29 Juni 2005 | Wirtschaft

Streit ums Online-Telefonbuch

Die Präsentation des namibischen Telefonbuches im Internet durch die Firma Creative Logic mündet jetzt wahrscheinlich in einen Rechtsstreit. Dabei soll geklärt werden, ob das genannte Unternehmen berechtigt ist, die Daten online zu veröffentlichen oder damit gegen das Urheberrecht verstößt.

Windhoek - Creative Logic war Anfang Mai mit der Homepage www.creative-logic.org an den Start gegangen, auf der man ca. 78000 Einträge der weißen Seiten des aktuellen Telefonbuches (also ohne Branchenbuch und Behördenübersicht) einsehen und auch suchen kann (AZ berichtete).

Nun hat die Telecom vergangene Woche Creative Logic durch einen Anwalt aufgefordert, die Informationen von der Homepage zu nehmen oder diese abzuschalten, sonst werde man eine Klage am Obergericht anstreben. Begründet wird dies mit dem Urheberrecht bzw. der Nutzung fremden Eigentums. Die gesetzte Frist war am 27. Juni verstrichen, doch die Homepage ist immer noch online. "Wir können nicht akzeptieren, dass wir für einen Service bestraft werden, den die Telecom nicht anbieten kann", begründete Arthur Götz, Geschäftsführer von Creative Logic, auf AZ-Nachfrage. Überdies sehe er keine Verletzung des Urheberrechts. "Der Oberste Gerichtshof in den USA hat in einem ähnlichen Fall entschieden, dass Telefonnummern Fakten sind und diese nicht durch das Copyright geschützt werden können", argumentiert er. Und weiter: "Wenn wir die Internetseite schließen, wird die Telecom nicht nur ihr Monopol in einem Marktbereich fortsetzen, in dem sie gar nicht aktiv ist, sondern auch Namibias Geschäftswelt und vor allem die Tourismusbranche schädigen, die davon abhängig sind, ihre Kontaktdetails international verfügbar zu machen."

Nach Angaben von Götz sei er bereits vor Jahren, als er das Projekt gestartet hatte, mit der Telecom in Kontakt gewesen. "Damals wollten wir noch eine CD mit den Namen und Nummern herausgeben", berichtet er. "Man hat uns gesagt, dass wir erstmal weitermachen sollen. Auch die Daten haben wir von Telecom erhalten", so Götz. Im September 2004 dann hätte Telecom den Auftrag für die Erstellung einer Telefonbuch-CD sowie einer Internetpräsenz ausgeschrieben und Ende des Jahres dem Unternehmen iway erteilt.

Götz gibt sich trotz dieser Probleme versöhnlich: "Wir sind immer noch bereit, mit Telecom zusammenarbeiten und haben dies auch angeboten. Wir machen also weiter", sagte er. Telecom-Pressesprecher Ferdinand Tjombe bestätigte gestern auf AZ-Nachfrage die Haltung des Unternehmens, wollte sich aber nicht zu Details dieser Angelegenheit äußern. Er bat um Geduld, bis eine entsprechende ausführliche Reaktion schriftlich vorliegt.