01 September 2008 | Polizei & Gericht

30 Jahre für Moderatoren-Mord

Windhoek - Richter Mostert, der Hindjou vor rund zwei Wochen wegen vorsätzlichen Mordes und schweren Raubes schuldig gesprochen hatte, verurteilte den zur Tatzeit 18-Jährigen zu 20 Jahren Haft und verhängte damit die am Regionalgericht zulässige Höchststrafe. Für den schweren Raub muss Hindjou weitere 15 Jahre ins Gefängnis, fünf Jahre davon darf er aber parallel zum Mord-Strafmaß absitzen. Mit diesem Entgegenkommen sei einem Ausgleich für die 18-monatige Untersuchungshaft sowie den persönlichen Lebensumständen Genüge getan, so der Richter. Die Verteidigung will in Berufung gehen.

Mostert machte bei der Urteilsverkündung am Freitag keinen Hehl aus seiner Meinung über den Angeklagten. Dessen Bekundung kurz vor der Urteilsverkündung, er fühle sich schlecht, weil ein Mensch sein Leben verloren hatte, wischte Mostert als unglaubwürdig vom Tisch. Hindjou hatte während des gesamten Prozesses die Tat abgestritten. Mostert ging sogar noch weiter: "Ich bin kein Befürworter der Todesstrafe, aber ich beginne darüber nachzudenken, ob sie in unserem Land nicht zu einer - wenn auch nicht wünschenswerten - Notwendigkeit geworden ist." In anderen Zeiten, adressierte Mostert Hindjou direkt, sei sein Fall prädestiniert für eine Hinrichtung gewesen.

Hindjous Verteidiger Monty Karuaihe hatte zuvor zehn Jahre Haft für den Mord und drei Jahre für den schweren Raub als angemessene Strafe vorgeschlagen. Besonders aufgrund des jungen Alters müsse sein Mandant, Vater eines fünfjährigen Kindes, eine zweite Chance bekommen. Mostert stellte den Aspekt der Rehabilitierung aber hinter die Faktoren Abschreckung und Vergeltung zurück. "Der Angeklagte war bereit, aus Habgier für wenig Geld und ein Mobiltelefon zu morden - und das bereits in sehr jungem Alter. Dies kann daher kaum als strafmildernd gelten", so Mostert, der eine gravierende Eskalation solcher Gewalttaten beklagte. Hindjou habe nicht nur eine Familie zerstört und einem noch jungen Mann das Leben genommen, sondern auch der Gesellschaft und gar dem Tourismus als Wirtschaftszweig Schaden zugefügt. "Man bedenke nur, wie abschreckend es wirkt, wenn Touristen erfahren, dass mitten im Stadtgebiet von Windhoek jemand ermordet wird." Die Nation habe die Nase voll von Gewalttätern und -taten, deshalb müsse das Gericht eine klare Botschaft an potenzielle Gewalttäter aussenden. "Ich verletzte meine Pflicht, wenn ich diesen Angeklagten nicht für lange Zeit aus der Öffentlichkeit entferne", so der Richter.

Zuvor war es zu emotionalen Momenten im Gericht gekommen: Schon vor Verhandlungsbeginn war die Mutter von Figaji mehrmals in Tränen ausgebrochen, als ihr Mann im Rahmen der Anträge als Belastungszeuge des Staatsanwalts OJ Lino aussagte, musste sie laut weinend den Saal verlassen. Clive Figaji schilderte in seiner Aussage, dass die Ermordung seines ältesten Sohnes Paul eine Lücke in die Familie gerissen habe, die nie zu schließen sei. Pauls beide jüngeren Geschwister und seine Frau litten bis heute furchtbar unter dem Verlust. Auch Hindjou selber hatte sein Gewaltpotenzial eindrücklich unter Beweis gestellt: Als eine Reporterin ihn fotografieren wollte, sprang er - ohne Handschellen - von der Anklagebank auf und ging auf sie los. Später rückten deshalb Spezialsicherheitskräfte im Gerichtsaal an.
Smallboy Hindjou hatte in der Nacht zum 22. Dezember 2004 in der Nähe der Tankstelle Wika Service Station in der Windhoeker Innenstadt den damals 35-jährigen Paul Figaji, Moderator des Radiosenders Kosmos, erstochen und beraubt. Die Beute: 70 N$ in bar und ein Mobiltelefon (Wert ca. 2000 N$). Figaji hatte zuvor mit zwei Freunden an der Tankstelle eingekauft - wie auch Hindjou, war dann von diesem angefallen und mit einem Stich in den Nacken niedergestreckt worden. Er starb noch am Tatort.

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