12 Oktober 2021 | Lokales

Streit um Minenarbeiter entbrannt

Rechtsanwalt Tscharntke kritisiert Farmer Kai-Uwe Denker

Zwischen dem Rechtsanwalt Christoph Tscharntke und dem ehemaligen NAPHA-Vorsitzenden Kai-Uwe Denker ist ein Streit um Minenarbeiter auf den beiden benachbarten Farmen ausgebrochen. Ersterer fordert Denker auf, diesen Zugang zu seiner Farm zu gewähren.

Von Katharina Moser, Windhoek

Die Situation der Kleinminenarbeiter, die vor allem in der Erongo-Region unter lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen nach Halbedelsteinen graben, bietet viel Zündstoff. Touristen kennen die Stände am Wegesrand, in denen die Menschen für einen kleinen Lohn Mineralien verkaufen. Oft wird bezweifelt, wie viele von ihnen wirklich Schürflizenzen haben.

Zwischen dem ehemaligen Vorsitzenden des namibischen Jagdverbands NAPHA, jetzigem Besitzer der Farm Ameib in der Erongo-Region und dem Vorsitzenden der Erongo Mountain Nature Conservancy, Kai-Uwe Denker, und dem Rechtsanwalt und Besitzer der Farm Davib Ost, Christoph Tscharntke, ist es nun zu einem heiß geführten Streit gekommen: Letzterer wirft Denker vor, er toleriere die Aktivität von Kleinminern auf seiner Farm, verwehre in aber den Durchgang auf seinem Land. Daher würden alle Kleinminer illegalerweise über Farm Davib Ost Zutritt zu Denkers Farm suchen, dort Sachbeschädigung anrichten und wildern. „Jemanden aufzufordern oder zu ermutigen, das Land eines anderen zu betreten (und Eigentum zu zerstören) ist eine schwere Straftat. Und ich glaube nicht, dass Sie so etwas tun, so etwas tun“, so Tscharntke in einer Mitteilung, die er nicht nur Denker, sondern auch dem Ministerium für Minen und Energie sowie der Polizei von Usakos und Walvis Bay zukommenließ. Die Kleinminer schnitten die Zäune der Farm Davib Ost auf, um auf Denkers Farm zu gelangen, und stellten entlang der Wege Fallen zum Wildern auf. „In diesen Jahren haben wir den größten Teil unseres Wildes und auch teures Zuchtvieh verloren. Wenn Sie diese Minenarbeiter nicht auf Ihrem Land dulden, dann gehen Sie bitte mit der Polizei zu deren Claims und entfernen Sie sie. Und für den Fall, dass Sie ihnen die Möglichkeit geben wollen, auf Ihrem Land zu schürfen, dann geben Sie ihnen legalen Zugang und kontrollieren Sie sie auf ihren Claims. Manche Kleinschürfer werden sogar von anderen mit Waffen bedroht. Sie als der Landbesitzer können das Problem herausfinden und lösen. Aber Sie können solche Dinge nicht dulden“, so Tscharntke. Ihm zufolge dürfe Denker als Vorsitzender eines Naturschutzverbandes die Zerstörung von Natur nicht zulassen. Außerdem argumentierte er, als privilegierter weißer Farmer müsse man benachteiligten Menschen etwas zurückgeben, wie er selbst es tue.

Denker weist zurück

Denker wies in seiner Antwort die Vorwürfe vehement als unzutreffend zurück. Ganz im Gegenteil zu Tscharntkes Behauptungen meinten die Leute sowohl auf Ameib als auch auf Davib und dies nicht, weil er, sondern weil Tscharntke die Erlaubnis erteilt habe. „Lass mich bitte festhalten, dass die Leute beidseits der Grenzen, auch auf Davib, schürfen und behaupten, Du hättest ihnen Zutritt erteilt. Von mir hat niemand Erlaubnis, dort oben zu schürfen und ich habe niemandem irgendeine Zugangsroute empfohlen oder gestattet.“ Er sei außerdem der einzige gewesen, der sich um die Aufklärung von Wildereifällen auf dem Rondekop bemüht habe. Die Polizei sei daran nicht interessiert gewesen.

Grundsatzfragen

Aus der Auseinandersetzung ist inzwischen eine vehement und persönlich geführte Debatte geworden, die auch Grundsatzfragen der Trophäenjagd und des Farmbesitzes privilegierter Weißer berührt. „Kai-Uwe, zu welchem Zweck wurde die Erongo Mountain Nature Conservancy gegründet? Um die Natur zu bewahren - oder um möglichst ungestört die Trophäenjagd ausüben zu können, während man ansonsten der Zerstörung der Natur durch Leute, die sich im eigenen Verantwortungsbereich aufhalten und die man auch seit Jahren dort duldet, ruhig zusieht? Kai-Uwe, um es klar und unmissverständlich auszudrücken: eine solche Trophäenjagd hat aus meiner Sicht in unserer Gesellschaft keine Daseinsberechtigung. Eine solche Trophäenjagd ist aus meiner Sicht extrem sozialschädlich“, so Tscharntke. Denker hingegen gibt an, sich durchaus für den Schutz der Natur auf den Farmen einzusetzen und nicht für die Aktivitäten der Kleinminer verantwortlich zu sein. Ein Versuch, Kai-Uwe Denker für ein Kommentar zu erreichen, war zunächst nicht erfolgreich. Die AZ wird demnächst mehr darüber berichten