21 Januar 2010 | Lokales

Noch kein Ende der Touristenabzocke

Windhoek - Die Betrüger-Truppe ist rings um die Christuskirche und in der Independence Avenue in Windhoek unterwegs. Mit Listen, auf denen sich Touristen als Spender eintragen können, sprechen sie Urlauber an und sammeln Geld für eine Ausstellung über DDR-Kinder, die aber nicht stattfindet, wie die AZ bereits 2009 recherchierte. Mehrere Personen, denen die Masche bekannt ist, haben Touristen bereits vor der Abzocke gewarnt - und ernteten dafür teils Morddrohungen von den Betrügern.

Im vergangenen Jahr berichtete die AZ erstmals über diesen Betrüger-Ring. Schon damals distanzierte sich die Nationalgalerie, in der die vermeintliche Ausstellung stattfinden soll, auf AZ-Nachfrage von dieser Aktion und erklärte, dass eine Ausstellung dieser Art weder geplant sei noch dass sie davon gehört habe.

Der AZ liegen mehrere Leserbriefe vor, in denen Urlauber aus Deutschland berichten, dass sie auf die Kriminellen reingefallen seien und erst nach ihrer Rückkehr von der Betrugsmasche erfahren hätten. Die "Spendenbeträge" rangieren von zehn bis zu über 100 Namibia-Dollar. Aber auch hiesige Geschäftsleute haben sich bei der AZ gemeldet und berichteten von Beobachtungen sowie Gesprächen mit Opfern. Urf Gamma, Inhaber des Gatheman-Restaurants, sagte dazu: "Ich sehe sie (die mutmaßlichen Betrüger) fast jeden Tag. Heute habe ich sie wieder in der Nähe des Goethe-Zentrums gesehen." Er finde es sehr schade, dass diese Menschen ihre Fähigkeiten mit Betrug verschwenden, denn er habe bereits viele Ex-DDR-Kinder als Angestellte beschäftigt. Sie seien wirklich fähig, "um etwas zu werden", denn sie seien gebildet und würden sehr gut Deutsch sprechen, so Gamma. Es sei eine Schande, dass diese Personen den ehrenhaften Ex-DDR-Kindern das Leben schwer machen und deren Namen beflecken würden.

Inzwischen hat auch die Stadtpolizei Windhoek versucht, diesen Betrügern das Handwerk zu legen. So hätten Beamte bereits mehrfach die Spenden-Listen konfisziert, erklärte die Stadtpolizei auf AZ-Nachfrage. "Wir suchen noch nach einem Gesetz, welches Personen, die nicht im Namen einer offiziellen Organisation auftreten, verbietet, Spenden zu sammeln", erklärte der Stadtpolizei-Beamte Johan Kellermann.

Patrick Hashingola, Mitglied des Freundeskreises Ex-DDR e.V., distanzierte sich auf AZ-Nachfrage erneut ausdrücklich von den "Spendensammlern" und erklärte, dass der Verein nichts damit zu tun habe.

Die Öffentlichkeit ist weiterhin gefordert, Informationen über solche Vorfälle sowie Fotos von den mutmaßlichen Betrügern der AZ oder der Polizei zur Verfügung zu stellen.