25 Oktober 2018 | Meinung

Blumige Gefilde am Äquator besucht

Jubel und närrische Bocksprünge sind über den frühen Regen der Kleinen Regenzeit ausgebrochen, die Güsse gebracht hat, die man sich ansonsten nur Mitte bis Ende der Großen Regenzeit vorstellen kann. Und für unsere Wüstenrandgebiete, geschweige denn die Namib selbst, addieren sich die Millimeter hier und da gleich zur Jahres- oder Dreijahressumme. So weit schlägt das Pendel an einem Tag vom Durchschnitt aus.

Nochall ´ne moie Ablenkung vom Tagessgeschäft der Politik, von der hochgekochten Landreform, auch Ablenkung von der steigenden Finanzmisere. Und diese Kassen-Bredouille hat keineswegs zuwege gebracht, dass die Giergeier etwa nich länger in irgendeine Staats-, städtische oder korporative Kasse langen. Und der Regen lenkt sogar eine Weile vom Gewaltpegel an Frauen und Kindern ab.

Aber wenden wir uns heut´ dem drei Tage dauernden Staatsbesuch zu, den Omupräsidente III mit Gefolge vor einer Woche dem führenden Land Ostafrikas abgestattet hat, Kenia. Eigentlich gehört der Kilimandscharo auch zu Kenia, aber den Berg hat die Empire-Königin Viktoria angeblich in einem Anflug von Großzügigkeit gegenüber der kontinentalen Verwandtschaft, ihrem Neffen Kaiser Wilhelm II nämlich, einfach so geschenkt. Wenn die gewusst hätte, dass sich ihre gemeinsamen Nachfahren ca. 15 Jahre später den 1. Weltkrieg und wenig später noch den 2. Weltkrieg liefern würden!

Aber das muss man sich mal bildlich vorstellen, dass ich meiner Verwandtschaft in meiner Nachbarschaft sommer so ´nen Riesenberg, nein, ein ganzes Gebirge auf einem anderen Kontinent vermache. Und beide ham sich das Geschenk niemals selbst vor Ort angeschaut!

Aber wir sind vom kenianischen Thema abgekommen. Bei Hages Besuch in Nairobi bei seinem Gegenpart Uhuru (Freiheit) Kenyatta sind wie üblich bei solchen Begegnungen unter postkolonialen afrikanischen Herrschern rückblickend die Themen Solidarität, Freundschaft, Pan-Afrikanismus mit eingefahrenem Pathos zur Sprache gekommen. Und vorwärts natürlich mehr Kooperation in vielen Bereichen. Transport, Landwirtschaft und Blumenzucht, um nur einige zu nennen. Und das mit dem erforderlichen Aufruf, dass die Vereinbarungen, memos of understanding, die bilateralen Vorhaben et cetera, und so weiter, nich nur auf dem Ombampira stehenbleiben, sondern in die Tat umgesetzt werden.

Auf der UNO-Ebene will Omupräsidente sich für eine erneute Teilnehmerrunde Kenias im UN-Weltsicherheitsrat einsetzen. Der antiquarische Klub der Sieger- und Halbsiegermächte von 1945 klammert sich mit unverkennbarem Egoismus heute noch am Vetorecht fest, obwohl die Welt sich seit den vierziger Jahren des vorigen Jahrtausends sehr verändert hat. Drei Europa-Staaten – Russland, Frankreich und Britannien – beanspruchen das Vetorecht für sich, derweil der Kontinent Afrika diesem Klub noch immer paternalistisch untergeordnet bleibt. Von selbst besitzen diese Veto-Staaten – USA und China gehören auch dazu – net nich die Größe, entsprechende Reformen einzuleiten. Wie Fressende an der Krippe: „Meine! Meine! Meine!“ Um´s mal milde zu sagen.

Zurück zu den Kenianern. Omupräsidente III hat in Nairobi selbstverständlich den Einsatz einer beachtlichen Anzahl kenianischer Friedenssoldaten gewürdigt, die zur UNTAG, zur UN Transitional Assistance Group gehört haben, die den Frieden im Übergangsjahr 1989 und noch drei Monate zusätzlich nach der Unabhängigkeit, also nach März 1990 garantieren sollten. Omupräsidente Geingob hat sodann den „Heldenmut“ der Kenianer bei der Ausübung dieser Pflicht gepriesen. Andersrum gesagt: die ham ihre Pflicht und Schuldigkeit getan, aber das is noch lange kein Heldentum. Aber so is das in der Politik. Da wird normale Pflicht plötzlich zu Heldentat.

Was eher nennenswert bleibt, is die joviale Natur der Kenianer in UN-Uniformen, so wie ich sie zufällig auf der Brücke in Swakopmund angetroffen habe. Anders als die DDR-Polizisten unter UNO-Befehl standen die unter keinem Verbot, freundlich mit deutschsprachigen oder anderen Locals zu verkehren.

Die Kenianer agierten unter dem Befehl von General-Leutnant Ishmael Opanda, der unter Anderem dafür zu sorgen hatte, dass die gefangenen SWAPO-Krieger, die am 1. April 1989 in voller Kampfmontur die angolanische Grenze zum Lande der Bravourösen überquert hatten, in karierter Zivilkleidung und Khakihosen wieder ins Nachbarland zurückgefahren wurden, von wo sie sich erneut in Zivil zur Repatriierung melden konnten …

Versteht sich, dass Omupräsidente III diese Pflicht nich in der Anpreisung der Kenia-Soldaten angesprochen hat. Indessen hat er sich aber auffällig für die Schnittblumen-Schule der Kenianer interessiert. Vielleicht schaffen er und fleißige Landreformer es, die Ongombo-West-Blumenzucht wiederzubeleben, die durch Ignoranz und politische Borniertheit zugrunde gegangen is.

Lang lebe die namibisch-kenianische Freundschaft. Möge sie blühen bis in die Vasen hinein!

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