01 August 2018 | Geschichte

Vor 50 Jahren

1. August 1968

Über 2000 Menschen schon umgesiedelt

Windhoek (AZ). Bis zum 30. Juli sind 536 Fa

milien (2280 Seelen) aus der Alten Werft in Windhoek nach Katurura umgesiedelt. Das konnte Bürgermeister C. E. Katzke am Mittwoch auf der Monatssitzung des Windhoeker Stadtrates bekanntgeben. Die Zahl der Familien, die aus der Alten Werft nach Katutura ziehen, nimmt täglich um etwa 100 Prozent zu. Das ist erfreulich“, meinte der Bürgermeister.

Er erließ dennoch einen ernsten Aufruf an die Einwohner der Alten Werft, ihre Hütten so bald wie möglich abschätzen zu lassen. Viele der Einwohner warten bis zum letzten Termin und müssen dann feststellen, daß sie in einen so gewaltigen Andrang geraten sind, daß ihre Hütten nicht mehr vor dem 31. August abgeschätzt werden können.

„Ich wiederhole, der Windhoeker Stadtrat zahlt für die Hütten der Alten Werft, die nicht vor dem 31. August abgerissen wurden, keinen Schadenersatz“, betonte Ratsherr Katzke. Er ermahnte die Einwohner der Alten Werft, nicht bis zum letzten Augenblick zu warten. An die Arbeitgeber richtete Katzke einen Appell, ihre Arbeitnehmer, die auf der Alten Werft wohnen, zu einem baldmöglichen Umzug zu bewegen.

Über Katutura gab der Bürgermeister folgende Einzelheiten bekannt: Ende August verfügt die Wohnsiedlung über 4116 Wohnungen, zehn Kirchengründstücke, davon fünf bereits bebaut, neun Schulen, ein Gemeinschaftszentrum mit modernen Filmvorführgeräten, einen Biersaal und eine Spirituosenhandlung, 20 Geschäfte, neun Cafés, zwei Schlachtereien, drei Friseursalons, drei Schuster usw. Für den Transport stellt die Stadtverwaltung 22 Autobusse bereit. In der unmittelbaren Umgebung von Katutura entsteht zur Zeit ein riesiges Staatskrankenhaus, das 20 Millionen Rand kosten wird. Seit geraumer Zeit steht eine gut eingerichtete Klinik sowie Ärztesprechzimmer dort zur Verfügung. Ein Fußballstadion mit einem Rasen- und eine Sandplatz sowie ein Leichtathletikstadion, das den olympischen Bedingungen entspricht, dienen dem Sport und der Erholung. Eine besonders gut ausgestattete öffentliche Bücherei steht der Bevölkerung zur Verfügung. Aus privater Initiative wurde auch ein Tanzlokal eingerichtet. Arbeitende Mütter können ihre Kinder während des Tages der Obhut eines Kindergartens überlassen.

All die Einrichtungen dienen dem Fortschritt der Bantus. Jedem, dem der Fortschritt seines Volkes am Herzen liegt, wird sich im Interesse dieses Fortschritts, der Gesundheit und dem Allgemeinwohl seiner Mitmenschen widmen, erklärte Bürgermeister Katzke. „Ein Führer ist jemand, der mit seinen Mitmenschen den Weg des Aufstiegs geht. Die Person, die behauptet, ein Führer zu sein, ihre Mitmenschen aber auf eine falsche Fährte führt, ist kein Führer. Er wird von seinen Anhängern verlassen.“

Katzke konnte dem Stadtrat mitteilen, daß einer der politischen Führer auf der Alten Werft ihm persönlich mitgeteilt habe, daß er nach Katutura umziehen werde, deshalb aber nicht seine politischen Ansichten ändere. „Wie ich es diesem Mann erläutert habe, ist diese Umsiedlung der Einwohner der Alten Werft nach Katutura eine ausschließlich städtische Angelegenheit, die auf Gesundheits- und sozialen Gründen beruht und worin man keinerlei politische Motive sehen darf“, betonte der Bürgermeister.

Die Umzugswilligkeit nimmt von Tag zu Tag zu. Das geht aus den Zahlen hervor, die der Bürgermeister dem Stadtrat am Mittwoch mitteilen konnte. Vom 1. bis 28. Juli sind 344 Familien (1501 Seelen) umgezogen. Am 29. Juli zogen 69 Familien (297 Seelen) und am Dienstag 123 Familien (482 Seelen) um.

1. August 1968

Untersuchung der Boeing-Katastrophe

Pretoria (SAPA). Verkehrsminister B. J. Schoeman gab gestern die Ernennung einer Kommission zur Untersuchung der Boeing-Katastrophe vom 20. April dieses Jahres bei Windhoek bekannt. Am 20. April stürzte die neuste Boeing 707 der südafrikanischen Luftfahrtgesellschaft SAL kurz nach dem Start östlich vom J. G. Strijdom-Flughafen ab. Insgesamt wurden 123 Passagiere und Besatzungsmitglieder getötet. Die Kommission soll die Ursache und die Verantwortung für den Unfall untersuchen. Die Kommission beginnt mit ihrer Arbeit am 1. Oktober in Windhoek.