten, das macht es doch interessant“, findet der Zahnmediziner. Mit 17 Jahren stieg Bornemann erstmals auf ein Surfbrett, intensiv betreibt er den Sport seit rund zwei Jahrzehnten. Die Rekordjagden bei der Speed Challenge sind trotz all seiner Erfahrung etwas Besonderes. „Ein richtiger Saisonhöhepunkt“, erklärt Bornemann. Das sieht auch Merle so: „Nur hier kann man derzeit Weltrekorde schaffen, das gibt einem diesen besonderen Kick. Die Möglichkeiten sind einfach beeindruckend.“ Beide bleiben bis Anfang November in Lüderitzbucht und hoffen, dass ihnen der Wind in die Karten spielt. Bei guten Bedingungen dürfte Bornemanns Landesrekord schon bald fallen. Wer Deutschlands schnellster Windsurfer ist, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Robby Echelmeyer

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