24 Januar 2019 | Meinung

Anstöße zum Wahljahr unter Bravourösen

Zu Beginn des Jahres, in dem wir das Parlament neu bestimmen und wieder ´nen Omupräsidente wählen, gibt´s neben hohlen Phrasen wenigstens ein paar Denkanstöße. Und die kommen von einem, der nach Verständnis der Regierung einfach zu viele Anstöße gegeben hat, so dass sich die Comräds von ihm bedroht fühlten und noch fühlen. Daraufhin ham se ihn rausgeschmissen, ohne dass er silberne Löffel geklaut hat. Joseph Diescho nämlich wurde seines Amtes als Chef des Beamten-Fortbildungsinstituts enthoben und hinausgesandt in die Freelance-Wildnis, wo er selbst sehen muss, wo die Brötchen herkommen, Mitte oder Ende des Monats.

Wenn Du Dir vor Augen führst, was Omundohotola Joseph Diescho gleich zu Jahresbeginn über die regierende SWA Volksorganisation losgeworden is, dann verstehste, dass die Comräds ihn net nich in einer institutionellen Führungsposition sehen und schon gar nich aushalten können, schon gar nich als Beamtenlehrer. Diescho is nämlich einer, der den Beamten neben der erwünschten Arbeitstugend auch beigebracht hätte – hätte man ihn walten lassen – aus der Box zu denken. Think out of the box, erheb Dich aus dem Einerlei Deiner Routine, verschaff Dir mehr Überblick und Einblick in die Zusammenhänge!

Aber jetzt ein paar Zitate des politisch nich korrekten Denkers: „Namibier müssen verstehen, dass ihre Identität nicht in einen Rahmen gewickelt ist, wo es gilt, wer früher mal gegen wen gekämpft hat. Die Identität muss viel mehr auf Wahrheit beruhen. In der Tat gibt es hier keine Partei, die einen Krieg gewonnen hat. Wir lügen, wenn wir behaupten, wir hätten das weiße Regime geschlagen. Wir haben niemanden besiegt. Es war eine international ausgehandelte Verhandlungslösung, ohne Gewinner, ohne Verlierer. UN-Resolution 435.“ Schon an dieser Stelle wollen die politisch korrekten Comräds ihn steinigen, denn der politische Mythos der Regierungselite lebt toch von der militärischen Siegesillusion! Check nur die Kaffeemaschine.

Richtig is, dass der unkonventionelle Buschkrieg samt Terror einer unter mehreren Faktoren war, die die Mächte und Parteien 1988 bis 1990 an den Verhandlungstisch gebracht haben.

Weiter mit Diescho: „Swapo ist nicht mit Panzern einmarschiert, die weißen Leute rauszuschmeißen. Die Weißen, die in Namibia waren, waren Teil der Verhandlungen.“

Und jetzt schneidet der Joseph ein Thema an, das seit November 1990 nich nur in der großen Partei, sondern auf politisch korrekter Staatsebene ein Tabu is, das noch niemand gründlich angerührt hat, einfach deshalb, weil sich jeder sagt: „Lass se toch regieren, denn sonst hätte der Buschkrieg noch länger dauern können.“ Wörtlich sagt er: „In der Tat hat Swapo die Wahlen von 1989 verloren – das verwässert die Lüge, dasse den Feind besiegt hätten.“ Leider geht Diescho hier nich auf die Hintergründe ein, die ihn zu der „unerhörten“ Aussage befähigen.

Der Zwischenstand der Wahlergebnisse Ende November 1989 war, dass die DTA südlich der Etoscha-Pfanne mit einfacher Mehrheit die siegreiche Partei war. Und dann wurden die Stimmen des Ovambolands noch ausgezählt. In dem Prozess ging in der Nacht das Licht aus. Und als das Licht wieder anging, erhielt die DTA dort einen Sitz, während die Swapo die erdrückende Mehrheit erhielt und damit schlagartig regierungsfähig wurde, bzw. mit komfortabler absoluter Mehrheit in die Verfassunggebenden Versammlung einzog. Niemand beanstandete das Ergebnis, obwohl weder die UNO-Leute um ihren Vertreter Ahtisaari noch der südafrikanische Statthalter Louis Pienaar dazu eine Erklärung anboten. So isses bis heute geblieben. Rückwärts lässt sich da nix mehr ändern. Dennoch gehören die Umstände und der Hintergrund zu Dieschos Behauptung geklärt.

Meme Shaningwa sagt: „ Es ist fein. Seine (Dieschos) Meinung gehört zu seinem Recht.“ Aber gern hätten wir mehr von ihm erfahren, wie er zu seiner Wahlbehauptung gelangt is. Jong, dann hat er zum Jahresbeginn noch mehr an der politischen Korrektheit gerüttelt! Darauf müssen wir wrachtach noch zurückkommen.

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