20 November 2020 | Natur & Umwelt

Okavango-Delta in Gefahr

Interessenträger werden aktiv - ReconAfricas Vorgehensweise bemängelt

Die Bohranlage für Öl- und Gasprospektion im Kavango-Becken, in dem 120 Milliarden Barrel Öl pro Jahr gefördert werden sollen, wird momentan nach Namibia verschifft. Indessen nehmen lokale Umweltorganisationen und Interessenträgerjetzt ernsthaft den Kampf gegen Hydro-Fracking auf.

Von Ronelle Rademeyer & Frank Steffen, Windhoek

Die Ankündigung unlängst, dass der Firma Reconnaissance Energy Namibia (besser bekannt als ReconAfrica) eine Prospektionsgenehmigung in den Kavango-Regionen zugestanden wurde, stieß lokal ziemlich schnell auf Wiederstand. Dieser Wiederstand entwickelt sich mittlerweile zu einem lauter werdenden Weckruf seitens verschiedener Interessenträger gegen ReconAfrica, die bereits in der zweiten Dezemberhälfte mit der Öl- und Gasexploration im Ost-Kavango beginnen will. Ziel ist es, den scheinbar riesigen Fund durch Hydro-Fracking zu fördern.

Die Vergabe des Prospektier-Rechts hatte dazu geführt, dass das renommierte Magazin National Geographic im Oktober einen Artikel dazu schrieb. „Ölbohrungen und mögliches Fracking in der Okavango-Region geplant - letzte Festung der Elefanten“, hieße es in der Überschrift und weiter: „Hunderte von Ölquellen könnten eine große Fläche in Namibia und Botswana abdecken, welches als der möglicherweise ‚größte Kampf um Öl dieses Jahrzehnts‘ bezeichnet werden kann.“

Obwohl das kanadische Unternehmen bereits 2015 die Rechte dazu erworben hatte, behaupten Interessenträger nun, dass nie eine öffentliche Diskussion im Rahmen der Umweltverträglichkeitsstudie stattgefunden habe. Mit einer Beteiligung von 10 Prozent, ist der staatliche Treibstoffkonzern Namcor, namibischer Partner von ReconAfrica.

Indessen haben die Unternehmen im Juni dieses Jahres ihre Belange im Okavango-Delta gefestigt, indem sie jetzt gemäß einer botswanischen Explorationsgenehmigung auch im als Unesco-Weltkulturerbe anerkannten Gebiet Tsodilo Hills nach fossilen Brennstoffen suchen dürfen. Im Gegensatz zu Namibia ist ReconAfrica 100-prozentiger Teilhaber an diesen Prospektionsarbeiten. Anfang dieses Monats sagte ReconAfrica in einem Webinar über die Öl- und Gasindustrie in Texas (USA), dass es „eine massive Erdölressource im Kavango-Becken entdeckt“ habe, die voraussichtlich 120 Milliarden Barrel Öl jährlich fördern könne.

Öffentlicher Widerstand

Frack Free Namibia (FFN) und andere Organisationen wie Eden Namibia und Fridays for Future lehnten in dieser Woche die vorgeschlagene Prospektion aufs Schärfste ab. Sie korrespondierten mit der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) sowie die Leiter der diplomatischen Vertretungen Kanadas und Botswanas in Namibia. Ferner schrieben sie an das Ministerium für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus (MEFT), das Ministerium für Landwirtschaft, Wasserbau und Landreform, und nicht zuletzt das Ministerium für Bergbau und Energie. Für heute ist seitens des FFN ein Protestmarsch in Windhoek geplant, so Gundula Wagner in einem Gespräch mit der AZ-Schwester Republikein.

Die Namibische Umweltkammer (NCE), Dachverband zahlreicher nichtstaatlicher Organisationen mit Schwerpunkt Umwelt, hat in den elektronischen Medien einen umfassenden Bericht veröffentlicht, worin die Auswirkungen der Exploration erklärt werden sowie die Umweltschäden, die das Fracking beinhaltet. Laut der Umweltverträglichkeitsstudie geht es dabei um eine Fläche von mehr als 25342 Quadratkilometern in die massenweise Bohrlöcher geschlagen werden, inklusive des Okavango-Flussbeckens. Das MEFT hat im August 2019 eine auf der Umweltverträglichkeitsstudie basierende entsprechende Unbedenklichkeitsbescheinigung, infolge dessen mit der Prospektionsarbeit begonnen werden kann. Die NCE moniert die am Prozess „weitreichenden Mängel“. So werde nicht erläutert, wo sich Interessenträger und betroffene Parteien für eine Beteiligung an der öffentlichen Diskussion anmelden können - das verstoße gegen das Umwelt-Managementgesetz sowie die namibische Verfassung. Ferner dürfe ReconAfrica die Teststandorte nach Belieben errichten und verschieben. Das wirke sich nachteilig auf die Wasserressourcen sowie die Gemeinschaften und Wildtiere aus.

Die NCE nimmt auch nicht die Beteuerungen seitens der Regierung oder ReconAfrica ernst, dass die Naturressource nicht durch Hydro-Fracking gefördert werde. Immerhin habe ReconAfrica seinen Investoren in einer ihrer Präsentationen versichert, dass es beabsichtige, „hunderte von Testlöchern“ zu bohren und „modernes hydraulisches Fracking“ anzuwenden.

ReconAfrica teilte in einer Pressemitteilung des 20. Oktobers mit, dass es bereitstehe seine ersten Testbohrungen in einem Erdölgebiet auszuführen, in dem es ihm laut der staatlichen Genehmigung erlaubt worden ist. Laut Geschäftsführer Scott Evans, wird die Bohranlage, die im ersten Quartal dieses Jahres gekauft und umgebaut wurde, Mitte November von Houston in Texas, nach Walvis Bay verschifft. Die Schiffsreise dürfte 28 Tage dauern, wonach sie über Land zum Bohrstandort südöstlich von Rundu transportiert werden soll.