06 Dezember 2019 | Meinung & Kommentare

Über die Grenzen der Gefolgschaft

Der Lack ist ab und die Schonfrist vorbei. So ließe sich das Wahlergebnis der SWAPO interpretieren, die zwar nach wie vor eine komfortable Vormachtstellung in der Nationalversammlung genießt, für ihre Verhältnisse jedoch dramatisch an Zuspruch verloren hat.

Man kann es drehen und wenden wie man will: Ein Stimmenverlust von 21 Prozent ist verheerend und zeigt zweierlei: Dass die SWAPO nicht unantastbar oder allmächtig ist und sich ihr Befreiungsbonus abgenutzt hat. Dass hat vor allem damit zu tun, dass die sogenannten Born-Frees, also Wähler die nach der Unabhängigkeit geboren wurden, zahlenmäßig immer mehr Einfluss gewinnen und für die Kolonialismus-Rhetorik der SWAPO nicht mehr empfänglich sind.

Wer nie Fremdherrschaft, Unterdrückung und Diskriminierung erlebt hat, der lässt seine Wahlentscheidung nicht von der Vergangenheit leiten. Dem reicht es nicht, wenn SWAPO-Funktionäre alle fünf Jahre als Gegenleistung für ihre Verdienste im Befreiungskampf die politische Gefolgschaft der Stimmberechtigten einfordern. Der bewertet die SWAPO nicht an ihrer historischen Leistung als Wegbereiter der Unabhängigkeit, misst sie nicht an ihren militärischen Erfolgen als Befreiungsbewegung, sondern an ihrer programmatischen Arbeit als Regierungspartei.

Und wer diesen Gradmesser anlegt und dabei materiellen Gewinn als Zeichen des Fortschritts wertet, hat wenig Grund von den Genossen begeistert zu sein. Der denkt vor allem an Arbeitslosigkeit, Armut, Kriminalität und Korruption und muss sich irgendwann eingestehen, dass die SWAPO im Kampf gegen diese Missstände seit Erlangen der Selbstbestimmung wenig erreicht hat.

Marc Springer

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