23 März 2018 | Tourismus

Alles für den Club

Der Schäferhundverein in seiner dunkelsten Stunde

Der Schäferhundverein in Windhoek hat Nachwuchsprobleme. Dabei hat er alles, was jemand, der Vierbeiner mag, lieben muss. Aber reicht das, damit der Verein eine Zukunft hat? Ein Besuch bei der Welpen-Klasse.

Shiva will nicht mehr. Sie ist müde und hungrig. Wenn überhaupt, will sie jetzt nur noch ein bisschen mit den anderen rumhängen, eigentlich aber möchte sie nach Hause ins Bett. Freitagabends muss Shiva in den Windhoeker Stadtteil Olympia kommen. An der Ecke Frankie-Fredericks- und Sean-McBride-Straße wird sie dann rumkommandiert und getriezt. Das einzig Gute an diesen Abenden sind die kleinen Belohnungen, die sie zwischendurch bekommt. Eine Art Rekompensation für ihr Leid. Trotzdem hat Shiva Freude. Immerhin kann sie mit Gleichgesinnten spielen und wild herumtollen. Sie wird intellektuell gefordert und hat das Gefühl, jedes Mal ein bisschen reicher nach Hause zu kommen.

Shiva ist ein Boerbul-Welpe und muss freitagabends in die Welpen-Klasse des SVNs, des Schäferhundvereins Namibia. Der wird von Waltraut Filips und ihrem Mann Uwe geleitet. Beide sind über 80 und es ist absehbar, dass sie die Leitung und Organisation des Vereins, den sie 1965 mit 13 anderen Hundefans gegründet haben, nicht mehr lange stemmen können. Der SVN blickt also einer dunklen Zukunft entgegen.



Lernen vom Terminator

Die Mitglieder bleiben weg, die Trainings sind nicht mehr so gut gebucht, es finden sich keine neuen Trainer und auch die Organisatoren im Hintergrund werden weniger. „There`s a storm coming“, sagt Sarah Connor am Ende des Films „The Terminator“, bevor sie mit ihrem Schäferhund auf dem Beifahrersitz dem Grauen entgegenfährt. Der SVN blickt einer nur minimal vorteilhafteren Welt entgegen.

Der Schäferhundverein stammt aus einer Zeit, als nicht nur das Deutsche in Namibia noch sehr viel stolzer war. Der Verein hatte lange Zeit vor allem die Aufgabe, Schäferhund-Züchter zu unterstützen, heimische Tiere für den Hundesport auszubilden und so den Ruhm der Rasse in Namibia zu mehren. Man importierte sogar Hunde aus Deutschland und Südafrika, um in Namibia die besten Gene nutzen zu können. Ende der 70er Jahre dann wurde der Schäferhundverein auch für andere Rassen geöffnet. Heute steht der Schäferhund nur noch im Namen und (alten) Logo des Vereins. Das „Deutsch“ im Namen ist auch verschwunden. „Wir sind kein deutscher Verein, alle unsere Trainings sind auf Englisch und für alle“, erklärt Waltraut Filips.

Freitag um 17.30 Uhr geht es los. Der Rasen vor dem Vereinsheim füllt sich langsam mit Hunden jeder Couleur. Da ist Shiva, deren Besitzerin darauf beharrt, dass ihr Name nichts mit dem hinduistischen Gott Shiva zu tun habe, sondern mit Shiva aus dem Hinduismus, dem „Destroyer of Evil“. Lucky ist ein wuscheliges Schäferhundbaby, das noch sein weiches Welpenfell trägt und durchgängig verwirrt aber fröhlich schaut. Dann läuft da Heidi rum, eine schwarze Mischlingshündin, die entweder den Schwanz einzieht ob der Dinge, die man ihr zumutet, oder schlicht nicht gehorcht. Am Anfang dürfen die Hunde miteinander spielen. Immerhin geht es hier auch darum, die Tiere zu sozialisieren. Dann beginnen die Übungen.



Nichts ist süßer als Welpen

Sobald ein Hund seine zweite Impfung bekommen hat, darf er an der Welpen-Klasse teilnehmen. „Ab sechs Monaten darf man etwas strenger mit ihm sein, bis dahin bringt das wenig“, sagt Waltraut Filips, die die Gruppe leitet und mit strenger Stimme Befehle gibt, die eher den Menschen gelten als den Hunden. „Wenn man beim Training nachlässig ist, kann man es auch seinlassen“, sagt sie.

Ab April wird das Samstagstraining für fortgeschrittene Hunde auf Dienstag verlegt. Aber nicht alle können dienstags, weswegen es den Funktionären des Vereins am liebsten wäre, beide Termine anbieten zu können. „Das größte Problem ist, dass sich keine neue Trainer finden lassen“, erklärt Elisabeth Wallner. „Immerhin ist das auch jede Woche ein Zeitaufwand von drei Stunden.“ Früher hat Uwe Filips das Training der fortgeschrittenen Hunde gemacht. Heute ist er dazu körperlich aber nicht mehr in der Lage.



Eine für alle?

