16 Dezember 2002 | Natur & Umwelt

BAUM DES MONATS

Namibischer Mahagonibaum oder Hölzerne Banane
Entandrophragma spicatum
Familie: Meliaceae

Auffallendste Merkmale: großer einstämmiger Baum mit weit ausladender Krone; große holzige Frucht in der Form etwa wie eine Zigarre oder eine Banane; nur im zentralen Norden Namibias und in Südangola; meist auf tiefgründigem Sandboden.





Namen: E: owambo wooden banana; Nd.& Ky. omutaku; botanischer Name: Entandrophragma (Gr) bezieht sich auf die innere Form der zu einer Röhre verschmolzenen Staubgefäße (also den männlichen Teil der Blüte) die Vorsilbe ent steht für in und andro für männlich. Unter dem Mikroskop ist zu erkennen, dass diese Röhre in kleine Fächer unterteilt, also fragmentiert ist; spicatum bedeutet dornförmig, über den genaueren Zusammenhang konnte ich keine Angaben finden.





Verbreitung: auf den tiefgründigen Sandböden im zentralen Norden Namibias bis in das Kaokoveld (Swartbooisdrift, Opuwa) und in Südangola





Wuchsform und Höhe: bis 20 m hoher Baum mit weit ausladender Krone und geradem Stamm





Stamm: mit dunkel grauer, glatter Rinde, die scheibenförmig abplatzt





Blätter: grob gefiedert; an langen, weich behaarten Stengeln an den Zweigenden gebüschelt, 3 - 7 gegenständige oder fast gegenständige Blattpaare; die Blättchen länglich, eiförmig bis fast rund 2.5 -7 cm lang





Blüten: klein, grünlich, an langen lockeren Blütenständen in den Blattachseln





Früchte: das deutlichste Merkmal - braun, manchmal gefleckt, zigarrenförmig. In der Reife platzt die Schale von der Spitze her in 5 Segmenten auf, bleibt aber am Stengelende der der Frucht befestigt und verleiht ihr das Ausehen einer halb geschälten Banane; inmitten dieser Schalen bleibt eine holzige Säule stehen, an der die hellbraunen Samen sitzen. Die Samen sind, ähnlich wie die des Veilchenbaumes (Securidaca longipendunculata), einseitig mit einem seidigen Flügel versehen. An der weichen, holzigen Oberfläche der Säule sind oft die Abdrücke der abgefallenen Samen zu erkennen.





Nutzen: Die Samen gelten als giftig, das aus ihnen gewonnene Öl wird jedoch in dem Verbreitungsgebiet des Baumes als Massageöl und für kosmetische Zwecke verwendet. Der Ölkuchen ist sehr giftig und wird, in Fleischbrocken verborgen, zum Vergiften von Hyänen und anderem Raubwild - auch von Hunden, die sich an die Vorräte machen wollen - verwendet. Das von dem Oshiwambo Namen omutaku abgeleitete Verb okutakula bedeutet etwas gründlich erledigen. Mein Informant legte die Bedeutung dahingehend aus, dass das Öl einerseits ein sehr wirksames Heilmittel und der Ölkuchen andererseits ein sehr wirksames Gift sei.


Die zerkauten Zweige dienen als Zahnbürste. Das sehr schöne rotbraune Holz eignet sich zur Herstellung von Möbeln der Baum ist jedoch selten.


Entandrophragma spicatum gehört zu der Familie Meliaceae, der auch die verschiedenen Mahagoni-Arten angehören. Die nahe verwandte Art E. caudatum mit einer ähnlich geformten Frucht kommt von Ost-Caprivi entlang der Grenze Boswana/Simbabwe, Südafrika/Mosambik bis in das Swasiland vor. Sie ist im Volksmund als E. Mountain mahagony, A. Bergmahonie bekannt, ihr schönes rotbraunes Holz heißt Sapele. Das Holz mehrerer anderer Entandrophragma Arten wird ebenfalls Sapele genannt.


Ein weiteres, in Namibia weit verbreitet angepflanztes, und stellenweise ausgewildertes Mitglied der Familie Meliaceae ist der so genannte Fliederbaum oder Kap-Flieder (Melia azedarach). Der betörende Duft seiner großen, fliederfarbenen Blütentrauben kennzeichnet den Frühling in Namibia. In den Wintermonaten ist der Baum an den zahlreichen biskuitfarbenen Beeren zu erkennen, die als giftig gelten, von Tokos aber gern gefressen werden. Angeblich sind die Beeren mancher Bäume giftiger als andere. Kinder vergiften sich gelegentlich damit, erholen sich bei entsprechender Behandlung aber schnell, es sei denn, sie haben große Mengen der Beeren gegessen. Die trockenen, gerippten Beeren werden oft allein oder zusammen mit anderen Gegenständen zu Schmuck verarbeitet auf den Straßenmärkten angeboten. Laut Van Wyk & van Wyk: Field Guide to Trees of Southern Africa kann ein wässeriger Auszug der Blätter des Kap-Flieders auf Gemüse und Obst gespritzt werden, um blattfressende Insekten, besonders Heuschrecken, zu vertreiben.





Vermehrung: Zur Vermehrung von Entandrophragma spicata habe ich keine Angaben gefunden. Vermutlich treffen aber die für E. caudatum aus Südafrika angegebenen Tips zu. Die Saat sollte geerntet werden, kurz ehe die Frucht aufspringt, denn sie wird sehr schnell von Insekten angestochen. In tiefe Saatkästen mit zwei Teilen Sand und einem Teil Kompost säen. Verträgt Dürre aber keinen Frost. Ein schöner Baum für große Gärten und Parks.











Zusätzliche Angaben zum Inhalt dieses Artikels, Hinweise auf eventuelle Fehler oder Ungenauigkeiten, weitere einheimische Namen und Hinweise auf deren Bedeutung sind sehr willkommen und zu richten an Tel 061-239415, P O Box 9053, Windhoek (Eros) oder e-mail: [email protected]

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