29 November 2018 | Meinung

Bierpatrioten und Müll

Woran klammern sich die Leut´, wenn se sich identifizieren, einordnen und in einem Kreis dazugehören wollen, so se sich sich wohlfühlen, ja sogar geborgen fühlen? Da gibt´s mos ´ne ganze Bandbreite von Möglichkeiten, von Kirchen, Esoterikern und Sekten, über Sportvereine und Kaffeekränzchen, sprachlich und ethnisch (völkisch!) abgegrenzte Volksfeste, politische Willensträger als Heilsbringer, sprich Parteien mit religiösem Dominanzanspruch, Historikerschulen und Sparten diverser Weltanschauung … Jesslaik, allein im Lande der Bravourösen nimmt das mos kaum ein Ende.

Und in anderen Ländern, zum Beispiel auf der Brexit-Insel, bestehen der Identifikationspunkt und die Behauptung patentierter nationaler Eigenart sogar aus der Altwährung, dem Pfund Sterling, das zusammen mit dem Königshaus, bzw. der königlichen Hoheit konstatiert: das sind wir in unserer unverwechselbaren Domäne, splendid isolation.

Zurück nach Namibia. Neben den überragenden Emblemen und Kennzeichen wie Sonne, Schreiseeadler, Oryx und Welwitschia und den Nationalfarben der Flagge gibt´s mos noch stief Wahrzeichen auf dem zweiten und dritten Rang, die unverwechselbar und nur hier heimisch sind. Landsschaften, Naturschutz, Jagd, Rauchfleisch und nich zuletzt das Bier im Lande der Bravourösen.

Letzteres is heute dran, nachdem die Namibische(n) Brauerei(en) - kampferprobt gegen ihre übermächtige Konkurrenz der südafrikanischen Brauereien - jetzt die Euro-Pfandflasche abgeschafft ham, ersatzlos. Nein, nich das Bier, das sich nach unanfechtbarem Reinheitsgebot auf dem ganzen Kontinent und noch weiter weltwärts behaupten kann. Das kommt stets in anderen, hauptsächlich, Einwegflaschen und Tins, in Dosen meinetwegen, die landesüblich bleddy-well an der Pad, manchmal im Müll und hier und da idealerweise sogar im Recycling landen.

Das handliche Maß der Euroflasche wurde ca 1975 mit Posaunen und Trompeten eingeführt, wahrscheinlich auch mit der schwungvollen Klangkulisse der Wika-Phoniker, und hat inzwischen bei zwei Generationen im Lande der Bravourösen den Müll vermindert. Und jetzt sagt Dir der Portugiese im Bottle Store achselzuckend: „Nee, die Brauerei hat die Euro-Flasche abgeschafft. Wenn Du unbedingt Bier in ´ner Pfandflasche ham willst, dann kannste auf die große Shebeen-Flasche umsteigen.“ Aber nich alle Biertrinker betreiben ´ne Shebeen oder wollen die 750 ml-Flasche leeren.

Summar summarum, das Brauerei-Management, das sich ansonsten umweltfreundlich gibt, verursacht mit dieser Maßnahme, dass sich die der Verpackungsmüll im Land vermehrt, anstatt sich zu vermindern. Noch mehr Abfall an der Pad und in der Gesellschaft.

Dann musste der Bierfreund noch ´ne sonderbare Entdeckung machen. Als der namibische Winter angebrochen war, mit kalten Nächten, war das landeseigene Winterbier noch nich auf dem Markt. Kann vorkommen, dass die Brauer mit der Abfüllung oder was sonst gesökkelt ham. Aber als der Urbock dann tatsächlich im Bottle Store erhältlich war, war er nich wieder zu erkennen. Das Management hat sage und schreibe den Urbock aus dem Etikett entfernt und die ganze Aufschrift in ´ne fade Null-Acht-Fuffz´n-Beschriftung runterfrisiert, die in südafrikanische Ladenketten passt aber auf keinen Fall dem Holzschnitt-Kameldorn-Charakter von Namibia gerecht wird.

Warum wir das hier mal anprangern? Namibisches Bier und die Behälter seiner Abfüllung gehören zum Landesmerkmal wie das britische Pfund zur Brexit-Insel. Die Einnahmen gehen in die Betriebs- und Konzernkasse, aber das süffige Gerstengetränk is huka schon Volksbesitz, mit dem Comräds, Oukies und Rapper sonstwo angeben.

Nachlese zum Steinbock vor einer Woche

Die Partei, die sich für die Größte aller Zeiten hält, hat vor Gericht einen Angriff aus der Flanke in dieser Woche abwehren können. Jong, da kommt noch mehr Sports im Hause Namibia!

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