20 Juli 2021 | Geschichte

Vor 50 Jahren

1971-07-20

JAN DE WET TRIFFT BISCHOF AUALA

Manuel) — Der Generalkommissar für die Eingeborenenbevölkerung Südwestafrikas, Jan de Wet, gab sich heute Vormittag in Tsumeb beunruhigt über die Erklärung Bischof Leonard Aualas der Ovambokavangokirche in einem offenen Brief an den südafrikanischen Ministerpräsidenten, in dem er nach einem freien und unabhängigen Südwestafrika verlangt und warnt, dass zunehmender Hass zwischen der schwarzen und weißen Bevölkerung, des Landes aufkomme. Generalkommissar de Wet fügte hinzu, dass morgigen Mittwoch eine Unterredung mit Bischof Auala haben werde.

KOMMUNISTISCHER UMSTURZ IM SUDAN

Beirut — Nach einer vom sudanischen Rundfunk verbreiteten Meldung hat der frühere Vizepräsident Major Hashem Atta in einem blutlosen Putsch die Regierung des Generalmajors Gaafar Nimeiry gestürzte. Der 36-jährige Major Atta war ein Waffenkamerad Nimeirys, den er bei dessen Militärputsch vor 26 Monaten am 25. Mai 1969 unterstützt hatte. Im letzten November entließ Nimeiry den stark kommunistisch gesinnten Atta und ging im Februar dieses Jahres energisch gegen die sudanischen Kommunisten vor, die im Sudan die größte kommunistische Partei der arabischen Welt bilden. Nimeiry selber galt als Freund der Sowjetunion, doch war er den Kommunisten im Land zu wenig radikal.

SOWJETWISSENSCHAFTLER IN DEN USA

Mercury (Nevada) — Zum ersten Male in der Geschichte haben am Wochenende sieben sowjetische Wissenschaft-er dem amerikanischen Atomtestgelände in Nevada einen Besuch abgestattet. Es handelt sich dabei um eine Delegation russischer Atomwissenschaftler, die zurzeit im Rahmen von Gesprächen zur friedlichen Nutzung der Atomenergie auf Besuch in den USA weilen. Politische Beobachter nehmen an, dass demnächst auch amerikanische Wissenschaftler entsprechenden russischen Einrichtungen einen Besuch abstatten werden.

FRANCO SORGT FÜR NACHFOLGE

Madrid — General Franco ließ am Freitag unerwartet ein Dekret veröffentlichen, worin er bestimmt, dass der 33-jährige Prinz Juan Carlos von Bourbon, designierter König für Spanien, als Staatsoberhaupt amtieren soll, falls er, Franco, krank werden sollte. Franco wird im Dezember 79 Jahre alt werden. Man sieht in Madrid im Dekret eine Vorsichtsmaßnahme, damit Francos Nachfolge in dem von ihm gewünschten Sinn geregelt werde. Dennoch überraschte das Dekret, weil Franco durchaus gesund erscheint und regelmäßig Audienzen abhält. Über das Wochenende hat er den amerikanischen Vizepräsidenten Agnew empfangen.

IMMUNREAKTION DER INSEKTEN

Genf - Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seien bisher fiber 200 Insektenarten festgestellt worden, die aufgrund der Bildung entsprechender Abwehrstoffe gegen die landesüblichen Insektiziden weitgehend immun seien. Unter den aufgezählten Spezies seien 105 Arten enthalten, die als Seuchenträger und -übermittler gelten, unter anderem 38 verschiedenartige Malaria-Moskitos wie auch die das. Gelbfieber übertragende Spezies. Die einzigen zurzeit brauchbaren Abwehrmittel bestünden im Einsatz sogenannter „natürlicher Feinde“ und der genetischen Kontrolle. Auf der Suche nach neuartigen Abwehrmitteln seien während der vergangenen Monate fiber 1 400 neuartige Insektizide geprüft worden, von denen sich inzwischen einige als brauchbar erwiesen hatten.

ERNEUTE INITIATIVE SAIGONS

Saigon — Aus Anlass der 17. Wiederkehr des Tages, an dem der französisch-indochinesische Krieg durch das Genfer Abkommen von 1954 eingestellt und Vietnam am 17. Breitengrad in zwei Zonen aufgeteilt wurde, hat die Saigoner Regierung Hanoi erneut Verhandlungsgespräche zur Wiedervereinigung und Inkraftsetzung eines totalen Waffenstillstandes vorgeschlagen. In einem Kommuniqué heißt es, dass eine friedliche Koexistenz zwischen dem Süden und dem Norden möglich sei. Vorgeschlagen wurde eine Wiedervereinigung durch allgemeine Wahlen unter einer internationalen Aufsichtsführung. Gleichzeitig wird Hanoi in dem Schreiben aufgefordert, „dem Traume, Südvietnam mit Gewalt erobern zu können; zu entsagen“. Nach Meinung von Kennern des politischen Milieus habe Saigon damit erneut seinen bisherigen Standpunkt in Hinsicht auf eine friedliche Lösung des Indochina-Konfliktes bekräftigt.