05 März 2021 | Natur & Umwelt

Biomasse-Diskussion entfacht

Möglicher Biokraftstoff-Export von verschiedenen Seiten beleuchtet

Der mögliche Export von Biomasse aus Namibia nach Hamburg sorgt immer wieder für Zündstoff. Zahlreiche Aktivisten sprechen sich gegen eine solche Kooperation aus. Eine gemeinnützige Organisation und ein Vertreter der lokalen Industrie wollen nun Aufklärung leisten.

Von Steffi Balzar, Windhoek

Die gemeinnützige Organisation Namibia Nature Foundation (NNF) äußerte sich in dieser Woche zu den Aussagen zahlreicher zivilgesellschaftlicher Organisationen und Wissenschaftler, die sich in einer Erklärung im vergangenen Jahr gegen das Projekt „Transkontinentale Biomassepartnerschaft Namibia-Hamburg“ ausgesprochen haben. „Das partnerschaftliche Projekt untersucht die Machbarkeit der Nutzung von namibischer Buschbiomasse zum Betrieb von Biomasseanlagen in Hamburg als Teil des Hamburger Kohleausstiegs“, so die NNF. Die Umweltstiftung möchte nun weitere Einblicke in den namibischen Umweltkontext darlegen, „der sich stark von den europäischen Ökosystemen unterscheidet.“

Offenbar sei nicht jedem bewusst, dass sich die semiariden Ökosysteme Namibias - und damit die Problematik der Verbuschung - von den Gegebenheiten in europäischen Ländern unterscheiden. „In Namibia gelten zwischen 45 und 60 Millionen Hektar Land als verbuscht, mit Dichten von bis zu 6 000 Büschen pro Hektar“, so die Erklärung. Während auftretende Buschdickichte in einer offenen Savanne beispielsweise Lebensraum für Wildtiere schaffen, die Fruchtbarkeit des Bodens verbessern und Kohlenstoff binden, hat die Verbuschung in Namibia laut NNF inzwischen beträchtliche negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt, die Böden, die Lebensgrundlage der Menschen und die Verfügbarkeit von Wasser.

„Die inländische Biomasseindustrie reicht bei weitem nicht aus, um die Menge an Busch zu absorbieren, die entfernt werden müsste, um das Land wieder in eine Savanne mit Busch- und Grasdickicht zu verwandeln und Landdegradierung- und Biodiversitätsziele zu erreichen“, erklärt die NNF ferner. Partnerschaften und die Erschließung neuer Abnehmermärkte seien deshalb notwendig, um den Biomasse-Energiesektor in Namibia durch Wissens- und Technologietransfer und den Aufbau von Infrastruktur zu fördern und für zukünftige namibische Biomasseaktivitäten auszubauen.

Die Namibia-Biomass Industry Group (N-BiG) reagierte indessen kürzlich auf eine Mitteilung des Economic & Social Justice Trusts (ESJT), der den Exportvorschlag Ende Januar „aus namibischer Sicht aus verschiedenen Gründen in Frage stellte.“ Die ESJT-Stellungnahme legt laut N-Big nahe, dass die Transportentfernungen, die mit dem Export von Biomasseprodukten verbunden sind, alle Ansprüche an die Umweltfreundlichkeit zunichtemachen. „Aktuelle Expertenanalysen weisen jedoch darauf hin, dass trotz der unvermeidlichen Transportemissionen namibische Busch-Biomasse kohlenstoffneutral oder sogar kohlenstoffnegativ an internationale Märkte geliefert werden könnte“, so die Erklärung. Laut N-BiG wird zudem angenommen, dass ein namibischer Biokraftstoff, der in Deutschland eingesetzt wird, deutlich umweltfreundlicher ist, als die nächstbeste fossile Kraftstoffalternative.

„Daten legen nahe, dass die riesigen Busch-Biomasse-Ressourcen unseres Landes problemlos in der Lage sind, sowohl die lokale Energieerzeugung, als auch den Export von Biokraftstoffen gleichzeitig und nachhaltig zu betreiben“, argumentiert N-Big ferner. Dadurch werde sichergestellt, dass keine der beiden Wertschöpfungsketten sich gegenseitig ausschließen, wie es der ESJT in seiner Erklärung zu suggerieren scheint.

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