03 Dezember 2020 | Geschichte

Vor 50 Jahren

1970-12-03

AUFRUF DES ADMINISTRATORS

Windhoek — Administrator. J. G. H. Van der Wath hat einen ernsten Aufruf an die Einwohner Südwestafrikas erlassen, in ihrem eigenen und dem Interesse des Landes alle leeren Brennstoffbehälter an die Ölgesellschaften zurückzuschicken.

In einer Presseerklärung heißt es, dass der Administrator von dem kritischen Mangel an Brennstofffässern in Südwestafrika Kenntnis genommen habe. In Wirklichkeit bestehe kein Mangel, da ausreichende Fässer im Land vorhanden seien, um die „Brennstoffverbreitung gleichmäßig zu gewährleisten.“ Aber durch eine falsche Verwendung dieser Behälter und unvernünftiges Versäumnis, sie an die Ölgesellschaften zurückzuliefern, hätten sich Verhältnisse entwickelt, die dem einzelnen zum Nachteil gereichten, aber auch die gesamte Entwicklung des Landes schwer beeinträchtigen könnten.

WEIHNACHTSPOST RICHTIG FRANKIEREN

Windhoek — Der Regionaldirektor des Post- und Fernmeldewesens in Südwestafrika weist die Öffentlichkeit darauf hin, dass Weihnachtskarten mit Zwei-Cent-Marken zu frankieren sind. In vielen Fällen werden sie noch mit Ein-Cent-Marken versehen. Die Luftpostgebühren für Weihnachtskarten sind:

Post 1. Klasse: 3 Cent bis zu einer Unze und 11/2 Cent für jede weitere Unze.

Post 2. Klasse: 21/2 Cent bis zu einer Unze und 1 Cent für jede weitere Unze.

Umschläge für Weihnachtskarten der Post 2. Klasse dürfen nicht zugeklebt werden und müssen in der linken Ecke oben den Vermerk „Luftpost 2. Klasse“ haben.

LETZTE MELDUNG

In einer heute Morgen veröffentlichten Presseerklärung wies die nationalextremistische baskische Terroristenorganisation ETA die Anschuldigung, den bundesdeutschen Ehrenkonsul Eugene Beihl Schäfer entführt zu haben, schärfstens von der Hand und machte stattdessen eine vor rund drei Monaten aus der Organisation ausgetretene Splittergruppe für die Entführung verantwortlich. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass die Splittergruppe keineswegs im Interesse der ETA handele und die Organisation somit keine Verantwortung für die Entführung des bundesdeutschen Konsuls übernehmen würde.

KÖMIG HUSSEIN IN SPANIEN

Kairo - König Hussein von Jordanien ist in Kairo eingetroffen, wo er mit Präsident Sadat von Ägypten zusammentreffen wird. Die Beziehungen zwischen beiden Staaten sind nicht die besten, seit König Hussein im letzten Monat Wasfi Tell zum Ministerpräsidenten ernannt hatte. Tell ist bekannt als Gegner der palästinischen Guerillas. König Hussein sucht die Unterstützung Sadats, um Libyen und Kuwait dazu zu bringen, dass die finanzielle Unterstützung Jordaniens wieder aufgenommen werde. Anstelle des Königs eröffnete sein Bruder Kronprinz Hassan das Parlament in Amman. Er verurteilte den Versuch, einen palästinischen Staat westlich des Jordans zu schaffen.

EHESCHEIDUNG IN ITALIEN LEGALISIERT

Rom — Italiens Staatspräsident Guiseppe Saragat hat am Dienstagabend einen heißumstrittenen Gesetzentwurf unterzeichnet, durch den die Ehescheidung in Italien gesetzlich möglich wird und somit das letzte Hindernis auf dem Wege zur Legalisierung der Ehescheidung in Italien aus dem Wege geräumt ist.

Der Gesetzentwurf wird nun im italienischen Amtsblatt publiziert werden müssen. Unterrichteten Quellen zufolge werde dies am kommenden Donnerstag geschehen, nachdem eine Unterzeichnung des Gesetzes durch den Ministerpräsidenten, Emilio Colombo, geschehen sei. Opponenten des Entwurfes haben inzwischen ein Referendum angekündigt, durch das der Gesetzentwurf widerrufen, zumindest aber ersetzt-werden soll. Das italienische Unterhaus hatte den Entwurf mit einer Mehrheit von 33 Stimmen angenommen.

VENEN STATT HERZVERPFLANZUNG

London — Eine aus den USA übernommene neue Operationsmethode zur Verpflanzung von Venen in das menschliche Herz zeigt solche Erfolge, dass der führende Londoner Herzchirurg Dr. Donald Ross keine neuen Herz-Transplantationen mehr plant. Wie bekannt wurde, hat Ross diese neue „Koronar-Verpflanzung“ bei sechs Patienten angewandt, die mehr als ein Jahr nach der Operation alle noch am Leben sind.

Da die in das Herz zu verpflanzende Vene aus einem Bein des Patienten selber entnommen wird, kann es nicht vorkommen, dass der Körper das verpflanzte Organ nicht annimmt.

ÄTHIOPIEN ANERKENNT ROTCHINA

Addis Abeba — Äthiopien hat am Dienstag die Volksrepublik China als einzige legale und repräsentative Regierung der gesamten chinesischen Nation anerkannt. In einem Kommuniqué heißt es, dass die beiden Regierungen auf Botschafterebene Diplomaten austauschen werden.

Inzwischen hat Rotchina ebenfalls angekündigt, dass es diplomatische Beziehungen mit Äthiopien aufnehmen werde, um dadurch Pekings Bande mit dem afrikanischen Kontinent zu stärken. Äthiopien ist das 48. Land, das Rotchina jetzt offiziell anerkennt. Die anderen afrikanischen Staaten, die ebenfalls diplomatische Beziehungen mit den Chinesen unterhalten werden oder dies bereits getan haben, sind Somalia, der Sudan, Kenia, Uganda, Tansania und Sambia. Im Oktober kündigte Kanada den Diplomatenaustausch mit Peking an. Es folgten Äquatorial-Guinea und Italien.