31 Januar 2019 | Meinung

Beamtenkultur zwischen Opolifi und anderen Staatsdienern

Unsere Opolifi is mos unser Freund und Helfer. Das is immer eine durchwachsene Erfahrung, dass entweder schnell zugeschlagen wird und Gangster gefasst werden oder auf den Hilferuf gebeutelter, geschundener und gemorschter Bürger und Besucher folgt gähnende Leere, vor allem wenn es „noch“ keinen Toten gegeben hat. Da heißt es schlicht: „Wir ham kein Otjiauto!“

Die private Sicherheitsbranche der Wach- und Schließgesellschaften, die Nachbarschaftswachen und sonstige Netzwerke gegen die florierende Kriminalität sind eine gewaltige Wirtschaftsbranche, wenn Du die ständig Beschäftigten und die Freiwilligen zusammenzählst. Ironiker und Sarkastiker sowie die Beutegeier selbst können iesie behaupten, dass die Kriminellen „Arbeitsplätze schaffen“, nochall! Und zwar derart viele, dass die Polizeier überhaupt nich ausreichen.

Für einen Job hat das Gouvernement aber immer genug Polizeier zur Verfügung: für den VIP-Schutz, für die Präsidenteneskorte, für den Sicherheitsrahmen bei Staatsbesuchen. Für das Spalier mit Affenschaukeln. Für das politische Zeremoniell, denn Staatangelegenheiten sind auch stets Theaterspiel für Volk und VIPs.

Immerhin hat die Opolifi letzthin in Walfisch-Bayern am Hafen ihre Präsenz gezeigt, ohne dass erst Blut fließen musste. Denn die sichtbare Anwesenheit uniformierter Polizeier, und sei es auf einem alten Bakkie, hat ja auf gutgläubige Bürger und Besucher ´nen beruhigenden und auf Taschendiebe ´nen Pas-Op-Effekt.

Als die Wassermelonen-Frau, die seit ca Mitte Dezember auf der Anfahrt im Schatten eines Kameldornbaums kurz vor Elisenheim ihre Produkte verkauft hat, am vergangenen Sonntag von drei Drecksäcken beraubt wurde, hat ein Einwohner sofort die Polizei angerufen, und die hat - wen wundert´s ? - auch reagiert: „Wir ham gerade keine Tjorry.“ Dabei gibt der Staat stief Geld für die Schutzmacht aus! Von anderen Pleiten woll´n wir gar nich erst reden. Immerhin gibt es manchmal ´ne Erfolgsmeldung wie nach den Hornkranz-Razzien.

Kameeta vor Armutsrittern

Altbischof Kameeta im Amt als Frontkämpfer gegen die Armut hat vor anderen Ministern den Vorteil, dass er über theologische Bildung verfügt, wozu gewiss auch etwas Umgang mit den klassischen Sprachen gehört. Vor seinem ministeriellen Team hat er zu Jahresbeginn eine Motivations- und Ermunterungsrede gehalten, wie das in viele Amtsbereichen so üblich is.

Ausgehend vom Mandat, der Vision sowie der Mission - wie die Ziele und Zielsetzungen nach staatlichem Muster gegliedert sind - is der Oministeli und Altbischof auf das Dienen zu sprechen gekommen, um dann 20 goldene Benimm-Dich-, bzw. Erfolgsregeln anzusprechen. Anfangs hättste den Alten Fritz raushören können, der sich als König bekanntlich für den ersten Diener des Staates Preußen ausgegeben hat.

Kameeta hat seinen - hoffentlich - Getreuen eine kleine Latein-Lektion erteilt, was es mit dem Minister und seinem Ministerium von der Sprache her auf sich hat. Hiernach wortwörtlich Kameeta;

1.„Ein Minister ist ein Diener.“

Ministrare bedeutet dienen (nich bedient werden!)

Ministry, Ministerium: der Ort, die Instanz, wo Leute bedient werden.

2.Wir sind die Diener (servants) des Volkes von Namibia.

3.Unsere Haltung im Ministerium hat die eines Dieners zu sein, nicht eines Bosses.“

Schon die ersten drei Aufträge Kameetas sollte sich der Bürger ausschneiden und damit jeden Behördengang bewältigen, auch die neue Bürokratie in der Konsularabteilung der deutschen Botschaft in Ovenduka.

Bei Punkt 4 kommt der Minister auf die allseits bekannte Beamtenmanier, den Antragsteller und Hilfesuchenden von Pontius zu Pilatus zu schicken. „Nee, hier nich. Dá musste hingehen!“ Und womöglich Schlange stehen.

Viertens: Kameeta verlangt, dass einem Staatsklienten sofort und hier geholfen werden soll. Wenn es noch nich die richtige Stelle is, soll die Person nich einfach auf die Straße zurückgeschickt werden, sondern soll der Beamte seinen zuständigen Kollegen, seine Kollegin im anderen Amt anrufen und das Anliegen schon erläutern, bevor sich die Person auf den Weg macht! Kameetas Wort in Gottes Ohr und in die Ohren der phlegmatischen Beamtenschaft!

Punkt 5: Armut ist ungewöhnlich (unusual). Deshalb kann es nicht business as usual sein.

Und zur Auswahl noch ein paar Punkte:

16. Kultiviere keine Misskultur der Abwesenheit von der Arbeitsstelle …

17. Du sollst nicht nur da sein, sondern gegenwärtig sein für Deine Aufgaben.

20. Möge das schöne Ideal der Vision eines gerechten, friedlichen und wohlfahrenden Namibia Dich in Deiner Arbeit begeistern. Keine egoistische Ambition, kein Anspruchsdenken, keine Überstunden- und Reisespesen-Schinderei. - Ende der Punkte.

Jesslaik, wir fragen uns, wieviele Beamten hat der Minister von Punkt 1 bis 20 noch bei sich und wieviele hat er schon bei der Latein-Lektion verloren?

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