30 Juli 2021 | Meinung & Kommentare

Ansporn zum Neuaufbruch

Zusammen mit Prof. Dr. Gerhard Tötemeyer haben vier unabhängige Analytiker und Journalisten am Montag dieser Woche, wie berichtet, im Rahmen eines virtuellen (Internet) Symposiums eine kritische Bestandsaufnahme des erstarrten Status quo Namibias unternommen. Ausgangspunkt war die frische Quo-vadis-Schrift Tötemeyers: Namibia 2021: Where-from and where-to? „Was haben wir zur Unabhängigkeit an Ideen gehabt, was erreicht und was ist nie drangekommen?“

Bei dem Austausch von zwei Stunden, moderiert von Graham Hopwood mit Unterstützung der Hanns-Seidel-Stiftung, hat man die Anwesenheit eines rechenschaftspflichtigen Funktionärs der Swapo vermisst. Dennoch war es ein brisantes Treffen, von dem aufrüttelnde Impulse bis in alle politischen Planungs- und Entscheidungsgremien ausgehen sollten. Von dem vor ca. 15 Jahren groß angesagten „Think Tank“ der Swapo, der Ideenschmiede, ward nichts mehr gehört.

Die Aussprachen von Bience Gawanas, Dr. Job Amupanda, Gwen Lister und Toivo Ndjebela haben die höchst brennenden sozio-politischen Schwächen und Mängel der Gesellschaft prägnant hervorgehoben und gleichzeitig dringenden Handlungsbedarf angezeigt.

Zu den schlimmsten Unterlassungen der Regierung/Swapo gehört die Weigerung, Misshandlung und Mord im Exil an eigenen Mitgliedern aufzuarbeiten. „Wenn die Wahrheit rauskommt, wird der Weg zur Versöhnung frei.“ Nationale Aussöhnung hat bisher nur selektiv, nicht inklusiv stattgefunden.

Die Arbeitslosigkeit von 50% gilt als „horrend“ und steht der Lösung vieler anderer Probleme im Weg. Bodenbesitz ist kein Allheilmittel, aber Arbeitsbeschaffung. Die Anspruchshaltung der Führungsschicht, samt Korruption und der Verfall der Werte, Gewalt an Frauen und Kindern, haben die Unterprivilegierten, die Allgemeinheit erreicht.

Eine erschütternde Bilanz. Dennoch haben die Teilnehmer die Diagnose nicht im Ton der Resignation erstellt.

Eberhard Hofmann

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