25 April 2018 | Geschichte

Vor 50 Jahren

25. April 1968

Rassenunruhen in Großbritannien

London (SAPA/Reuter). – „Wir müssen als Nation buchstäblich verblendet sein, den jährlichen Zustrom von 50000 Einwanderern zu erlauben. Es bedeutet nichts anderes als zuzusehen, wie eine Nation geschäftig dabei ist, ihren eigenen Scheiterhaufen zu errichten.“ Enoch Powell, Rebell in den Reihen der Konservativen Partei Großbritanniens und Führer des Schattenkabinetts, weiß nur einen Ausweg, um die Nation vor dem Selbstmord zu bewahren. Die Einwanderung der Farbigen nach England muß sofort gestoppt werden. Ferner müssen die in Großbritannien lebenden Farbigen umgehend zur Rückkehr in ihre Heimat „ermuntert“ werden. Enoch Powell, ein Mann, der nach Ansicht politischer Beobachter mit größter Wahrscheinlichkeit die Chance hat, Minister Seiner Majestät zu werden, sollten die Tories die nächsten Wahlen auf der Insel gewinnen, kritisiert mit Nachdruck die neue britische Rassengesetzgebung, die jede Form von Diskriminierung am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche und der Gewährung von Krediten künftig unter Strafe stellen wird. Diese Gesetze haben die britischen Konservativen in eine tiefe Krise gestürzt. Die Mehrheit der Fraktion lehnt sie in ihrer gegenwärtigen Form ab. Ihr wichtigstes Argument, Rassenvorurteile lassen sich nicht durch Gesetze beseitigen.

Enoch Powell verfügt dazu über eine starke Anhängerschaft in der Bevölkerung. Am Mittwoch traten Hunderte von Hafenarbeitern in London in den Streik. Sie fordern eine Beschränkung der Arbeitsplätze für Farbige im Hafen. 3000 Unterschriften die Powells Ausführungen bekräftigen sollen heute im Laufe des Tages von einer 60köpfigen Delegation dem britischen Unterhaus vorgelegt werden. Im Londoner Hafen blieben am Mittwoch 13 Schiffe unbeladen. Zahlreiche Arbeitnehmer in der britischen Hauptstadt antworteten Powell mit Sympathiestreiks. Die Gewerkschaften unterstützen die wilden Streiks bisher noch nicht, da man in den Arbeitnehmervertretungen gegen jede Rassendiskriminierung ist. Bei einer Meinungsumfrage in London stellte sich heraus daß von 500 Befragten Personen 82% die Auffassung Powells teilen und das neue Gesetz ablehnen. 2000 Hafenarbeiter zogen mit Transparenten vor das Unterhaus, auf denen die Forderung stand: „Haltet England weiß“. Enoch Powell erhielt in den letzten Tagen 40000 Briefe, die mit Ausnahme von 12 Schreiben seine Einstellung unterstützen.


25. April 1968

Derbyshires Verwandte angekommen

Windhoek (AZ). – Mit der Johannesburger Maschine sind am Mittwochmittag Frau und Sohn des bei dem Boeing-Absturz verletzten britischen Ingenieurs Dr. A. Derbyshire in Windhoek angekommen. Sie begaben sich sofort ins Krankenhaus. Ivy Derbyshire und ihr Sohn Arthur, ein Anwalt, hatten von dem Unglück in den Spätnachrichten des britischen Fernsehens erfahren. Sie hatten nicht zu hoffen gewagt, daß Mann und Vater noch am Leben sei. Vier Stunden später erhielten sie einen Anruf von der südafrikanischen Luftfahrtgesellschaft SAA. Die Ehefrau des Verunglückten beabsichtigt in Windhoek zu bleiben, bis Dr. Derbyshire aus dem Krankenhaus entlassen wird. Der Sohn will früher nach London zurückkehren.

Im selben Flugzeug kamen zwei Beauftragte der Boeing-Werke aus Seattle (USA) nach Windhoek. Es handelt sich um einen Piloten und eine Ingenieur. Sie wurden von zwei Angehörigen der südafrikanischen Untersuchungskommission begleitet und nach kurzem Aufenthalt zur Absturzstelle gebracht.


25. April 1968

Beisetzung der Flugzeugopfer

Windhoek (AZ). – In Windhoek, Mariental und Otavi fanden gestern weitere Beisetzungen von Opfern der Flugzeugkatastrophe vom Samstag statt. In Windhoek wurde H. Hinsch unter großer Anteilnahme der Geschäftswelt zur letzten Ruhe gebettet. In Otavi fand das Begräbnis von Herrn und Frau K. Mertz statt. Drei Mitglieder der Familie Notzon und Frau Venne wurden in Mariental beerdigt. Drei Mitglieder der Familie Pack wurden auf ihrer Farm beigesetzt. Die Leiche von J. Smit konnte in Johannesburg an einem besonderen Uhrarmband identifiziert werden. South African Airways hat bekanntgegeben, daß die identifizierten Leichen kostenlos an die Begräbnisstätten überführt werden. Die nicht identifizierten Leichen sollen gemeinsam in Johannesburg zur letzten Ruhe gebettet werden.