29 Juni 2021 | Gesellschaft

Ngavirue - aktiver Einsatz bis ans Ende

Dr. Zedekia Ngavirue, während der vergangenen sechs Jahre der ernannte Unterhändler und Vertreter der namibischen Regierung in den Versöhnungsverhandlungen zwischen Namibia und Deutschland, ist am 24. Juni 2021 im Alter von 88 Jahren verstorben. Er hinterlässt seine zweite Frau, vier Kinder und Enkel.

Am 6. Mai dieses Jahres hatte er mit dem deutschen Gegenpart Ruprecht Polenz den über sechs Jahre ausgehandelten Vertragsentwurf beider Regierungen paraphiert. Die angesagte feierliche Ratifizierung des Vertragswerks in der namibischen Nationalversammlung, bzw. den verheißenen Auftritt des deutschen Außenministers Heiko Maas sowie des Bundespräsidenten Steinmeier durfte Ngavirue nicht mehr erleben, sollte das zeremonielle Prozedere in angesagter Form denn stattfinden. Selbst wenn die namibische Regierung sich unter Druck ethnischer Gruppen vom mühsam ausgehandelten Vertrag zurückziehen sollte, bleibt das Versöhnungspaket ein epochales Abschlusswerk Ngavirues, nach einem vielseitigen Leben eines namibischen Patrioten.

Zedekia Ngavirue stammt aus dem Königshaus Kambazembi der Ovaherero von Otjozondjupa. Er hat seit etlichen Jahren auch eine eigene Farm am Waterberg bewirtschaftet. Er wurde am 4. März 1933 in Okakarara geboren. Vor 1960 war er Gründer der Zeitung The South West News, in der Apartheidsära das erste Blatt, das von einer schwarzen Redaktion betrieben wurde und Artikel in Englisch, Afrikaans, Otjiherero und Oshivambo veröffentlicht hat. Der bekannte Journalist und Politiker Emil Appolus war sein Redakteur. Ngavirue, Fanuel Kozonguizi und Appolus haben maßgeblich bei der Gründung der SWA National Union (SWANU) mitgewirkt. Ngavirue war der Vorsitzende des Parteiausschusses, der die Statuten der SWANU verfasst hat, die in den Anfangsjahren ausgesprochen kommunistisch geprägt waren. SWANU hat noch vor SWAPO die Anerkennung der UNO und der damaligen Organisation für Afrikanische Einheit (OAE) genossen. Vorübergehende Bemühungen, die beiden Parteien zu vereinen sind jedes Mal wieder am Ovambo-Herero-Tribalismus sowie an der Rivalität zwischen der Sowjetunion und Rot-China gescheitert, so dass SWAPO sich schließlich die alleinige Anerkennung der UNO und der OAE sichern konnte.

Ngavirue hat Namibia 1960 verlassen und an den Universitäten von Uppsala, Schweden, sowie Oxdford, England, bis zum Abschluss mit Doktortitel in der Philsophie studiert.1972 hat er eine Dozentenstelle an der Universität von Papua Neu-Guinea angenommen, bevor er 1981 nach Namibia zurückgekehrt ist, wo er im Privatsektor Managerposten ausgefüllt hat, zuletzt bei der Rössing-Mine, 1983-1989.

Nach der Unabhängigkeit wurde er 1990 - 1995 als erster Leiter der Nationalen Planungskommission (NPC) berufen, worauf er acht Jahre lang als namibischer Gesandter bei der Europäischen Union in Brüssel fungierte und gleichzeitig als Botschafter für Belgien, die Niederlande und Luxemburg eingesetzt war. Ngavirue war ferner in die 4. Abgrenzungskommission (Delimitation Commission) eingebunden, die mit der Aufteilung des Landes in Wahlkreise und Verwaltungsbezirke beauftragt war. Nach Eintritt in den Ruhestand hat die Regierung ihn wiederholt zu Sonderaufträgen herangezogen, worunter die Jahre dauernde Genozid- und Aufbauverhandlung zwischen Berlin und Windhoek der prominenteste war.

Dr. Ngavirue bleibt in der Erinnerung und im Gedenken als entgegenkommende Persönlichkeit erhalten, die wiederholt zwischen Extremen Brücken gebaut hat. Eine Gesellschaft, die von ethnischen und politischen Zerwürfnissen sowie irrealen Interessenkonflikten heimgesucht wird, hält erneut nach kundigen und mäßigenden Personen wie Dr. Ngavirue Ausschau. Eberhard Hofmann



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