05 Februar 2021 | Ministerium

Wildschutzstrategie bis 2026

Shifeta: „Es ist unsere Pflicht alles Wild zu schützen“

Umweltminister Pohamba Shifeta präsentiert Zahlen und Statistiken, die eine deutliche Verminderung der Anzahl Wilderei-Vorfälle anzeigt, aber andererseits eine ständige Zunahme der Verhaftungen vorweist. Er zeigt sich zufrieden mit den eingeführten Kontrollen, moniert aber die ständige Kritik an dem Programm des MEFT, das versucht die Dickhäuter unter Kontrolle zu bringen.

Von Frank Steffen, Windhoek

Der Minister für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus (MEFT), Pohamba Shifeta, präsentierte gestern sichtlich zufrieden einen kurzen Rückblick auf die Zeit 2015 bis 2020, in welcher Zeit sein Ministerium eine erste Wildschutzstrategie umgesetzt hatte: „Es wurden immer mehr Ressourcen für die Bekämpfung der Wilderei bereitgestellt. Weitere Regierungsbehörden sowie Nicht-Regierungsorganisationen, der Privatsektor, internationale Entwicklungspartner, und die Kommunalbevölkerung und breite Öffentlichkeit haben unsere Bemühungen im Kampf gegen die Wilderei unterstützt.“

Shifeta forderte die Öffentlichkeit auf, auch künftig gemeinsam mit dem MEFT die Wilderei zu bekämpfen. Er lud aber auch Wilderer ein, sich zu ergeben: „Wenn Sie ehrlich sind und mit gutem Willen an uns herantreten beziehungsweise uns danach in unserem Kampf zur Seite stehen indem Sie Hinweise geben und nicht wieder auffallen, sind wir sogar bereit, Ihnen bei der Strafverfolgung entgegenzukommen.“ Indessen würde man momentan hauptsächlich das geschützte Wild aufführen, doch gelte es alles Wild, inklusive der Vögel, zu schützen. Man wolle in den nächsten Jahren die Kontrollen perfektionieren.

Er gab verlas einige Statistiken und wies mit Stolz auf die Tatsache, dass im Jahr 2015 noch 97 Nashörner illegal erlegt worden waren und im vergangenen Jahr die niedrigere Anzahl von 31; im Falle der Elefanten wurden 2015 noch 49 (2017 sogar 101) gewildert und im Jahre 2020 waren es 11 Dickhäuter. Namibia habe derartige Erfolge den namibischen Streitkräften (NDF), der namibischen Polizei (NamPol) und ihrer Sicherheitsabteilung NCIS sowie den Strafverfolgungsbehörden und der spezialisierten Geheimabteilung „Blue Rhino“, die sich mit den verschiedenen Antiwilderei-Einheiten zusammenschließt, zu verdanken.

Hauptsächlich Namibier

Im vergangenen Jahr waren insgesamt 654 Verdächtige im Zusammenhang mit 308 Fällen der Wildtierkriminalität festgenommen, davon seien 91% Namibier gewesen. In dem Sonderheft, dass die neue und überarbeitete Nationale Strategie für den Wildtierschutz und Strafverfolgung bekanntmacht, hat das MEFT unglaublich viele Zahlen und Statistiken für die Zeitspanne Januar 2015 bis Dezember 2020 bekanntgemacht. Insgesamt waren 2950 Verdächtige im Zusammenhang mit 1326 Fällen verhaftet worden - in 504 Fällen ging es um Schuppentiere (Pangolin), 499 Fälle hatten mit Rhino-Wilderei zu tun, und in 383 Fällen handelte es sich um Elefanten. Von den 1326 Gerichtsfällen sind allerdings nur knapp 28 Prozent von den namibischen Gerichten abgehandelt worden - es handelt sich um 371 Fällen über fünf Jahre beziehungsweise 74 Fälle pro Jahr.

334 der Rhino-, Elefanten- und Pangolin-bezogenen 579 Fälle (also 58%) wurden in sechs der Regionen verzeichnet, die oberhalb des Veterinärzaunes im Norden des Landes zu finden sind: Ost-Kavango (115), Sambesi (80), Kunene (51), Omusati (47), Oshana (25) und West-Kavango (16). Namibische Staatsangehörige, Angolaner und Sambier belegen dabei die ersten drei Plätze der 1352 Gerichtsfälle sowie der 204 verurteilten Personen. Namibier sind mit Abstand die höchste Zahl und Asiaten machen an jeweils vierter Stelle 14 der Gerichtsfälle und 9 der Verurteilten aus.

Ärgerlich zeigte sich der Minister über Kritiker, die grundsätzlich jeden Schritt der Regierung kritisieren würden, wenn es um die Verminderung der Tiere gehe: „Ich lade sie zu einem Besuch der Kommunalfarmer im Norden ein. Ich habe dann aber Lust Sie zu verpflichten, ein Weilchen da oben zu bleiben, damit Sie endlich verstehen, welchen Gefahren diese Leute manchmal ausgesetzt sind, wenn Elefanten in ihre Dörfer wandern oder ihre Felder und Ernten systematisch zerstören. Uns wird regelmäßig vorgeworfen, dass wir nur reden, aber nichts unternehmen würden!“ Der Ärger der Menschen würde unter solchen Umständen oft in regelrechten Hass umschlagen.

Zwei Menschen seien von Krokodilen aufgefressen worden und 14 Menschen verletzt worden, und zwar von Büffeln (6), Leoparden (3), Löwen (2) und jeweils eine Person von Affen, Elefanten und Nilpferden. „Im vergangenen Jahr wurden 3450 Hektar Ackerland von Wildtieren zerstört, davon3346 Hektar von Elefanten. Es sind meistens die Bullen, die immer wieder kommen“, erklärte Shifeta. Dem Mensch-Tier-Konflikt seien 2020 insgesamt 813 Stück Vieh zum Opfer gefallen. Das MEFT habe 5 Millionen N$ Schadenersatz zahlen müssen.