12 Oktober 2016 | Lokales

Bisher keine Entschuldigung

Schwarze Namibier, darunter Namibias Polizeichef, in Frankfurt selektiv kontrolliert

Trotz Diplomatenpasses wurde General-Leutnant Ndeitunga auf dem Weg vom Flugzeug zur Passkontrolle im Korridor von Polizisten zur Seite genommen und zusammen mit weiteren schwarzen Passagieren kontrolliert. Der Polizeichef hat nichts gegen Sicherheit, aber die Art und Weise fand er unprofessionell.

Von Dirk Heinrich, Windhoek

„Wir flogen am 1. Oktober dieses Jahres in Windhoek los und landeten früh morgens am 2. Oktober 2016 in Frankfurt. Ich war einer der ersten der aus dem Flugzeug stieg und als ich den Korridor in Richtung Passkontrolle hinunterlief, wurde ich plötzlich von zwei Polizisten zur Seite gebeten. Sie wollten meinen Pass sehen und fragten wohin ich wollte“, sagte der General-Inspektor der namibischen Polizei, Sebastian Ndeitunga. Auch die beiden anderen Polizisten seiner Delegation sowie fünf junge schwarze Namibier, die auf dem Weg nach Kanada waren, wurden zur Seite gerufen. „Ich teilte den deutschen Kollegen in Uniform mit, dass ich der namibische Polizeichef bin und dass ich einen Diplomatenpass habe. Dies schien den jungen Polizisten, der allem Anschein nach von seinem Kollegen Instruktionen erhielt, wenig zu interessieren, denn er betrachtete meinen Pass sehr genau. Die Fragen gaben mir das Gefühl, dass ich für ein Flüchtling oder Asylbewerber gehalten wurde“, meinte Ndeitunga im Gespräch mit der AZ.

Auch die anderen schwarzen Namibier wurden dieser Kontrolle unterzogen, bevor sie nach einigen Minuten zusammen mit den anderen Passagieren zur Passkontrolle gehen durften. „Als ich einen der Polizisten fragte, warum sie nur Schwarze kontrollieren und keine der weißen Passagiere, sagte dieser, dass nicht ausreichend Zeit sei“, so der Polizei-General. An der Passkontrolle habe der Beamte sehr lange in seinem Pass geblättert, und als Ndeitunga dem Beamten mitteilte, dass er kein Visa benötige, da er einen Diplomatenpass besitze, habe der Einwanderungsbeamte nur geantwortet, dass er lesen könne.

„Wir waren auf dem Weg nach Lyon in Frankreich zu einer Interpol-Konferenz. Ich habe nichts gegen Sicherheitskontrollen, ich weiß dass diese wichtig sind, aber ich habe etwas gegen ein offensichtliches Auftreten gegen eine bestimmte Personengruppe. Entweder haben diese Polizisten keine genauen Befehle erhalten oder wissen nicht wie sie auftreten sollen. Nicht einmal mein Polizeiausweis schien den Polizisten zu beeindrucken“, meinte der General-Inspektor. Es könnten und müssten Stichproben durchgeführt werden, aber es sollte nicht so offensichtlich sein, so der oshiwambosprachige Polizeichef. Bisher habe sich niemand bei ihm entschuldigt, aber er würde heute den deutschen Botschafter treffen.

Es müsse weltweit für Sicherheit gesorgt werden und vor allem Besucher müssen sich in einem Land wohl und sicher fühlen. Dies sei auch in Namibia der Fall. „Ich habe wegen der zahlreichen Touristen im Lande die Zahl der Polizisten im Außendienst erhöht. Aber wir können nicht überall sein und leider gibt es in jedem Land Kriminelle. Wenn wir jedoch Täter fassen, ist es wichtig, dass die Geschädigten Anzeige erstatten, denn sonst haben wir nichts gehen die Schuldigen in der Hand“, betonte Ndeitunga.

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