26 April 2018 | Geschichte

Vor 50 Jahren

26. April 1968

Terroristen nach Südwestafrika?

Kapstadt – Eine Gruppe gut ausgebildeter Terroristen befinde sich auf dem Wege nach Südwestafrika und beabsichtigen in das Gebiet einzufallen. Die Polizei sei der Auffassung daß weitere Zusammenziehungen von Terroristen in Sambia stattfinden und daß neue Einfälle in Rhodesien erwartet werden können. Dies erklärte der Vizeminister für Polizei S. L. Muller. Der Vizeminister für das Polizeiwesen gab ferner bekannt, daß im Sambesi-Tal Munitions- und Waffenlager festgestellt worden seien. Man sollte nicht denken, daß die Terroristen nicht gut ausgerüstet seien. Insgesamt seien 77000 Schuß Munition aufgefunden und sichergestellt worden. 54 Maschinengewehre, hergestellt in der Tschechoslowakei und Rotchina, seien gefunden worden. Ferner habe man sechs sowjetische Raketen und 67 Handgranaten, von denen einige in den Vereinigten Staaten hergestellt worden seien, gefunden.

Mitglieder der südafrikanischen Polizei, die an der Grenze Dienst tun, seien in Sonderkursen auf ihre Aufgabe vorbereitet worden. Seit dem Prozess gegen die Terroristen, die in Südwestafrika gefangen worden seien, sei es in dem Gebiet ziemlich ruhig gewesen. Seit dem Prozeß sei keine Infiltration festgestellt worden. Informationen deuteten jedoch darauf hin, daß eine neue Gruppe von Terroristen im Anmarsch sei. Es habe den Anschein so sagte Vizeminister Muller, daß sich im Augenblick der Terrorismus vor allem gegen Rhodesien richte. Der African National Congress und die Zimbabwe African Peoples Union hätten sich gegen Rhodesien zusammengeschlossen. Am 1. August vergangenen Jahres hätten etwa 80 Terroristen versucht, die rhodesischen Grenzen zu überschreiten. 29 seien in Gefechten getötet, 17 seien gefangengenommen und 34 hätten die Grenze nach Botswana überschritten. Im Februar dieses Jahres sind eine Gruppe von etwa 100 Terroristen in Rhodesien eingefallen. Zu dieser Gruppe hätten etwa 30 Mitglieder des ANC gehört. Insgesamt 53 Terroristen seien getötet worden. Der Vizeminister schloß seine Rede mit den Worten: „Wir glauben das der Geist des Kommunismus noch nicht nach Südafrika kommt. Im Augenblick herrscht in Südafrika Ruhe. Aber ich kann nicht die Versicherung abgeben, daß dies immer so sein wird.“

26. April 1968

Gehen die Söldner nach Rhodesien?

Brüssel (SAPA/AP/ Reuter). – Die in Belgien angekommenen Kongo-Söldner des Obersten Jean „Black Jack“ Schramme werden von der Polizei scharf überwacht weil der Verdacht besteht, daß sie nach Rhodesien fliegen wollen, um dort Terroristen zu bekämpfen. In Söldnerkreisen ist es ein offenes Geheimnis, daß aus dem Kongo, dem Jemen und Biafra Angebote vorliegen. Etwa 100 Mann wollen in naher Zukunft Belgien verlassen um nach Rhodesien zu fliegen. Die belgische Regierung hat beschlossen, die Pässe der Söldner für Afrika-Reisen zu sperren.

Das wird wie aus einer der Quellen verlautete, nicht viel Nutzen haben: „Sie werden nach Lissabon fahren, von dort nach Angola und schließlich in Rhodesien ankommen.“ Und weiter: „Sie ziehen uns vor. Wir sind billiger als eine reguläre Armee.“ Außerdem bauen die Abenteurer auf eine abschreckende Wirkung ihres Rufs. Falls ihr Eingreifen fehlschlagen sollte, könne ihre Existenz leicht geleugnet werden, meinen sie. Angesichts der fatalen finanziellen Lage der Söldner ist es nicht abwegig, daß sie versuchen werden, ihre militärische Erfahrung wieder zu verkaufen. Sie erwarten von Rhodesien einen monatlichen Sold von 500 Rand. In manchen Angeboten sei sogar Urlaub eingeschlossen. Der Jemen sei bereit, nach fünfmonatigem Dienst zwei Monate Urlaub zu gewähren. Die Repatriierten, die bei der Zwischenlandung in Khartum und bei der Ankunft in Belgien hermetisch abgeschirmt worden waren, haben nach den Worten von Schrammes Stellvertreter, Gilbert Martin, bei den Kämpfen im Kongo 81 Verluste gehabt, 31 weitere Söldner seien am 8. Juli letzten Jahres in Kinshasa hingerichtet worden. Diejenigen, die nach Afrika gegangen seien, um dort Reichtümer zu erwerben, seien jetzt völlig abgebrannt: „Ein Jahr lang haben wir keinen Centime erhalten. Einige von uns sind in einer katastrophalen Lage, finanziell und mit unseren Familien.“ Auch Gilbert Martin ist bereit, sich wieder zu verdingen.