18 Mai 2020 | International

19. Mai: „Der ewige Korea-Krieg“: Scharmützel ohne Aussicht auf Ende

Was den Deutschen vor rund 30 Jahren gelang, davon können die Koreaner trotz gewisser Bemühungen in letzter Zeit nur träumen: Die Wiedervereinigung von Nord und Süd ist in weiter Ferne. Und das hat seine Gründe.

Berlin (dpa) - Der 38. Breitengrad bildet eine der schärfsten Demarkationslinien weltweit. Die einst willkürlich gesetzte Grenze teilt seit bald 70 Jahren Nord- und Südkorea. Trotz der diplomatischen Bemühungen in der jüngsten Vergangenheit ist ein Ende des Dauerkonflikts nicht absehbar, zu tief ist der Graben zwischen dem noch stalinistisch geprägtem System im Norden und der Republik im Süden, die nach westlichem Vorbild sich zu einer der stärksten Industrienationen gemausert hat.
Der 90 Minuten lange Arte-Film „Der ewige Korea-Krieg“, zu sehen an diesem Dienstag, erzählt ausführlich von den Anfängen der Teilung der Halbinsel in Fernost, als während des Krieges mindestens 36 000 US-amerikanische Soldaten und mehr als zwei Millionen Koreaner starben, Militärs und Zivilisten. Ein Frieden wurde nie geschlossen, nur ein Waffenstillstand. Die ständige Gefahr, von heute auf morgen wieder in eine militärische Auseinandersetzung hineingezogen zu werden, begleitet die Menschen auf beiden Seiten.
„Nordkorea verfügt über Atomwaffen, und jeder, der dieses Land unterschätzt, tut das auf eigene Gefahr“, sagt der Historiker William Stueck von der Universität Georgia in der bereits 2017 gedrehten Dokumentation des Amerikaners John Maggio. „Die Botschaft ist: Die USA werden uns nicht noch mal das antun können, was sie uns von 1950 bis 1953 antaten, deswegen brauchen wir Langstreckenwaffen.“ Drei Jahre dauerte das Gemetzel damals, das nach all dem Gräuel dort endete, wo alles einst angefangen hatte: mit der Teilung auf dem 38. Breitengrad.
Fast wäre der Krieg während des Waffenstillstands Ende der sechziger Jahre wieder entflammt, als Nordkoreaner im Süden das sogenannte Blaue Haus kaperten, in dem damals der südkoreanische Präsident wohnte. Doch die Supermächte wollten nicht mehr: Maos China hatte mit der eigenen Kulturrevolution genug am Hut, den Sowjets waren die Aufständischen in Prag wichtiger und die Amerikaner waren mit Vietnam reichlich eingedeckt. Noch einmal provozierten die Nordkoreaner ihre Verwandten und Feinde im Süden, als sie kurz vor Olympia in Seoul 1988 einen Bombenanschlag auf ein Passagierflugzeug verübten.
Der Bericht spart indes auch nicht mit USA-kritischen Aspekten: Zu Wort kommen bei John Maggio Südkoreaner, die einst von Amerikanern verfolgt wurden. Die GIs durften im Krieg laut Befehl keinen Unterschied zwischen Zivilbevölkerung und Militär machen. Der zweiteilige Tunnel von Nogeun-ri ist heute ein Mahnmal - dort wurden mehr als 300 koreanische Zivilisten, die im Tunnel Schutz suchen, getötet. Ob der Handschlag von US-Präsident mit dem nordkoreanischen Herrscher Kim Jong Un langfristig etwas in Richtung Wiedervereinigung bringen wird? Das Fragezeichen wird wohl länger stehen leiben.

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