01 August 2019 | Glosse

Politiker mit und ohne Flunsch auf der Bühne

Wir ham Meinungs- und Redefreiheit. Politiker ham das noch mehr . Und manche nutzen ihr Redetalent ganz geschickt und gezielt. In den vergangenen Tagen ham sich ´ne Reihe Zitate aufgedrängt, die Du nich einfach unter den Teppich kehren kannst, denn direkt und indirekt gehen die Reden und Kapriolen der Staatsmänner uns was an. Hier heute in Wort und zumeist in Bild: der Besucher, Comräd Emmerson Mnangagwa, unser Omupräsidente III, Hage Gottfried Geingob und last not least der neue Brexit-Bannerträger Boris Johnson. Auch Landreformminister Omushamane Uutoni Nujoma, ohne Otjiperendero, muss kurz zu Wort kommen.

Fangen wir gleich mit dem an. Der is wieder mal ins Fettnäppl getreten. Vor der Zeraua-Sippe in Omaruru hat der gesagt, die Neufarmer sollten wie „weiße Landwirte farmen“, also mit rotierender Beweidung, auch holistische Nutzung der Bioreserven. Die traditionelle Viehzucht und Farmwirtschaft nach der Art der Kommunalregionen führe zur Verwüstung und Überbeweidung. Das sind klare Worte von Oministeli Nujoma Jnr. Jesslaik, Comräd Uutoni, im derzeitig tribalistischen Klima darfst Du mos nich von „farmen wie die Weißen“ reden, auch wenn Du teilweise Recht hast und Dir jeder zustimmen wird, der biekie von arider Farmerei versteht. Wir können davon ausgehen, dass Comräd Uutoni seine Ermutigung wertfrei, aber auf Erfahrung gestützt gemeint hat. Dennoch wurde er sofort über SMS und Zeitungsspalten gemaßregelt, obwohl es gar nich um Bleichgesichter sondern um ökologische Landnutzung geht. Aber die Leut dreschen die Rassentrommel muhrsch gern.

Net nich worrien Uutoni. Deinem Omupräsidente, Comräd !Gôahesab Hage Gottfried Geingob is das auch wieder mal passiert. Bei seinen Kontakt-Trips zu den Rathausversammlungen zur Pflege der Bürgernähe - seine Widersacher verübeln ihm das, weil es Wahljahr is - is der erste Diener im Haus Namibia auch in die Nesseln getreten. In Omuthiya dort janz weit im Norden in der Region Oshikoto hat er gesagt, dass er´s jetzt satt hat - milde ausgedrückt - dasses ´ne Reihe Leute gibt, die aus „egoistischen Gründen“ dauernd und unablässig Genozidansprüche stellen und Ahnenland verlangten, derweil die wirklich Leidtragenden stillschweigend litten. Ob Du nun von Hage was hältst oder nich, versetz Dich mal in seine Schuhe und hör Dir in ständiger Wiederholung ewig gestrige Forderungen von vor ca 110 Jahren an, derweil es an gegenwärtigen Problemen, Pardon, Herausforderungen, im Hause Namibia nur so wimmelt. Die Freiheit der Meinungsäußerung ham ihm etliche Leut der Reparationslobby nich gegönnt.

Und dann hatten wir den derzeitigen Hoffnungsträger von Simbabwe offiziell zu Besuch: Comräd Omupräsidente Emmerson Mnangagwa, nach dem Terror- und Pleite-Regime von Boppa Mugabe gefeierter und geduldeter Putschist. Dabei sollte niemand vergessen, dass Genosse Emmerson Jahrzehnte lang Steigbügelhalter von Comräd Boppa war und die Staatsgewalt und den Pogrom an kommerziellen Farmern samt ihrer Angestellten sowie die ethnische Teilsäuberung der Ndebele durchgeführt hat, um nur einige zu nennen. Genosse Emmerson hatte auch Rat parat für seinen Amtskollegen Hage. „Wir haben das Land genommen, das uns gehört.“ Aber wir sind gastfrei, denn er bildet die aktuelle Regierung.

Bei der ehemaligen Kolonialmacht der Simbabwer beherrscht jetzt eine besondere Gestalt die Bühne: der neue Premier Alexander Boris de Pfeffel Johnson, Anglo-Amerikaner, geboren am19. Juni 1964 in New York City , elitär in Eton, England, zur Schule gegangen. Er ist Publizist, Politiker, Orator und gibt sich betont unkonventionell. „Als Prolet“, sagen ausgerechnet standesbewusste Deutsche der Bundesrepublik. Der Boris hat türkische und deutsch-adlige Vorfahren neben der anglophonen Herkunft. Mit dem werden wir muhts noch stief Sports erleben. Wir hatten die Königin Elisabeth II hier zu Besuch. Es wird Zeit, dass ein Staatsbaas aus England dem Hage aufwartet. Schließlich sind wir ein Commonwealth-Land. Beim Empfang für Boris werden wir unseren Conferencier Neville Basson engagieren.