11 April 2019 | Landwirtschaft

Ozetu soll Markt erschließen

Rukoro will Hälfte des namibischen Fleischmarktes erobern

Das Oberhaupt des Herero-Volkes möchte mit der Errichtung eines eigenen Fleischverarbeitungsbetriebs direkt als Konkurrent gegen den Staatsbetrieb Meatco angehen. Er wirbt unter seinen Leuten um Unterstützung, während es noch unklar scheint, ob ein solcher Betrieb rentabel sein kann. Indessen scheint Meatco zu gesunden und bietet den Farmern Hilfe an.

Von F. Steffen & O. Tlhage, Windhoek

Die Ovaherero-Kommunalverwaltung (OTA) hatte unlängst die Planung zur Errichtung eigener Versteigerungs-Kräle sowie einer Herero-verwalteten Fleischverarbeitungsanlage angekündigt. Die Firma, die diesen Schritt einleiten soll ist Ozetu Holdings und gemäß der Bedeutung des Wortes in der Herero-Sprache, wirbt neuerdings das Stammesoberhaupt der Herero, Adv. Vekuii Rukoro, unter seinen Gefolgsleuten und Farmerkollegen mit dem „Durch uns - für uns“-Prinzip. Laut des Unternehmenskonzepts sollen Herero-Farmer künftig ihre Rinder nicht mehr bei dem staatlichen Schlacht- und Fleischverarbeitungsbetrieb Meatco schlachten.

„Die Zeit in der wir uns von Januar bis Dezember zugunsten der Großeinkäufer geschunden haben, ist endgültig vorbei“, wird Rukoro in dem Dokument zitiert. Es sei an der Zeit das Vehikel in Form der Ozetu Holdings auszunutzen und dadurch ins „gelobte Land“ zu gelangen. Ein Farm- und Mastbetrieb mit integrierten Kralen sowie ein Schlachtbetrieb sind geplant. Ozetu zielt darauf ab, 50 Prozent des landesweiten Fleischverarbeitungsdurchlaufs und mindestens 10 Prozent aller Exporte zu übernehmen.

Damit geht Rukoro, der ehemals dem Betrieb Meatco als geschäftsführender Direktor vorstand, direkt gegen den Betrieb an, von dem er sich im Jahre 2017 nach einem sich hinziehenden Arbeitsdisput trennte - mit einer Abfindung in Höhe von 3 Millionen N$. Laut Rukoro soll sich das Ovaherero-Volk sehr über die Art geärgert haben, wie Meatco mit ihm umgesprungen ist. Es habe Bemerkungen auf sozialen Internet-Plattformen gegeben, die prophezeiten, dass Meatco damit enden würde „nur noch Hunde zu schlachten“.

Der Volkswirt Wally Roux erkennt Ozetu nicht als sofortige Gefahr und zweifelt teilweise sogar die Rentabilität eines solchen Großbetriebs an, wenngleich er Riruako Recht gibt, dass die Herero-Farmer einen maßgeblichen Teil der Rinderfarmer Namibias ausmachten. „Von Kritik allein steht ein Konzept noch lange nicht und die bisherigen Informationen reichen nicht aus, dass man daraus ableiten könnte, ob die Idee sinnvoll ausführbar ist. Die Versteigerungen machen bestimmt Sinn, denn die Mittelmänner könnten ausgeschaltet werden“, meinte Roux.

Meatco auf der Zielgeraden

In einem AZ-Gespräch mit dem amtierenden Geschäftsführer Meatcos, Jannie Breytenbach, wollte sich dieser nicht zu dieser Entwicklung äußern, zumal es andere Parteien im Land gebe, die sich mit ähnlichen Gedanken tragen wie Rukoro. „Schade wäre es natürlich, denn wir wollen allen einen guten Dienst anbieten können. Außerdem wird der Anteil der einzelnen Interessenträger immer kleiner, welches letztendlich keinem dient“, bedauerte er die Möglichkeit einer weiteren Marktfraktionierung.

Er habe momentan ganz andere Sorgen, denn Meatco liege daran, den Farmern durch die jetzige Dürre zu helfen. „Wir haben etwa 98% unserer Zielvorgaben, der im Vorjahr angekündigten Umstrukturierung geschafft, wodurch der Betrieb gesundet. Jetzt wollen wir die Fleischpreise stabilisieren und den Farmern ihre Tiere abnehmen, bevor diese verhungern oder sie nichts mehr wert sind“, erklärte Breytenbach. Meatco wolle helfen, doch habe es keine andere Wahl als dann später zu zahlen, denn das Schlachtvolumen soll pro Tag auf 600 Stück Vieh erhöht werden und auch an Samstagen soll geschlachtet werden. Der wöchentliche Kapitalfluss erhöhe sich dadurch von 30 Millionen N$ auf 45 bis 50 Millionen N$, während die Mittel teilweise erst nach 80 Tagen wieder zurück in den Geldumlauf gelangten.

„Mir macht viel mehr Sorge, wie wir nach der Dürre wieder die Farmen neu bestockt bekommen und was dann noch zum Schlachten verblieben ist“, schloss Breytenbach.