17 März 2017 | Polizei & Gericht

Auf Park-Besucher geschossen

Routinestopp gerät außer Kontrolle - Eine Kugel trifft Kleinkind im Kopf

Das Misstrauen zwischen Besuchern eines Nationalparks und einer Anti-Wilderer-Einheit haben jetzt zu Schüssen auf diese Touristen geführt. Ein Kleinkind wurde danach mit einer Kugel im Kopf ins Krankenhaus eingeliefert. Zum Hergang gibt es unterschiedliche Darstellungen.

Von Frank Steffen, Windhoek/Divundu

Der Vorfall hat sich am Mittwochnachmittag unweit von Divundu im Bwabwata-Nationalpark (Sambesi-Region) ereignet. Laut Polizeisprecher Edwin Kanguatjivi wollte eine Anti-Wilderer-Einheit der Polizei das Auto der Windhoeker Familie Keil routinemäßig untersuchen. Der Fahrer des Wagens, Harald-Uwe Keil, habe offenbar hinter dem ihn verfolgenden Fahrzeug einen Entführungsversuch vermutet, weshalb er schneller gefahren sei. „Laut dem mir vorliegenden Bericht hat Keil eine Anzeige gegen einen der Polizisten wegen Mordversuchs erhoben. Angeblich wurde hinter dem Wagen hergeschossen und splitternde Scheiben haben ein Kind verletzt. Im Bericht ist lediglich die Rede von Verletzungen der dreijährigen Tochter“, so Kanguatjivi.

Spekulationen in sozialen Medien, wonach es zu einem Wortgefecht zwischen Keil und den Beamten gekommen sei und der Windhoeker seinen Weg ohne Genehmigung fortgesetzt haben soll, weswegen die Polizei hinterherschoss, wollte Kanguatjivi nicht kommentieren. Er verwies auf laufende Ermittlungen.

Der Pressesprecher des Umweltministeriums (MET), Romeo Muyunda, sagte auf AZ-Nachfrage, dass die Polizei den Wagen der Keils auf einer wenig befahrenen, aber öffentlichen Straße im Park bemerkt und eine Routinekontrolle geplant, der sich Keil jedoch entzogen habe. „Laut der mir zugetragenen Informationen hatte sich das Ehepaar verfolgt gefühlt und fuhr schneller, aus Angst vor einem Entführungsversuch. Daraus schlossen die Polizisten, dass die Insassen des Wagens etwas zu verbergen hätten und vor ihnen flüchteten, weswegen einer von ihnen scheinbar Schüsse abgegeben hat. Was er sich dabei dachte, ist mir unklar, aber der Fahrer war unvernünftig, wo doch alle wissen, wie gespannt die Lage da oben wegen der andauernden Wilderei ist.“

Familienvater Harald-Uwe Keil hat eine eigene Version, die er gestern in einer Nachricht an den NMH-Verlag mitteilte: „Nach 5 Stunden Rundfahrt im Bwabwata-Nationalpark befanden wir uns auf dem Weg raus - allerdings noch im Park -, als wir von einigen bewaffneten Männern, welche teils in Zivil und teils in Militäruniformen gekleidet waren, angehalten wurden. Zehn bis fünfzehn bewaffnete Männer befanden sich beiderseits meines Autos und als ich wissen wollte, warum wir angehalten wurden, gab man mir keine Antwort; auch meine Bitte, sich als Mitglieder der namibischen Streitkräfte (NDF) auszuweisen, brachte keine Reaktion. Ohne weitere Erklärung wurden wir aggressiv aufgefordert, sofort auszusteigen und die Türen wurden aufgerissen. Da wurde mir klar, dass hier etwas nicht in Ordnung ist. Man hat meine Familie bedroht, weswegen ich mit dem Auto flüchtete und da schossen die hinter uns her. Eine Kugel traf meine Tochter am Kopf. Die Kugel kann nicht entfernt werden, solang die Schwellung am Kopf nicht zurückgeht.“

Der Großvater des verletzten Kindes, Peter Keil, ist Informationen zufolge sofort in den Norden geflogen und hat seine Schwiegertochter sowie die beiden Kinder nach Windhoek bringen lassen, wo das verletzte Mädchen jetzt auf der Intensivstation eines Privatkrankenhauses behandelt wird. Er sagte gestern zur AZ, dass man seiner Enkelin wahrscheinlich erst nach drei Tagen helfen könne.

MET-Sprecher Muyunda bedauert den Vorfall und sagte, dass sich Colgar Sikopo, Direktor der namibischen Parks, vor Ort befinde, um sich ein Bild zu machen. Polizeikommissar Kanguatjivi versprach indes eine schnelle Klärung, nachdem er von der AZ erfahren hatte, dass das Kleinkind schwer verletzt im Krankenhaus liegt.

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