28 Februar 2020 | Leserpost

Anmerkung zum Dialog

Betr.: Die ONCD Vorstellung im Museum (AZ, 7.2. 2020)

Lieber Herr Leuschner,

nach der 2. Einladung des Gesprächskreises bestätigt sich: Die Verhandlungen beider Länder wurden bereits abgeschlossen. Wo bleibt dann noch Raum für Gespräch? Die aufopferungsvolle Geschichte des ungehört gebliebenen deutschen „Tribes“ wird einfach verkauft und darum wird er auch immer kleiner. Wie lange ist man hier wie dort schon am Werk, um den produktiven Eifer der Deutschen auszunutzen, sei es aus Neid / fehlender Produktivität oder aus ideologischen Gründen rotgrünliberaler Politiker, die Schritt für Schritt die Saat der Lüge über deutsche Kolonialgeschichte aussäen? Im Windhoeker Nationalarchiv liegen 600m DSWA-Akten im Regal. Was ist das für ein Rechtsstaat, der zuläßt, daß gegen eine verbliebene Volksgruppe samt Vorfahren stetig Anschuldigungen ausgeschüttet werden können, ohne Recht auf Verteidigung, wo jedes Gericht Vorverurteilung ablehnt?

Wie beim letzten Haeussler-Vortrag über „Konzentrationslager“ waren nicht nur die Kommunikationsregeln an diesem Abend bereits festgezurrt. Zwei Altpolitker vom Gesprächskreis, Grundgesetzvater v. Wietersheim und Wahlbefürworter Tötemeyer, leiten und stellen die wohlsituierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft vom ONCD (Genozid-Dialogkomitee der Ovaherero/Ovambanderu und Nama von 1904-1908) und den Governeur (trotz Krankenurlaub erschienen) vor.

Gastgeber und Gäste zeigen große Einigkeit. Der Sekretär des OCND spricht über die Entstehung des Rates (2005 in Opuwo, 2015 in Vaalgras), das politisches Mandat und die bisherigen Erfolge.

Deutschland hat anerkannt, daß es einen V-mord in der Vergangenheit auf moralischer und politischer Grundlage gegeben hat. Nach diesem Vortrag wurde zum „konstruktiven Gedankenaustausch“ eingeladen, bei dem die Gäste ausreichend Erklärungen abgeben konnten. Herr Hofmann fragt zunächst nach der Autenzität eines unbekannten Bildes. Alle Lichtbild-Texte der ONCD-Präsentation waren voll von Leichenbildern, die die Deutschen nur vom Feind gemacht hatten, wie im Krieg üblich.

Eine Erklärung gibt Dr. Hartmann, Geschichtslehrer an der DHPS. Nicht der Ort der Aufnahme und seine Herkunft sind wichtig, sondern die Verdeutlichung der Greueltaten. Sollen jetzt mit neuer Geschichtsschreibung Völker umfunktioniert und die Jugend mit der Gesinnung der Herrschenden gleichgeschaltet werden, damit ihr Ruhestand nicht gefährdet wird? Wenn Politiker Angst und Macht haben wird‘s gefährlich. Dann bekommt ein Deutscher das Mikrofon und danach nie wieder. Er sagt, daß die Herero- und Nama-Vertreter in den Verhandlungen der Regierungen, jegliches Gehör fanden, nur die Deutschnamibier nicht. Außerdem können die älteren Deutschen ihre Erfahrungen in Englisch nicht einbringen. Die politische Lage in der Welt hat sich vorteilhaft für Forderungen nach 100 Jahren entwickelt.

Daraufhin erhält er vom Veranstalter die Mahnung, nur Fragen zu stellen. Die Hoffnung, daß eine offene Diskussion ein Spektrum an Ansichten zuläßt, erfüllt sich heute nicht. Er muß seine Präsentation abbrechen und bietet der Delegation seine Frageliste nach Abschluß zur Diskussion an. Eine Repräsentantin will ihn auf das ONCD-Logo hinweisen (Dialog with each other); daß Gespräch ist begonnen worden und man ist dabei (miteinander zu sprechen). Fragen wie, wer die Herero und Nama heute nach Jahren friedlichen Zusammenlebens gegen ihren einstigen Verbündeten zur Anklage bewegte, bleiben offen. Nur ein Teilnehmer steht am Abend auf und spricht Worte, die ihre Wirkung nicht verfehlen, und wofür ihm die Gäste sogar Kredit geben.

Seine Ablehnung des V-mords tritt hervor. Es geht ums Geld. Wir Deutsche schauen vorwärts nicht rückwärts wie sie. Zum Abschluß wird von den Gästen verschiedentlich die Bitte geäußert, die Verbindungen nach Deutschland für einen baldigen Vertragsabschluß einzusetzen, und der Gastgeber möge auch auf dem Land aktiv werden. Auch Hinweise, wer alles deutsches Blut in sich hat, bleiben nicht aus. Das wundert etwas, denn der ONCD hat in seiner Position, wie die Vergangenheit zeigt, die deutsche Minderheit gar nicht nötig. Nach dem Abend wendet sich der Deutsche an einen der Gäste, ob er sich durch eine andere Sichtweise angegriffen fühlt und den als Feind betrachtet, der den V-mord bestreitet? "No, but the word enemy is too strong, we are comrades, brothers, fellows etc.” Ein weiterer Gast tritt hinzu. Es gab keinen Krieg.

Die Deutschen haben uns beraubt, betrogen, bekämpft, beschimpft etc. von Beginn an. Die Schädel sind da, die Gräber sind da, Konzentrationslager wurden errichtet und Trotha‘s Befehl von 1904

(Herero) und 1905 (Nama) liegt vor. Seine einseitigen Vorwürfe offenbaren die tatsächliche Blindheit. Andere Meinungen werden nicht erkannt und damit nicht angenommen. Trotzdem fragt der am Gespräch Interessierte, wie denn Bruderschaft aussieht und bekennt sich dabei als Christ. Darf ein Bruder den anderen anklagen? Seinem Gegenüber: “I am a christian,“ scheinen in dem Moment die Augen nicht aufzugehen.

Wer vom Hochmut geblendet ist, ist blind.

Dürfen wir Verstorbene schuldig sprechen? Versöhnung gibt es nicht ohne Vergebung. Vergeben wurde, wenn eine Sache nicht mehr vorgebracht wird.

Schuld kann nicht mit Geld kompensiert werden; den Fehler machte schon die katholische Kirche. Der starke Vorwurf des V-mordes dient einzig der optimalen Schuldzuweisung für eine ultimative Forderung an Deutschland, belastet durch den Judenhaß, den die Geschichte aufzeigt und den OCND bewegt hat, in der CSSR und Polen nach Völkermord zu fahnden. Namibier leben auf Kredit. Deutsche sparen. Zum vermeintlichen Ausgleich wird die BRD von Namibia benutzt, Geschichte hervorgeholt und dem vorgelegt, der seine Geschichte nicht abgelegt hat. Die Gründe liegen geschichtlich eng beieinander: 1904/1918/1923/1933. Wer nicht sparen will, wird nie Wohlstand bilden und mit Schulden leben.

Mit besten Grüßen

Bernd Seefeldt, Swakopmund

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