30 Januar 2018 | Meinung & Kommentare

An der Schwelle zum Sadismus

Ist es nur mangelnde Empathie und grenzenlose Gleichgültigkeit, oder schon Gefühlskälte am Rande des Sadismus, wenn Menschen tatenlos zusehen, wie Nutztiere in ihrer Obhut qualvoll verenden? Diese Frage stellt sich, nachdem der Tierschutzverein in Ondangwa und Okahao intervenieren musste, um einige von der Stadtverwaltung beschlagnahmte Rinder, Ziegen, Schweine und Esel vor dem Hungertod zu retten.

Mahatma Gandhi soll gesagt haben, die Größe einer Nation und ihr moralischer Fortschritt ließen sich daran beurteilen, wie sie ihre Tiere behandelt. Wenn das der Maßstab ist, wäre Namibia in mancher Hinsicht ein rückständiges, ein anarchisches Land, in dem Nutzvieh selten mehr als Nahrungsquelle, Transportmittel und Lastenträger ist. Wie anders erklärt sich, dass in gleich zwei Ortschaften umherlaufende Nutztiere solange in völlig verdreckten Gehegen weitgehend unversorgt einsperrt werden, bis ihre Besitzer sie dort abholen? Und wie sonst lässt sich die verstörende Aussage eines dort postierten Sicherheitsbeamten deuten, wonach die im Stall eingesperrten Tiere in der Regel verhungern und verscharrt würden, sofern niemand auf sie Anspruch erhebt?

Welch geringen Stellenwert die Tiere haben, zeigt sich auch daran, dass bei keiner der beiden Stadtverwaltungen jemand für sie zuständig ist und sie ihr Überleben oft von Spendern finanzierten Futterlieferungen verdanken. Verletzte Tiere sind meist dennoch einem qualvollen Tode geweiht, weil die Polizei angeblich nicht befugt ist, sie durch einen Gnadenschuss zu erlösen und das Veterinärsamt keine Substanzen vorrätig hat, sie einzuschläfern.

Solange sich die Verantwortlichen auf diese Weise ihrer Verantwortung entziehen, kann nicht verwundern, wenn niemand zu dem Minimalaufwand bereit ist, den ausgetrockneten Wassertrog aufzufüllen oder das nach Regen verfaulte Heu auszutauschen. Bei Menschen wäre das unterlassene Hilfeleistung und strafbar. Bei Nutzvieh ist es Tierquälerei und ebenfalls strafbar.

Marc Springer

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