29 August 2018 | Polizei & Gericht

Anwalt verübt Suizid

Brandt beendet vor Gerichtsvorladung sein Leben

Nur wenige Stunden bevor er sich am Obergericht einem Verfahren wegen angeblich groben Fehlverhaltens hätte stellen und dabei seine drohende Suspendierung als Jurist hätte abwenden sollen, hat sich der Anwalt Chris Brandt (67) gestern das Leben genommen.

Von Marc Springer, Windhoek

Laut Polizei wurde Brandt gegen 6.00 Uhr in seiner Wohnung in der Chateau-Straße in Klein Windhoek gefunden. Er habe eine Schusswunde am Kopf aufgewiesen, die er sich offenbar selbst mit einem Revolver beigebracht habe. Obwohl kein Abschiedsbrief gefunden worden sei, würde alles auf Suizid hindeuten.

Brandt war über 40 Jahre als Anwalt tätig und damit einer der Dienst ältesten Juristen des Landes. Nachdem er die ersten 20 Jahre seiner Karriere im Staatsdienst verbracht und dort unter anderem für acht Jahre als erster Regierungsanwalt nach der Unabhängigkeit gedient hatte, machte er im Jahre 1998 unter dem Namen Chris Brandt Attorneys eine private Kanzlei auf. Das Anwaltsbüro war in den vergangenen Jahren bei Revisionen des Generalbuchprüfers auffällig geworden, was schließlich zu einer Untersuchung und dem gegen Brandt eingeleiteten Verfahren führte, das gestern hätte verhandelt werden sollen.

Auslöser war die in seiner Kanzlei offenbar übliche, aber streng verbotene Praxis, laufende Unkosten mit Finanzen aus dem Treuhand-Konto des Anwaltsbüros zu zahlen. In einem derartigen Konto werden für gewöhnlich Gelder von Mandanten zwischengelagert, auf die deren jeweiliger Anwalt erst Anspruch hat, wenn ein Verfahren abgeschlossen ist. Dazu können große Beträge gehören, wenn beispielsweise ein Klient ein Haus kaufen will und die dafür fällige Summe solange in dem Treuhand-Konto verwaltet wird, bis der Anwalt die Übertragung der Immobilie abgeschlossen hat.

Zur Begründung des gestern angesetzten Eilantrags gegen Brandt hatte die Direktorin der Juristenvereinigung, Margaretha Steinmann, in einer eidesstattlichen Erklärung angeführt, Brandt habe nach Darstellung des Generalbuchprüfers seit 2015 mehrfach Gelder aus dem Treuhand-Konto zur Finanzierung laufender Ausgaben verwendet und sich damit groben Fehlverhaltens schuldig gemacht.

Obwohl die aus dem Treuhandkonto entnommenen Gelder in der Vergangenheit meist wieder zurückgebucht worden seien, habe Brandt dennoch unethischen gehandelt und Zweifel an seiner Eignung als Anwalt geweckt. Ferner sei durch das „unprofessionelle, unehrenhafte und unwürdige“ Verhalten auf Seiten von Brandt auch Misstrauen an der Führung seiner gesamten Kanzlei angebracht. Weil darunter der Ruf anderer Juristen und die Interessen seiner Mandanten leiden könnten, müsse Brandt suspendiert und ein Vermögensverwalter für sein Anwaltsbüro eingesetzt werden.

Steinmann zufolge beschäftige Brandt „keine professionellen Assistenten“ weshalb seine Suspendierung vermutlich zur Schließung der Kanzlei führen und es notwendig machen werde, dass ein Vermögensverwalter sich den noch anhängigen Verfahren von Brandt annehmen und die Interessen seiner Mandanten wahren müsse.

Nach Darstellung von Steinmann hat Brandt den mehrfachen Regelverstoß in einem Schreiben an die Juristenvereinigung eingeräumt und mit finanziellen Engpässen begründet. Demnach sei die Buchhaltung in seiner Firma aufgrund einer langen Krankheit des zuständigen Mitarbeiters „in Verzug geraten“ und deshalb Finanzen aus dem Treuhand-Konto zur Zahlung von Gehältern und anderen Unkosten verwendet worden. Ferner hatte Brandt in dem Schreiben darauf verwiesen, dass in der Kanzlei Liquiditätsprobleme entstanden seien, weil Schuldner ausstehende Zahlungen von insgesamt rund 2 Millionen N$ über einen langen Zeitraum nicht beglichen hätten.

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