Die erste Übung besteht darin, die Hunde von der einen Seite der Wiese auf die andere zu führen. Scharfe Konsonanten zischen über das Gelände. Die Gesichtsausdrücke reichen von angespannt bis hungrig. Die Welpen-Klasse ist gut besucht. Etwa ein Dutzend kleiner Hunde ist da und blickt zwischen den Übungen geduldig auf zu seinen Herr- und Frauchen, immer in freudiger Erwartung auf etwas zu fressen.

Die jungen Hunde sollen hier nur die ganz groben Grundlagen lernen. An der Leine gehen zum Beispiel. Sitz. Und überhaupt dient der Unterricht, der aus zwölf Einheiten besteht, vor allem der Herstellung eines Vertrauensverhältnisses zwischen Hund und Mensch. „Es geht darum, dass der Hund weiß, dass er dem Mensch vertrauen kann. Dass schon nichts passieren wird – beim Tierarzt zum Beispiel“, sagt Elisabeth Wallner. Sie hält den Hundeclub zusammen. Sie ist die letzte Instanz, diejenige, auf der die Hoffnung ruht, dass der SVN fortbestehen könnte. Sie ist Sekretärin und Vorstandsmitglied. Sie regelt die Finanzen und die Organisation. „Wie ein harter, unbezahlter Job ist das“, sagt sie. Aber die Freude an der Arbeit ist unverkennbar, wenn sie vom Rand aus das Verhalten der Hunde kommentiert, die Vereinsgeschichte erklärt und die Arbeit von Waltraut Filips lobt.

Trotzdem erzählt sie, dass ihre Kollegin Ursel Zimmermann, die Vorsitzende, angekündigt habe, aufzuhören. Bisher teilen sich die beiden Frauen die Arbeit. Wenn Zimmermann tatsächlich Ende März ihren Rücktritt verkünden sollte, „dann weiß ich nicht, wie ich das schaffen soll“.

Zwischen den Trainingseinheiten kann Shiva, die Nicht-Göttin, die Konzentration nicht bewahren. Immer wieder will sie andere Hunde zum Spielen animieren. Der Welpe ist gerade zwölf Wochen alt, doch seine Muskulatur wirkt, als könne er seine Besitzerin im Armdrücken besiegen.



Irgendwann ist auch gut

Dann sollen sich die Hunde in HoolaHoop-Reifen setzen. Dafür werden sie belohnt. Selten sehen die Gesichter an diesem Abend so konzentriert aus, wie wenn sie das Rascheln der Leckerli-Tüte hören. „Es ist toll, wenn man einen Hund hat, der gehorcht“, sagt Waltraut Filips. Ihr Mann Uwe sitzt auf der Bank im Schatten des Vereinshauses und schaut zu, wie seine Frau die Gruppe führt. „Wenn man sie richtig erzieht, können Hunde enorm viel Spaß machen. Dann kann man sich auf sie verlassen und wie Arbeitstiere nutzen.“ Sie spricht freundlich aber bestimmt. Auch ihr merkt man an, weshalb ihr der Verein und die Arbeit so wichtig sind: Immer wieder hilft sie den Teilnehmern, wenn deren Hunde sie überfordern. Aber sie spielt auch mit den Hunden, deren kindliche Blicke es immer wieder schwer machen, streng mit ihnen zu bleiben.

Um halb sieben ist die Konzentration der Hunde vollends aufgebraucht. Shiva macht schon gar nicht mehr über die Brücke. Sie hat sich hingelegt und das Weitergehen verweigert. „Das muss man akzeptieren, wenn Hunde noch so jung sind“, sagt Wallner.



Ein Lebenswerk

Nach dem Training setzen sich einige Teilnehmer noch ins Vereinshaus, Waltraut und Jackie Waskow, Waltrauts Assistentin, trinken einen Weißwein, die anderen Bier. „Eigentlich sollte ein Verein nicht nur für die Tiere da sein“, sagt Wallner. „Eigentlich geht es auch darum, dass man sich kennenlernt untereinander, sich über die Tiere austauscht und dadurch Zusammenhalt entsteht. So war es früher.“ Wie dieses Zusammengehörigkeitsgefühl verlorengehen konnte, kann sie heute nicht mehr sagen. Aber das Team arbeitet aktiv daran, das zu ändern. Am Unabhängigkeitstag wurde ein Bingo und Braai veranstaltet.

Später, die Sonne ist mittlerweile untergegangen, erklärt Waltraut Filips, warum es so wichtig ist, einen gut trainierten Hund zu haben. „Zuerst mal: Bellt der Hund nur, oder beißt er auch, wenn es drauf ankommt? Und bellt er alle an oder nur potenzielle Gefahren?“ Ein Hund müsse funktionieren. Und wenn ein Hund funktioniert, dann ist das etwas ganz Tolles.

Aber nicht nur das. „Der Schäferhundverein ist das Lebenswerk von Waltraut und Uwe“, sagt Elisabeth Wallner. „Was wäre denn, wenn sie bald nicht mehr herkommen könnten?“

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