02 August 2021 | International

Provinzhauptstadt in Afghanistan droht an die Taliban zu fallen

Kabul (dpa) - Die militant-islamistischen Taliban rücken in der afghanischen Provinzhauptstadt Laschkargah immer weiter vor. Nach heftigen Gefechten in den vergangenen Tagen kontrollierten sie nun mindestens acht der zehn Polizeibezirke der Stadt, sagten lokale Behördenvertreter und Einwohner der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Mit Montagmorgen seien erneut heftige Kämpfe im Zentrum ausgebrochen.

Sollte die Stadt mit geschätzt 200 000 Einwohnern im Süden des Landes fallen, wäre es die erste Provinzhauptstadt seit 2016, die die Taliban erobern können. Damals konnten sie kurzzeitig Kundus im Norden des Landes erobern. Es wäre zudem eine Niederlage für die USA, die offiziell ihren Militäreinsatz im Land Ende August beenden. Das US-Militär unterstützt die unter Druck stehenden afghanischen Streitkräfte noch mit Luftangriffen. Die Flieger dafür steigen von außerhalb Afghanistans auf, da der Abzug aus dem Land praktisch abgeschlossen ist.

Die afghanische Regierung halte in Laschkargah lediglich noch vereinzelte Einrichtungen wie den Gouverneurssitz, das Gefängnis, das Polizeihauptquartier oder eine Militärbasis, sagte der Provinzrat Abdul Achundsada. Die Zivilisten in der Stadt würden schwer unter den Kämpfen leiden und mit ihrem Hab und Gut von einem Stadtgebiet ins andere fliehen.

Laschkargah drohte in den vergangenen Jahren bereits öfter an die Taliban zu fallen. Allerdings konnten US-Luftschläge und auch Unterstützung durch US-Spezialkräfte dies verhindern. Laut afghanischem Verteidigungsministerium flogen die USA auch in der Nacht zu Montag erneut Luftangriffe gegen Taliban-Stellungen.

Seit dem Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen aus Afghanistan Anfang Mai haben die Taliban mehrere Offensiven im Land begonnen. Mittlerweile beherrschen sie etwas mehr als die Hälfte der Bezirke des Landes und bedrohen mehrere Provinzhauptstädte. Zuletzt griffen sie auch die bedeutenden Städte Herat im Westen und Kandahar im Süden an. Der Friedensprozess tritt weiter auf der Stelle.