11 Februar 2019 | Meinung & Kommentare

Anatomie einer Entfremdung

Wie eine zerrüttete Zwangsehe in der Sprachlosigkeit herrscht: So ließe sich das derzeitige Verhältnis zwischen Medien und Regierung beschreiben.

Seine Minister wollten aus Furcht, falsch zitiert oder redaktionell vorgeführt zu werden, nicht mehr mit der Presse kommunizieren. So hat Präsident Hage Geingob das Ausmaß der Entfremdung zwischen der Exekutive und vierten Gewalt beschrieben und damit die eigentliche Problemstellung auf den Punkt gebracht: Wo nicht gesprochen wird, entstehen Missverständnisse und Vorurteile, gedeihen Gerüchte und Verschwörungstheorien.

Warum ist es zu diesem Zerwürfnis gekommen? Weil eigentlich voneinander abhängige und aufeinander angewiesene Entscheidungsträger und Medienschaffende das Vertrauen in einander verloren haben. Weil sich Reporter von Volksvertretern unzureichend informiert und deshalb verpflichtet fühlen, den Mangel an Fakten mit unzuverlässigen Vermutungen zu kompensieren, oder durch eigene Interpretationen anzureichern.

Und weil sich die Berichterstattung damit inhaltlich einfärbt, entsteht bei Führungskräften der Eindruck, die Medien seien ihr natürlicher Feind, den man auf Distanz halten muss. Wer als Wirtschafts- oder Regierungsvertreter denkt, die Medien würden Meinungsmache betreiben, sei es aus politischen Motiven, einem persönlichen Profilierungsdrang oder um die Auflage und Einschaltquote zu steigern, der meidet sie. Und weil er die Auskunft verweigert bleiben Berichte unbestätigt und gelangen Halbwahrheiten, Spekulationen oder Mutmaßungen an die Öffentlichkeit.

Damit schließt sich ein Teufelskreis aus Trugschlüssen. Je mehr sich Politiker vor angeblich voreingenommenen Medien fürchten und schweigen, desto mehr Falschberichte werden aus Mangel an Information veröffentlicht. Und je mehr sich fehlerhafte Berichterstattung häuft, desto mehr verfestigt sich das Vorurteil einer tendenziösen Presse und desto lauter wird das Schweigen jener, die eigentlich eine Auskunftspflicht haben.

Marc Springer

Gleiche Nachricht

 

Armee „besteht“ auf Respekt

vor 15 stunden | Meinung & Kommentare

Die deutsche Kabarettistin Lore Lorentz (1920 - 1994) sagte mal: „Dass eine Armee nicht auffällt, ist das Beste, was man von ihr sagen kann.“ Vielleicht...

Warum auf die schwierige Art?

vor 1 tag - 15 Juli 2019 | Meinung & Kommentare

Entwickelte Länder (von denen wir uns ungern etwas vorsagen lassen), haben für ziemlich jeden Notfall einen Plan in der Schublade. So brauch ein Plan nicht...

Über die Kunst der Kündigung

vor 5 tagen - 11 Juli 2019 | Meinung & Kommentare

Wer glaubt, die wegen Korruption verurteilte Erziehungsministerin Katrina Hanse-Himarwa habe freiwillig das Feld geräumt, sollte sich deren Rücktrittsschreiben samt Reaktion ihres obersten Dienstherrn auf selbiges...

Wie immer fehlt das Konzept

1 woche her - 08 Juli 2019 | Meinung & Kommentare

Wenn künftig auf der Welt ein Boot kentert und Leute im Meer ertrinken, dann ist dies angesichts der Weltpopulation von Milliarden Menschen eigentlich nur ein...

Vertrauen muss verdient werden

1 woche her - 04 Juli 2019 | Meinung & Kommentare

Als Freiheitspartei müsste die Regierungspartei doch wissen, dass sie knapp sechs Jahre brauchte (von 1960 bis 1966), bevor annähernd genügend Vertrauen unter der Bevölkerung entstanden...

Meatco hält Versprechen

vor 2 wochen - 26 Juni 2019 | Meinung & Kommentare

Vor einem Jahr hatten die namibischen Farmer die Nase voll und drohten dem halbstaatlichen Schlacht- und Fleischverarbeitungsbetrieb Meatco mit der Vorenthaltung ihrer Rinder - sie...

Kampf gegen Windmühlen

vor 3 wochen - 25 Juni 2019 | Meinung & Kommentare

Die von Petitionen begleiteten Demonstrationen gegen eine bedingte Freilassung mutmaßlicher Nashorn-Wilderer sind zwar eine verständliche Reaktion auf die drohende Ausrottung von Rhinozerossen in Namibia,...

Gelegenheit für Neubeginn

vor 3 wochen - 24 Juni 2019 | Meinung & Kommentare

Laut Übertragung des Plutarch köpfte der außer sich geratene Tigranes den Botschafter, der ihm den Anmarsch des Luculles ankündigte. Infolge dessen tobte der Krieg danach...

Von Faszination und Vertreibung

vor 3 wochen - 21 Juni 2019 | Meinung & Kommentare

Allein dem Wort wohnt etwas magisches, etwas erhabenes inne: Wüstenlöwe. Es evoziert den Zauber des Einzigartigen, birgt die Verheißung einer einmaligen Begegnung mit dem König...

Wenn Politik Vernunft verdrängt

vor 3 wochen - 20 Juni 2019 | Meinung & Kommentare

Staatsoberhaupt Hage Geingob hat den Hinterbliebenen des von einem Soldaten erschossenen Taxifahrers sein Beileid ausgesprochen und „bedauert“ diesen scheinbar sinnlosen Tod im Rahmen eines ohnehin...