27 März 2019 | Meinung & Kommentare

Über die Revolution der Revolution nachdenken

Sehr geehrter Chefredakteur, der namibische Unabhängigkeitstag offenbart ein Dilemma, das schon die Französische Revolution hatte: Man versucht, die neugewonnene Freiheit in einem Fest zu feiern. Feste feiern kann man aber nur, wenn man neben der Freude über das Erreichte weiß, wohin man in der Zukunft will. Ein Volk, das sich befreit hat, braucht eine positive Vorstellung davon, was es will. In dem Augenblick, in dem eine Revolution ihr Ziel erreicht, muss sie beinahe über die Revolution von der Revolution nachdenken. Der Philosoph Gunnar Hindrichs hat das in einem Buch mit dem Titel „Philosophie der Revolution“ im Jahr 2017 ausführlich beschrieben. Die Freude der Befreier, als Befreite sich selbst ihre eigenen Gesetze schreiben zu können, währt nicht lange. Denn auch in der neuen „Constituency“ ist jeder Einzelne gezwungen Gesetze einzuhalten, gegen die sich dann irgendwann wieder eine neue Revolution wehren wird.

Hindrichs kommt zu dem Schluss, dass eine Revolution nur dann zu sich selbst finden kann, wenn sie sich selbst „übersteigt“. Das kann geschehen in einer neuen Ästhetik oder in einem „Gott“ der Revolution. Ein Volk „kann selber die Revolution schreiben und singen“, so Hindrichs. Indem es die Schönheit der neugewonnenen Freiheit besingt, entwickelt das Volk ein Verständnis vom wirklichen Sinn der Revolution. Wie beim Auszug der Israeliten in der Bibel braucht eine Nation eine Idee von göttlicher Bedeutung, die „in ihr Inneres“ eingeschrieben ist.

Präsident Geingob hat versucht, mit dem Harambee-Begriff etwas in dieser Richtung zu tun. Vielleicht stellt sich aber auch für die deutsche Gemeinschaft die Aufgabe mitzuwirken an der Beschreibung des positiven Neuen.



Mit freundlichen Grüßen,

Andreas Peltzer, Okahandja

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