22 März 2019 | Polizei & Gericht

Betrüger Rothen entgeht Freiheitsstrafe

Immobilen-Entwickler aus Swakopmund kommt mit Geldbuße von 100000 N$ davon

Der gebürtige Schweizer Hans-Peter Rothen, der seid 1976 in Namibia lebt und vor einem Jahr wegen Betrugs und Diebstahls in insgesamt elf Fällen schuldig gesprochen wurde, ist einer Haftstrafe entgangen und mit einer Geldbuße von 100000 N$ davongekommen.

Von Marc Springer, Windhoek

Bei ihrer Strafmaßverkündung am Freitag ließ Richterin Naomi Shivute als mildernden Umstand gelten, dass Rothen mit 73 Jahren bereits in fortgeschrittenem Alter und in schlechter gesundheitlicher Verfassung sei. Sie berief sich dabei unter anderem auf die Zeugenaussage des Privatarztes von Rothen, wonach sein Patient unter akuter Diabetes, Bluthochdruck und hohen Cholesterinwerten leide, für die er regelmäßig behandelt werden müsse und eine spezielle Ernährung benötige.

Ferner habe das gegen Rothen geführte Verfahren großen Stress bei ihm ausgelöst und Magengeschwüre hervorgerufen, die zusammen mit den anderen Krankheiten die akute Gefahr eines Schlaganfalls berge und eine medizinische Intervention benötige.

Shivute erinnerte auch an die Aussage von Monica Rothen, die seit 40 Jahren mit dem Angeklagten verheiratet ist. Diese hatte ausgesagt, dass ihr Mann vor seiner Festnahme ein “extrovertierter und lebensfroher“ Mensch gewesen sei, sich seit Beginn des Verfahrens jedoch “komplett zurückgezogen“ habe und die Öffentlichkeit meide. Außerdem hatte sie betont, dass der Beschuldigte sehr auf ihre emotionale Unterstützung angewiesen sei und es schwere Folgen für seinen Geisteszustand haben werde, wenn er eine Haftstrafe erhalten sollte.

Dies hatte auch eine Psychiaterin bestätigt, die Rothen in einem Gutachten als “Einsiedler“ beschrieben hatte, der unter Depression und Angstzuständen leide und jegliche Lebensfreude verloren habe. Gleichzeitig hatte sie den Angeklagten als “intelligent, diszipliniert, kooperativ und pflichtbewusst“ beschrieben der mit an Gewissheit grenzender Wahrscheinlichkeit den von ihm begangenen Betrug nicht wiederholen werde.

Diese Meinung vertrat auch Verteidiger Louis Botes. Demnach habe sich sein Mandant zwischen Januar 2003 und März 2004 nur deshalb auf Kosten des Teilhabers Bernd Müller an rund 1,2 Millionen N$ der gemeinsamen Firma Sea Side Properties Investment bereichert, um das von ihm initiierte Immobilienprojekt Palm Gardens im Interesse der Investoren fertigzustellen. Ferner hatte Botes hervorgehoben, dass dem Bauunternehmer rund fünf Millionen N$ an Rechtskosten entstanden seien und er nach dem Konkurs seiner Firma nun berechtigte Existenzsorgen habe.

Zwar wertete es Shivute als erschwerenden Umstand, dass Rothen keine Reue gezeigt, sondern den von ihm begangenen Betrug bis zuletzt geleugnet habe. Sie rechnete ihm jedoch an, dass er weder vorbestraft sei, noch eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Angesichts seines hohen Alters und schlechten Gesundheitszustands sei folglich eine Haftstrafe nicht angemessen und eine Geldbuße von insgesamt 100000 N$ zur Ahndung seiner Straftaten ausreichend.

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