12 Januar 2021 | Gesundheit

Anti-Corona-Wirkung vermutet

Tierarznei gegen Darmparasiten ist plötzlich gefragter Renner

Das namibische Unternehmen für den Vertrieb von Tiermedikamenten, Swavet, ist unvermittelt von Kunden unter Druck geraten, die von der Corona-hemmenden Wirkung eines Wurmmittels ausgehen, das ansonsten nur bei Tieren gegen Darmparasiten angewandt wird.

Von Ronelle Rademeyer u. Eberhard Hofmann

Windhoek

Kurz vor Weihnachten erreichte die AZ die Nachricht aus der Großstadt Belo Horizonte in Brasilien, dass fast das gesamte Personal an zwei großen Krankenhäusern vorgeschriebene Dosen an „Ivermectina - Medicamento genérico“, von Ärzten verordnet, eingenommen habe. Es handelt sich um ein Wurmmittel aus dem Veterinärbereich, das dort als Dosis für menschlichen Gebrauch aufbereitet wurde. Die Erfahrung unter den brasilianischen Krankenpflegern und dem Verwaltungspersonal besagt laut Mitteilung, dass keine Person, die an der Prophylaxe durch „Ivermectina“ teilgenommen habe, von Corona befallen worden sei.

Die Nachricht von der auf Menschen angewandte tierische „Corona-Wurmkur“ klang im Dezember noch befremdlich, hat sich jedoch aus anderen Quellen Anfang Januar rasant in Namibia ausgebreitet, so dass die hiesigen Vertreiber von Ivermektin, bzw. der Großhandel für Tiermedizin, Swavet, sich plötzlich einem Ansturm der Öffentlichkeit auf die ansonsten unbeachtete Patentmarke „Ivomec“ ausgesetzt sieht.

Laut Swavet-Geschäftsführer Goi Gertse erfährt sein Geschäft seit dem 4. Januar einen Ansturm auf die Marke, wobei er den Kunden ausdrücklich mitteile, dass Swavet das Mittel lediglich für die Tiermedizin vertreibe. Etliche Kunden erklärten, dass sie das Mittel selbst einnehmen wollten, derweil andere es zur „Behandlung ihrer Rinder“ haben wollen, derweil das Swavet-Personal sehr wohl erkennt, dass diese Kunden keine Farmer sind, aber das Mittel unbedingt mitnehmen wollen. Gertses Erklärung, dass das hier erhältliche Mittel nicht für menschlichen Gebrauch bestimmt ist, hält die Kunden nicht davon ab, es zu erwerben. Swavet erhält inzwischen Nachfragen von etlichen Ärzten, Apotheken sowie anderen Läden. In Namibia und Südafrika ist das Mittel bisher nur als Tierarznei erhältlich, in anderen Ländern unter verschiedenen Etiketten aber für den menschlichen Gebrauch zugelassen.

Abgewiesene bzw. leer ausgehende Käufer des Mittels, das manche für eine „Wunderarznei“ halten, beschaffen sich Bestandteile von Ivermektin, um das Wurmmittel selbst anzumischen. Gertse teilt mit, dass Swavet allerhand Anrufe von Ärzten und Apothekern erhält, um zu erkunden, ob noch Vorräte vorhanden sind. Der Lungenspezialist Dr. Willie Bruwer, der während der vergangenen Monate viele Covid-19-Patienten behandelt hat, kennt einige Studien über die Wirkung von Ivermektin, wie er gegenüber der Zeitung Die Republikein bemerkte. Er hält diese Laborstudien für nicht gut, weil unter anderem die Stärke einer Dosis nicht feststeht und die Nebenwirkung nicht bekannt ist. Er rät vom Gebrauch ab. Das Mittel gehört auch nicht zu den Medikamenten, die die Weltgesundheitsorganisation für die Behandlung von Corona anerkennt. Der südafrikanische Kontrollrat für die Genehmigung von Gesundheitspräparaten, Sahpra, hat indessen erklärt, er werde Anträge auf Zulassung des Medikaments überprüfen, wenn sie gestellt würden.

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