20 Juli 2020 | Gesundheit

Aufstand gegen Corona-Gräber

Schuldbekenntnis von Gouverneur: Gemeinde nicht informiert

Das Bestatten von COVID-19-Todesopfern auf einem neuen Friedhof nahe dem Walvis Bayer Stadtteil Narraville wurde mit sofortiger Wirkung gestoppt, nachdem am Freitagabend hunderte verärgerte Einwohner aus der Hafenstadt den Zugang zum Friedhof versperrt hatten.

Von Erwin Leuschner, Swakopmund/Walvis Bay

Die Einwohner von Walvis Bay sind empört: „Dies ist eine Beleidigung für ganz Walvis Bay und nicht nur für die Bewohner von Narraville. Wir können uns nicht einfach zurücklehnen und den Politikern erlauben, auf unsere Kosten zu tun was sie wollen“, sagte der Anwohner Dario Benson am Freitag im Gespräch mit der Internetplattform Erongo. Benson verwies damit auf einen neuen Friedhof, der weniger als ein Kilometer von dem Walvis Bayer Stadtteil Narraville gelegen und für COVID-19-Todesopfer bestimmt ist. Die erste Person, die in Namibia an dem Virus verstorben ist, wurde dort beigesetzt.

Am Freitagabend sollte das zweite COVID-19-Todesopfer bei einer Nacht-und-Nebel-Aktion auf dem neuen Friedhof beerdigt werden, hunderte Walvis Bayer hatten jedoch die Zufahrtstraße zum Friedhof mit ihren Fahrzeugen blockiert. Mit Plakaten und dem Schlachtruf „We don’t want“ hatten sie ihre Empörung über den nahegelegenen Standort des Friedhofs zum Ausdruck gebracht. Zugleich wurde eine Petition gestartet, die bis gestern über 1600 Unterschriften zählte.

Die Demonstranten hatten Gesundheitsbeamte, die das zweite COVID-19-Todesopfer dort bestatten wollten, an dem Zutritt zum Friedhof gehindert. Das Personal des Gesundheitsministeriums hatte die Polizei eingeschaltet, die allerdings wenig gegen die Menschenmasse ausrichten konnte. Der Konvoi musste somit umkehren, während die Anwohner das ausgehobene Grab zuschütteten. Sie forderten außerdem, dass die bereits beigesetzte Leiche exhumiert und woanders bestattet werden solle. Benson bezeichnete das Gebiet als eine „Müllhalde“, die sich nicht für Bestattungen eigne.

„Ich persönlich bin dafür verantwortlich, dass die Gemeinde nicht über den neuen Friedhof informiert wurde. Wir hätten euch mit einbeziehen sollen. Es tut mir sehr leid“, richtete sich unterdessen Erongo-Gouverneur Neville Andre, an die Menschenmenge. „Wir sind nicht hier, um zu streiten, wir müssen eine einvernehmliche Lösung finden“, ergänzte er.

Andre zufolge wurde der neue Friedhof geschaffen, da Gräber für Virus-Opfer laut den Regeln für COVID-19-Bestattungen mindestens 200 Meter von einem bestehenden Friedhof entfernt sein und eine Tiefe von 2,6 Metern haben müssten. Außerdem müssten die Personen binnen 48 Stunden nach dem Tod bestattet werden. Bei den bestehenden Friedhöfen in Walvis Bay könne aber nicht tiefer als 1,9 Meter gegraben werden, da man sonst auf Wasser stoße. „Dieses Gebiet wurde bereits für einen neuen Friedhof vom Stadtrat bestimmt. Es gibt in der geforderten Tiefe kein Wasser, weshalb sich diese Umgebung als Ideal erwiesen hat“, erklärte der Gouverneur. Er nahm aber die Bedenken der Demonstranten zur Kenntnis und versicherte, dass bis auf weiteres kein weiteres COVID-19-Todesopfer auf dem neuen Friedhof bestattet werde.

„Wir müssen bedenken, dass über 90 Prozent aller positiven Fälle asymptomatisch sind. Dies bedeutet, dass Personen mit COVID-19 infiziert sind, aber keine Symptome zeigen oder akut krank werden“, sagte Gouverneur Andre am Freitag in Swakopmund. „Wir können uns daher nicht von den scheinbar gesunden Erscheinungen oder von der Tatsache täuschen lassen, dass wir keine hohe Anzahl schwerkranker Patienten haben.“

Unterdessen ist die Anzahl von Virusinfektionen in Namibia am Wochenende erneut deutlich gestiegen. Dr. Kalumbi Shangula bestätigte insgesamt 171 neue Fälle, 46 am vergangenen Freitag und 125 am Samstag. Der Großteil aller Fälle (158) stammt aus Walvis Bay. Von allen in Namibia bestätigten Virusfällen wurden 95 Prozent in der Hafenstadt verzeichnet.

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