30 September 2008 | Polizei & Gericht

"Neidel wusste von nichts"

Windhoek - Auch am letzten Verhandlungstag für den Moment stand Sylvester Beukes (23) im Zeugenstand, der zugegeben hatte, bei dem Blutbad im März 2005 auf der Farm Kareeboomvloer acht Menschen brutal hingerichtet zu haben. Der 23-Jährige sitzt mit seinem Bruder Gavin (27), Stoney Neidel (31) und Shorty Erasmus (31), dem Sohn der getöteten Farmeigentümer, auf der Anklagebank; die Staatsanwaltschaft unterstellt ihnen gemeinschaftliche Tatausführung.
Wenn man Beukes Glauben schenken darf, gilt dies aber nicht für Neidel, auf dessen kommunaler Farm nahe Rehoboth die Beukes-Brüder nach der Tat die Beute, darunter auch die gestohlene Mordwaffe und ein weiteres Gewehr, abgeladen hatten.
Wer verbrannte den Revolver?Im Kreuzverhör von Neidels Verteidiger Boris Isaacks betonte Beukes, dass Neidel nichts von den acht Morden auf Farm Kareeboomvloer, dem Einbruch in das dortige Farmhaus oder den Diebstahl von zahllosen Gegenständen, einem Auto und einem Anhänger gewusst habe. Auch sei Neidel nicht bekannt gewesen, dass er (Beukes) in einem Außenzimmer der Farm fünf Leichen verbrannt habe. Der Mitangeklagte, so Beukes weiter, habe von dem Massaker auch nichts ahnen können, denn die Kleidung der Brüder haben keine Blutspuren aufgewiesen. Zudem habe er dem 31-Jährigen erzählt, das Diebesgut stamme aus dem Erbe seines Vaters. Damit entlastete Beukes seinen Mitangeklagten von fast allen der insgesamt 15 Anklagepunkte, allerdings unterstellte er ihm indirekt, einen Revolver verbrannt zu haben - pikanterweise jenen, von dem Sylvester behauptet, ihn von Shorty Erasmus mit dem Auftrag bekommen zu haben, dessen Eltern zu liquidieren. Laut Sylvester habe er den .38-Revolver ins Handschuhfach gepackt und dann nicht mehr gesehen. Auf die wiederholte Frage von Richter Petrus Damaseb, wer sie dort herausgenommen und verbrannt haben könnte, implizierte der 23-Jährige allerdings nicht seinen Bruder Gavin, der immerhin auf der Farm und beim Beute-Transport dabei war: "Die Frage nach dem Verbleib des Revolvers kann nur Stoney beantworten.""Gavin fuhr Fluchtfahrzeug"Sylvester versuchte erneut, seinen Bruder von jeglicher Tatbeteiligung freizusprechen, musste aber eingestehen, dass der 27-Jährige zeitweilig das Fluchtfahrzeug gefahren hatte. Die Frage nach dem Verbleib des Revolvers ist auch bedeutend. Ist sie tatsächlich auf Areb zurückgeblieben, wäre Sylvester unbewaffnet gewesen - und Gavin hätte zumindest versuchen können, zu fliehen oder den Vorfall zu melden. Allerdings war der Ältere der beiden Brüder offensichtlich voller Angst, hatte ihm Sylvester doch noch auf Kareeboomvloer angedroht, wenn er irgendetwas unternehme, werde auch er erschossen.
Der Prozess wird erst am 3. Dezember fortgesetzt, wenn das Gericht eigentlich schon in der Sommerpause und Richter Petrus Damaseb im Urlaub ist. Andernfalls wäre der nächste verfügbare Termin erst im März 2009 gewesen. Damaseb hatte sich deshalb bereit erklärt, noch neun Tage zu verhandeln und dabei das Kreuzverhör von Beukes abzuschließen, der als nächstes vom Verteidiger seines Bruders in die Mangel genommen wird.
Staatsanwältin in ZwickmühleGavin Beukes hatte von Anfang an bestritten, an den acht Morden auf der Farm beteiligt gewesen zu sein. Sein Bruder habe ihn auf Kareeboomvloer an einen Pfahl gebunden, mit einer Waffe bedroht und dann sein "Werk" vollendet. Sylvester stützt diese Version, in Zweifel gezogen wird sie allerdings von der Aussage eines Gerichtsmediziners, der auf den Schuhen von Gavin Beukes so genannte Hochgeschwindigkeits-Blutspuren gefunden hatte, die nur dann entstehen, wenn man sich im Moment eines Schusses in unmittelbarer Nähe befindet.
Staatsanwältin Antonia Verhoef ist in einer Zwickmühle: Einerseits muss sie Sylvester Beukes als unglaubwürdig darstellen, andererseits ist er auch ihr Hauptbelastungszeuge gegen Shorty Erasmus, war er doch derjenige, der den Sohn der ermordeten Farmeigentümer überhaupt als Auftraggeber ins Spiel gebracht hatte. Erasmus' Verteidiger Petrie Theron wird Beukes ebenfalls im Dezember ins Kreuzverhör nehmen.