27 April 2012 | Gesellschaft

Abenteuer statt Glotze

Genau das denkt sich auch der "Deutsche Pfadfinderbund in Namibia". Ein Trupp engagierter Erwachsener und acht Kinder, die sich jede Menge Spaß auf die Fahnen geschrieben haben. Einmal die Woche treffen sie sich im Vereinshaus an der Robert Mugabe Avenue für eine Stunde zum Spielen und Veranstaltungen planen. Die Kinder sind enge Freunde geworden und die Eltern genießen diese Stunde, die sie mal ganz für sich nutzen können. Eine Bereicherung für alle.
Heute sitzen Florenz, Michelle, Lars, Kira, Cora, Lennart und Lara zusammen und quatschen wild durcheinander. Sie reißen Witze, stupsen sich gegenseitig in die Hüfte und reden über Schule und Freunde und was alles demnächst an Ausflügen ansteht. Einige von ihnen sind auf Farmen großgeworden, andere kommen aus der Stadt, aber alle lieben diese Treffen. "Ich freue mich immer schon auf Dienstag", sagt Lars (11), der erst seit einem Jahr dabei ist, "und würde gerne noch viel länger hier bleiben. Eine Stunde ist immer zu kurz für uns."

Er ist über seinen Kumpel Lennart (12) zu den Pfadfindern gekommen. Die beiden gehen zusammen in die Schule. Vorher, sagt er, wusste er gar nicht so richtig, was bei den Pfadfindern passiert.
Doch was passiert so bei den Pfadfindern? Viele denken immer noch, Pfadfinder-Sein, das bedeutet eine Uniform anhaben und zu Festen aufzumarschieren wie in einer Mini-Armee. Völliger Quatsch, wissen alle hier. "Die Uniformen sind noch Tradition und jeder hat eine. Aber eigentlich tragen wir sie nur zu gemeinsamen Feiern, so wie einen Anzug eben. Sonst sind auch hier alle in Jeans und T-Shirt", sagt der Elternvereinsvorsitzende Wilfried Nauhaus.

Schließlich spielt es sich so auch viel besser. Und das ist wichtig: Geschicklichkeitsspiele (wie Kletterwände, selbstgebaute Wippen etc.) und Ausflüge sollen Zusammenhalt und körperliche Fitness trainieren.

Eigenschaften, die sich viele Eltern für ihre Kinder wünschen, die Kleinen dann aber oft kaum vom Rechner wegkriegen. "Gerade heute, wo kleine und größere Bildschirme Kinder in ihren Bann ziehen, werden Kameradschaft untereinander und frische Luft immer wichtiger", ist Nauhaus überzeugt.
Das Beste an einem Überbau wie dem Pfadfinderverin? Das Ganze macht auch noch Spaß, sagen die Kinder. "Am allerschönsten finde ich, wenn wir draußen übernachten dürfen", schwärmt Michelle (9), "dann liegen wir in so gemütlichen Schlafsäcken und reden noch und über uns kann man die ganzen Sterne sehen."
Sterne, Steppe, Wasser und Tiere; in Namibia lässt sich soviel entdecken. Wie ein öffentlicher Abenteuerspielplatz liegt das Land für die Kinder unter der Leitung der Erwachsenen da. Lernen, das geht eben auch ohne Bücher. "Wir können Spuren lesen und Wegzeichen erkennen. Das können in meiner Klasse nicht alle", sagt Lennart (12) stolz. Ein echter Pfadfinder kennt sich auch in erste Hilfe aus und kann tagelang alleine in der Wildnis überleben. Bis dahin dauert es allerdings ein bisschen, erst als Jugendliche werden die Kinder (natürlich mit Notfall-Walkie-Talkies) alleine losgeschickt.
Selbstständigkeit und Freiheit. Das sind Eigenschaften, die schon Huckleberry Finn ausgemacht haben, und die kleinen Pfadfinder aus Namibia auch. Es sind auch Eigenschaften, die sich nicht mehr so schnell austreiben lassen. "Ich kann nicht mehr den ganzen Tag zuhause sitzen", sagt Lara (10), "jetzt will ich immer raus."

Dazu hat sie hier genug Gelegenheit. Die Dienstags-Treffen sind zwar nur eine Stunde lang, aber in dieser Stunde können meist die Kinder selber entscheiden, was sie machen wollen. "Das ist cool", findet Michelle, "wir holen uns dann manchmal Eis, rösten Stockbrot oder singen zusammen Lieder am Lagerfeuer, sowas alles." Und diese Treffen sind ja nur kleine Vorboten für die richtigen Abenteuer. Denn wenn der Frühling beginnt, ist es auch für die Pfadfinder wieder Zeit, in die Wildnis auszubrechen. Gemeinsame Ausflüge ins Umland stehen dann auf dem Plan: Ausflüge zu Badeseen, Campen in der Steppe und Klettern an kleinen Bergen.
Cora kann es schon gar nicht mehr erwarten: "Letztes Mal haben wir ein riesiges Lagerfeuer für alle gemacht, das "Thing". Da wurden alle neuen Pfadfinder dann in den Verein aufgenommen. Das sah so toll aus und wir haben uns Geschichten erzählt und das Feuer hat geknistert."
Leider werden die Neuen in jedem Jahr weniger. Die großen Pfadfinder ziehen nach der Schule oft nach Südafrika und die kleinen haben andere Dinge im Kopf. "Viele Kinder verbringen heute mehr Zeit zuhause", glaubt Wilfried Nauhaus, "dabei sind die meisten, wenn sie erstmal hierher gekommen sind, total begeistert und kommen gerne wieder." Denn das Pfadfinderdasein ist auch mit vielen Freunden verbunden, die man hier kennenlernt und nicht nur in Namibia, sondern auch im Ausland. Dieses Jahr wollten die Pfadfinder eigentlich einen gemeinsamen Trip nach Deutschland machen, um andere Pfadfinder zu treffen, nur ist die jetzige Gruppe (zwischen 9 und 12 Jahren) dafür noch ein bisschen zu klein.

Aber schon im nächsten Jahr könnten einige wahrscheinlich dabei sein. Und das nächste Fest steht auch schon vor der Tür: Am 7. Juli gibt es wieder das große Schlachte-Essen mit leckerem Grill und Spielen für die Kinder. "Je mehr wir sind, desto mehr können wir unternehmen", sagt Nauhaus, "unsere Tür ist immer offen für Neue und wir beißen nicht. Wer nur mal gucken will, kann das gerne tun und einfach mal vorbei kommen." Die Heimabende sind jeden Dienstag um 18 Uhr im Vereinshaus, wer Fragen hat, kann Wilfried Nauhaus auch unter der Email-Adresse [email protected] erreichen.

Julia Dombrowsky

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