31 Dezember 2007 | Wirtschaft

Wettbewerb aus den Fugen

Windhoek - Die Konkurrenz aus Fernost sei ein "immer größer werdendes Problem in Baugewerbe und Handel", konstatierte Tarah Shaanika, Geschäftsführer der namibischen Industrie- und Handelskammer (NCCI), jetzt im AZ-Gespräch. Bei der Kammer spricht man von "unfairem Wettbewerb", der ein "sehr ernstes Problem" darstelle.

Shaanika erklärt: "Unsere Mitglieder versuchen, geltendes Recht und Bestimmungen einzuhalten, zum Beispiel das Affirmative-Action-Gesetz. Das kostet natürlich Geld. Die Chinesen halten sich aber nicht daran. Da es sich zudem meist um staatliche Unternehmen handelt, können diese die marktüblichen Preise unterbieten und gehen außerdem kein großes Risiko ein." Und weiter: "Sie zahlen keine Steuern und Sozialversicherung für ihre Angestellten, haben hier keine Konten, stellen Mitarbeiter ein und feuern sie nach Belieben. Kurzum: Sie sind nicht hier, um zu bleiben, sondern um das schnelle Geschäft zu machen."

Längst sei die Situation "aus dem Gleichgewicht" geraten, so der NCCI-Geschäftsführer, der als Koordinator einer vor kurzem gegründeten Arbeitsgruppe fungiert. Dieses Gremium soll Vorschläge unterbreiten, wie auch Namibia von den Beziehungen zu China profitieren kann. Darüber hinaus ist es Aufgabe der Arbeitsgruppe, eine Untersuchung zum Verlust an Arbeitsplätzen und Einnahmen der namibischen Ökonomie durch den Einfluss der Chinesen anzustellen. Laut Shaanika habe die Kammer die Ministerien für Finanzen sowie Handel und Industrie öfters auf die Situation hingewiesen, nun hoffe man auf Unterstützung von staatlicher Seite.

Restriktionen könnten von der namibischen Wettbewerbskommission kommen. Allerdings sei diese noch nicht handlungsfähig, weil mangels Bekanntmachung im Amtsblatt die rechtliche Grundlage fehle. "Wir erhalten einige Beschwerden von Firmen über unfaire Praktiken chinesischer Unternehmen, aber wir können noch nichts machen", erklärte Douglas Reissner, einer der vier Wettbewerbskommissare, auf AZ-Nachfrage. Ende Januar, so fügte er hinzu, wolle man sich mit Malan Lindeque, Staatssekretär im Ministerium für Handel und Industrie, treffen, um die Situation zu erörtern.

Unternehmer Hans-Peter Schulz, Mitinhaber der Firma Namibia Construction, sieht seine Branche als den größten Leidtragenden dieser Situation. "Staatliche Aufträge gehen zu 95% an chinesische Unternehmen, die jetzt auch in den privaten Markt eingestiegen sind und marktübliche Preise mit 20 bis 25% unterschreiten", erklärt er auf AZ-Nachfrage.

Die Dumpingpreise seien auf extreme Unterschiede im Lohngefälle zurückzuführen. "Wir zahlen Mindestlöhne, die Chinesen nicht", so Schulz. So bekomme ein Handlanger bei Namibia Construction ca. N$ 75 und ein Maurer rund N$ 156 pro Tag (jeweils 9 Stunden und Nettogehalt), während chinesische Firmen ihren Handlangern nur zwischen N$ 25 und N$ 45 pro Tag zahlen würden. Krankenkasse und Sozialversicherung gebe es auch nicht. "Jeden Tag sparen die 25000 Namibia-Dollar", rechnet Schulz im Vergleich mit seiner Firmengröße (ca. 500 Mitarbeiter) vor.

"Solange die Regierung nichts unternimmt, können wir nichts dagegen tun", sagt der Unternehmer, der folgendes Szenario sieht: "Die namibische Bauindustrie wird vor die Hunde gehen."