01 Oktober 2018 | Geschichte

Vor 50 Jahren

30. September 1968

„Fideles“ Untersuchungsgefängnis

Dinslaken (dpa). - Mit aufsässigen Untersuchungshäftlingen mußte sich der nordrhein-westfälische Justizminister Dr. Josef Neuberger bei einem unangemeldeten Besuch im Gefängnis von Dinslaken auseinandersetzen. Beschwerden aus der Bevölkerung hatten dort „mit Recht zu beanstandende Verhältnisse“ - so das Ministerium in einer Erklärung - an den Tag gebracht: Häftlinge pöbelten aus den Zellenfenstern Straßenpassanten an oder unterhielten sich mehr oder weniger lautstark mit Freunden und Verwandten, die sich häufig vor der Haftanstalt einfanden. An Schnüren die sie über die Mauer warfen, beförderten sie Kassiber nach draußen oder angelten allerlei Leckerbissen bis zum Grillhähnchen herein. Anwohner beschwerten sich, daß sie von Häftlingen mit Metallstückchen „beschossen“ wurden, die aus der Arbeitswerkstatt des Gefängnisses stammten.



30. September 1968

Der Papst irrte

Hamburg (dpa). - 68 Prozent der deutschen Katholiken sind der Ansicht, daß der Papst sich bei der Abfassung der Enzyklika „Humanae Vitae“ geirrt habe, und 72 Prozent glauben, daß in zehn Jahren die Pille erlaubt und die Enzyklika vergessen sein wird. Das ergibt sich aus einer im Auftrag der Hamburger Illustrierten „Stern“ vom Allensbacher Institut für Demoskopie unternommenen Umfrage.

Auf die Frage, ob dem päpstlichen Verbot der empfängnishemmenden Pille unbedingt Folge zu leisten sei, antworteten nur neun Prozent des befragten repräsentativen Querschnitts der deutschen Katholiken mit „ja“, 80 Prozent dagegen mit „nein“ und elf Prozent waren unentschieden. An die göttliche Inspiration des Papstes bei der Abfassung der Enzyklika glaubten sechs (unter den Kirchgängern: 14) Prozent. Auf die Frage, ob es besser sei, das Verbot der Empfängnisverhütung aufzuheben oder dem einzelnen die Entscheidung in dieser Frage selbst zu überlassen, entschieden sich 70 Prozent für die Gewissensentscheidung, 24 Prozent dagegen für die Aufhebung des Verbotes.