10 September 2021 | Bildung

Zwölf Tage

Children’s Camp gibt Nama-Mädchen eine Chance für bessere Zukunft

Von Wiebke Schmidt

16 Schülerinnen aus Maltahöhe haben vom 21. August bis zum 1. September an einem zwölf-tägigen Children’s Camp auf Lodge Namseb bei Maltahöhe teilgenommen. Die Mädchen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren, stammen aus einer Vorauswahl als Bestabgeschnittene. Auf sie wartet eine interessante und lehrreiche Zeit.

Ein Weckruf ertönt kurz nach halb sieben. Angenehme Musik schallt über das Gelände der Namseb-Lodge, die 17 Kilometer nordwestlich von Maltahöhe in der Hardap-Region liegt. Das Zeichen für 16 Nama-Mädchen der Daweb-Mittelschule und der Ref. Schmidt-Grundschule sowie den Helfern des diesjährigen Children’s Camp aufzustehen um einen Tag voller Unternehmungen zu beginnen.

Das Frühstück ist bereits von Ronaldo Katjiheve, der als Koch das Children’s Camp begleitet, im Essraum vorbereitet. Heute gibt es Haferflockenbrei. Als erstes dürfen die Mädchen sich ihre Teller damit füllen, danach sind die Erwachsenen dran.

Cheetah, Giraffes, Hippos und Lions lauten die Namen der vier Gruppen, denen die Mädchen und ihre jeweiligen Team Leader Rainold Uiseb, Armanis Musheko, Sebby Hoaeb und Tiro Kraiseb zugeteilt sind. Jede Gruppe ist mit T-Shirts und warmen Fleecejacken mit dem jeweiligen Emblem ausgestattet. Alle weiteren Helfer werden Ants genannt. Sie sind für einen reibungslosen Ablauf zuständig. Anne Heimerdinger unterrichtet Zeichnen und Französisch. Katharina Bergemann fotografiert und dokumentiert den Tagesablauf. Shammah Utele spricht über die Heilung von Träumen. Lizjohn Karigus hält die tägliche Morgen- und Abendandacht. Hermine Bertolini leitet die Diskussionsrunde über Menstruation und Brumie Cloete, die vor sieben Jahren als Jugendliche an einem der Children’s Camps teilgenommen hat, hat teambildungs-fördernde Übungen unternommen und Motivationsgespräche mit den Mädchen geführt.

Initiiert und organisiert wurde das Children’s Camp innerhalb vier Monaten von Susanne Berchtold. Seit die gebürtige Schweizerin 2005 nach Namibia ausgewandert ist, war es ihr Wunsch, Jugendlichen neue Perspektiven aufzuzeigen. Aus dem Wunsch wurde Wirklichkeit und seit 2009 wird, bis auf 2020, jährlich das Children’s Camp ausgerichtet.

„Das erste Camp vor 13 Jahren hat fünf Tage lang an der niederländisch reformierten Kirche, NG Kerk, in Windhoek, Eros stattgefunden“, erinnert sich Susanne Berchtold. „Damals waren es jeweils 50 Kinder aus ärmlichen Verhältnissen, die täglich mit einem Bus zu dem damaligen „Spaßtag“ gebracht wurden. Auch wenn es wirklich tolle Tage gewesen sind, die für diese Kinder etwas ganz besonderes waren, wurde mir klar, dass ich keine Chance hatte, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Es waren einfach zu viele“. Zwei Jahre später wurden mehrtägige Camps mit insgesamt 49 Kindern veranstaltet, die in sieben Gruppen aufgeteilt waren. „Mit jedem Camp habe ich dazugelernt und tue es noch“, erklärt Berchtold.

Aufgrund der Corona-Sicherheits-Maßnahmen musste das diesjährige Camp, das ursprünglich im März 2020 stattfinden sollte, fünfmal verschoben werden.

Der Unterricht im Camp liegt in diesem Jahr auf lösungsorientiertem Denken und sprachlichem Ausdruck. Die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich hat das Programm-Logo speziell für Kinder entwickelt und dem Children’s Camp kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Mädchen lernen hier, wie man Schritt für Schritt präzise Befehle in den Computer eingibt, um eine Aufgabe zu lösen. Der Schweizer Walter Bühler, Präsident und Initiator des Hilfsvereins Computer für Namibia (C4N), hat dem Camp 16 Laptops gesponsert. So kann jedes der Mädchen an einem eigenen Computer arbeiten.

