31 Dezember 2012 | Leserbriefe

Mobiliät hat auch Nachteile

Einige Anmerkungen zu den Ausführungen der Herren von VKE Namibia Consulting Engineering, Urban- Dynamics, Roads Authority, Umweltberater. Eine Straße sorgt für Wohlstand durch Mobilität - ganz bestimmt nicht für die Anlieger. Von Windhoek bis zum HKIA dürften einige Anlieger weniger verdienen als vorher. Wohlstand ist aber immer eine Frage des Verdienstes, der zwischen Arbeitnehmer, Gewerkschaft und Arbeitgeber ausgehandelt wird. Was hat eine neue Straße damit zu tun? Die einzigen, die wahrscheinlich zu Wohlstand durch eine neue Straße kommen, sind die oben genannten Unternehmen, die Chefs der ausführenden Straßenbaufirmen und deren Materiallieferanten.

Mobilität = Arbeitsplätze: Ja, es werden Arbeitsplätze geschaffen. Erst mal die der Straßenbauarbeiter; diese Arbeitsplätze sind temporär (vorübergehend). Dann kommen Industrieansiedlungen (Schaffung von Arbeitsplätzen), wenn Straßenanbindungen vorhanden sind. Schließlich: Je höher die Mobilität eines Landes, desto höher der Wohlstand! Jedoch: Auch die Mobilität schafft neben ihren vielen Vorteilen Probleme: Emissionen, Lärm, Ressourcenverbrauch (= Umwelt).

Emissionen: Eine Verunreinigung der Luft mit Autoabgasen geschieht erst nach mehr als 75 bis 100 Metern. Entscheidend dabei ist der Wind, der die Autoabgase verwirbelt und übers Land verteilt. Lärm- und Sichtschutz kann einfach durch das Klima angepasste Bäume, Büsche und Pflanzen hergestellt werden. Die Kosten sind im Vergleich zu Sicht- und Schallschutz aus Stein und/oder Beton um ein vielfaches geringer. Bäume und Büsche sehen auch gut aus und tun etwas für die Umwelt, wandeln Kohlenstoffmonoxid/Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff um.

Ressourcen: Industrieansiedlungen weit außerhalb einer Stadt bedeuten auch eine längere Anfahrt und mehr Treibstoffverbrauch, was wiederum die Umwelt mehr belastet. Umwelt: natürlich wird auf unsere Natur, wie immer wenn staatliche Interessen darüber stehen, keinerlei Rücksicht genommen. Verkehrsaufkommen: Die o.g. Firmen sprechen von einem Verkehrsaufkommen auf der B6 von zurzeit 4000 Fahrzeugen in 24 Stunden (im Jahr 2012). Das sind durchschnittlich drei Fahrzeuge pro Minute. Europäische und US-amerikanische Schnellstraßen (vergleichbar mit dem namibischen Highway) sind für ein Fahrzeugaufkommen bis zu 14 Fahrzeugen pro Minute ausgelegt. Der bestehende Highway B6 wäre für die nächsten 30 bis 40 Jahre noch gut genug. Spart die neue Schnellstraße Zeit? Muss wirklich eine neue Schnellstraße gebaut werden, mit einer Breite von 7,5 bis elf Meter, teilweise dreispurig, dazu ein Randstreifen von zehn bis 15 Meter beidseitig? Ist das wieder ein Statussymbol und Größenwahn?

Unfallrisiko: Keine Straße der Welt hat Schuld an Unfällen, die immer von verantwortungslosen, rücksichtslosen, undisziplinierten, egoistischen, besoffenen Autofahren verursacht werden! Das hat mit der Mentalität der Fahrer zu tun. Bei den Genannten muss schnellstens etwas getan werden, damit diese Fahrer sich den anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber genauso verantwortungsvoll verhalten. Viele Unfälle könnten durch einfache verkehrstechnische Maßnahmen vermieden werden. Mittelleitplanken in Überholverbotbereichen, Unterführungen für Wild, Kameraüberwachung, Geschwindigkeitskontrollen. Baukosten: Die angegebenen Baukosten von 7,16 Millionen N$ sind Nominalkosten, sie beruhen auf Schätzungen und Erfahrungswerten vergleichbarer Straßenbauvorhaben. Anmerkung: Solche Projekte schließen oft mit der doppelten Summe ab. Faktoren sind: Lohn-, Material- und Treibstoffkosten in den nächsten Jahren. Am Schluss spricht man von Effektivkosten, das sind alle Kosten nach Fertigstellung.

Instandhaltung B6: Dies könnte Kosten der neuen Straße einsparen, wenn die B6 einfach mal richtig saniert und entsprechende Anschlussstellen geschaffen würden. Die Einsparungen würden Millionen betragen, aber dann verdienen alle Hauptbeteiligten (siehe oben) nichts - adieu Wohlstand.

Ingo Löb, Windhoek

Anm. der Red.: Der Beitrag wurde stark gekürzt, die vollständige Version kann per E-Mail ([email protected]) angefragt werden.