17 September 2020 | Glosse

Steinbock Wahlregister im Frühling 2020

Mit mehr Blüten durch Corona-Zeiten

Der zuversichtliche Lenz lässt sich gerade im Corona-Jahr durch maskierte Menschen net nich abschrecken. Ob Wurmrindenbaum - auch Omuama und Wurmbasvalsdoring genannt - ob Hakendorn, Kerzenakazie, Bergdorn und vereinzelt sogar der Kameldorn, sie wetteifern jetzt zeitlich leicht versetzt mit leuchtenden Kätzchen. Nach dem gewaltigen Blütenausbruch zu urteilen, müsste es eine gute Regenzeit werden.

Inzwischen sind angehende Wähler, die politisch mündig werden wollen und sollen, sowie andere brave Patrioten, die mitunter ihre Wählerkarte verschlampt ham, zur Registration gegangen. Wahlleiter Omutengwa Mujoro is nochall zufrieden, dass er kurz vor der endgültigen Auszählung schon 130 000 neue Kommunal- und Regionalwähler verzeichnen konnte. Politisch tut sich ja etwas, wenn Du die neuen Parteien mit jungen Aktivisten betrachtest, die nich länger vor der regierenden Partei erschaudern, die sich für die Größte aller Zeiten hält.

Aber mach kein´ Fout. Der große Wandel bricht solange noch nich an wie die oppositionellen Parteien sich nich auf eine strategische Einteilung einigen, indem die maßgeblichen wenigstens einen regionalen oder kommunalen Pakt bilden. Ohnedem gibt´s kaum Sitze in den Regional-, Stadt- und Dorfräten zu erobern. Solange jede einzelne der rund zehn oppositionellen Gruppen auf dem eigenen Misthaufen kräht und weiter Flenterxhattpartei spielt, gibt´s eben nur punktuelle Erfolge, aber keinen Erdrutsch. Und solange feixt sich die große Partei mit dem Kolonialkürzel SWApo ins Fäustchen.

Indessen bleibt der große Generalissimus, Comräd Oministeli der Verteidigung, Peter Vilho, Konteradmiral a. D., noch im Brennpunkt. Konteradmiral a. D. kriegt stief Kontra, innerhalb und außerhalb der Nationalversammlung, einmal von beredten Oppositionellen und zum Anderen von aufgeklärten mündigen Mitbürgern. Sein verbaler Angriff auf Otjirumbu-Geschäftsleut der Nation offenbart allerhand Mugabe-Mentalität. Aber das Thema ham sowohl Bleichgesichter als auch Mitbürger mit kwaiem Tähn nochall ordentlich angepackt.

Diesmal geht´s um seine Pflicht der Rechenschaft im Parlament, auf die mehrfach gestellte Frage zu antworten, ob die Solidarbrüder von Peking denn nun auf namibischem Boden einen Militärstützpunkt errichten, um den Amis einen Kontrapunkt entgegenzuhalten, die ja mit Botswana ein solches Abkommen haben. Und dann stellt sich die flüchtige Frage, wieviele chinesische Militärs und Zivile im Lande der Braven und Bravourösen leben und stationiert sind. Da hörste wüst aufgeblasene Ziffern, aber es handelt sich um mehr als um wenige.

Der parlamentarischen Frage nach der chinesischen Militärpräsenz is der Generalissimus nich nur ausgewichen, sondern er hat glattweg geweigert etwas dazu zu sagen. Denn, so meint er, wenn etwas bemerkenswert wäre, hätte man das schon vorgebracht. Und die Info, die die Oppositionellen verlangten, wäre vertraulich. Alles wird hier in der Unmöglichkeitsform abgehandelt. Dabei hat der Verteidigungsminister den drittgrößten Haushaltsposten mit 6,229 Milliarden Nam-Dollar zu verwalten. Dieser Zaster kommt nich aus seiner Tasche, sondern vom namibischen Steuerzahler, dem er in Friedenszeiten herablassend ganz normale Auskunft vorenthält und verweigert. Hinzu kommt, dass er mangels Bedrohung von außerhalb der Landesgrenzen nun blass-bleiche Landsleut zum Feindbild macht, der Generalissimus.

Und Kratzbüsche und Omuama blühen unbeirrt weiter.