Nach dem Frühstück gibt Lizjohn Karigus, Lehrerin der Daweb-Mittelschule, ein Thema für den Tag aus, wie zum Beispiel: Vertrauen, Vergebung oder Gefälligkeit. Es wird über den Sinn dieser Worte gesprochen und aus der Bibel einige Beispiele dazu zitiert.

Themen, die vor allem für Mädchen in der Pubertät wichtig sind, werden in verschiedenen Diskussionsrunden beim „Girls Talk“ besprochen. Unter anderem geht es um „Freundschaft, Liebe, Sex“, „Soziale Medien“, „Gewalt gegen Frauen“, sowie „Menstruation“ und „Teenage-Schwangerschaften“. Behutsam wird den Mädchen klargemacht, wie eine verfrühte Schwangerschaft ihr Leben und ihre Zukunft negativ beeinflusst.

An einem der Tage tritt Oyo auf, eine Tanzgruppe aus Windhoek, die gesellschafts-relevante sowie Tabu-Themen aufgreift und tänzerisch ausdrückt. Bei ihrer Aufführung an einem der Nachmittage stehen soziale Medien, Menstruation und Teenage-Schwangerschaften im Mittelpunkt. Im Tanz wird ausgedrückt wie leicht sich Mädchen mit wenig Selbstbewusstsein negativ beeinflussen lassen und letztendlich allein vor zerbrochenen Träumen und einer ungewissen Zukunft stehen.

Teil des vielfältigen Programms sind auch die Schlangenexperten Francois Theart und Kerstin Engelking aus Windhoek. Sie erklären ihrem jungen Publikum, dass Schlangen normalerweise nicht aggressiv sind. „Alle Lebewesen haben eine Daseinsberechtigung, dazu gehören auch Schlangen. Es liegt mir sehr am Herzen, dass dies bereits in jungen Jahre gelernt wird“, erklärt Theart.

Täglich werden neue Lieder einstudiert, die dann am Abend mit klaren Stimmen vorgetragen werden, begleitet mit Tanz und rhythmischem Klatschen. Spiele, die nach dem Abendessen veranstaltet werden, haben immer einen Bildungseffekt. Beim Safari Walk, der an einem der Abende stattgefunden hat, müssen die Teams zusammen mit ihren Team-Leader an acht Stationen Aufgaben lösen.

Eine neue Erfahrung für die Mädchen war auch das Volleyballspiel, das ihnen von Reinold beigebracht wird. Viel Spaß haben sie mit Zumba, einer Kombination aus Aerobic und lateinamerikanischen und internationalen Tänzen zur fetzigen Musik. Dabei werden sie von Ronaldo und Anne angeleitet.

„Auf diese Mädchen hat das Camp einen sehr guten Einfluss“, meint Lehrerin Karigus. „Bestimmt wollen sie in ihrem Leben etwas ändern, doch man darf nicht vergessen, dass sie bald wieder in ihrem normalen Umfeld sein werden und dort hat kein Umdenken stattgefunden.“

Das Camp hat jedoch nicht nur auf die Mädchen eine positive Wirkung: „Dieses Camp ist für mich eine ganz besondere Erfahrung“, schwärmt Lehrerin Karigus. „Ich sehe, wie gut ihnen das Camp bekommt und wie die Mädchen aus sich herausgehens“. Cheetah Team-Leader Reinold erklärt: „Ich habe eine kleine Tochter von knapp drei Jahren und wusste nicht, was ich mit ihr anfangen soll, wenn sie größer ist. Mit einem Sohn wäre das etwas anderes. Doch hier im Camp habe ich soviel von den Mädchen gelernt, dass ich mich freue, wenn meine Tochter größer ist und dass ich ihr hoffentlich ein paar Ängste nehmen und sie auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereiten kann“.

Wenn diese 16 Nama-Mädchen mit mehr Zuversicht und Selbstvertrauen ihre Zukunft selbst gestalten, so haben diese zwölf Tage im Children’s Camp 2021 bestimmt dazu beigetragen.

Mehr Information über Children’s Camp Namibia gibt es auf der Internetseite: https://www.childrenscampnamibia.com/

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