14 Oktober 2021 | Polizei & Gericht

Meilenstein: Delgado-Lühl-Sohn erhält Staatsbürgerschaft

Oberrichter Masuku: Innenministerium muss Rechtskosten tragen

In einem historischen Gerichtsurteil hat das Windhoeker Obergericht entschieden, dass das Innenministerium Yona Delgado-Lühl die namibische Staatsbürgerschaft zusprechen muss. Das lässt auch für den rechtlichen Status der Geschwister Paula und Maya hoffen.

Von Jana-Mari Smith und Katharina Moser, Windhoek

In einer Präzedenzentscheidung hat das Windhoeker Obergericht dem zweijährigen Yona Delgado-Lühl die namibische Staatsbürgerschaft zugesprochen. Dies stellt einen Meilenstein in der namibischen Rechtsgeschichte dar, da der Zweijährige über eine Leihmutterschaft Sohn des namibisch-mexikanischen Ehepaars Phillip Lühl und Guillermo Delgado ist.

Yona Delgado Lühl wurde 2019 in Südafrika geboren, seine Schwestern Paula und Maya im März dieses Jahres. Alle drei Kinder waren bisher staatenlos, da das namibische Innenministerium ihnen trotz legitimer Geburtsurkunden keine Staatsbürgerschaft zusprechen wollte, mit der Begründung, Lühl müsse seine Vaterschaft erst durch einen DNA-Test beweisen. Das Ministerium verweigerte den Zwillingsschwestern daraufhin die Wiedereinreise nach Namibia, die Familientrennung zog auch international viel Empörung auf sich. Im April verweigerte Oberrichter Thomas Masuku die Rückkehr der Zwillinge, im Mai jedoch gab das Ministerium nach und erlaubte durch einmalige Reisepapiere die Wiedereinreise.

Die gestrige Entscheidung Masukus, Yona Lühl Delgado die Staatsbürgerschaft zu gewähren, ebnet auch den Weg für eine Staatsbürgerschaft für Paula und Maya. Er ordnete das Innenministerium an, dem Jungen innerhalb von 30 Tagen die entsprechenden Dokumente auszustellen. Es muss ferner sämtliche Kosten des Gerichtsprozesses übernehmen. „Dies ist ein großer Sieg für gleichgeschlechtliche Paare und vor allem für Kinder namibischer Eltern, die durch Leihmutterschaft im Ausland geboren wurden“, so der Anwalt von Delgado Lühl, Uno Katjipuka-Sibolile. „Die Zwillinge sind in derselben Situation, also würde das Urteil auch für sie gelten und sie müssten ebenfalls namibische Staatsbürgerschaft erhalten.“ Das Ehepaar Lühl-Delgado hatte seit zwei Jahren um den rechtlichen Status ihrer Kinder gekämpft. Während der Staat argumentiert hatte, die Anforderung eines DNA-Test von Seiten Lühls sei keine Diskriminierung, hatten die Delgado-Lühls argumentiert, dass man dies von heterosexuellen Eltern nicht erwarten würde.

„Dies ist ein guter Tag, Namibier zu sein, ein guter Tag, ein junger queerer Namibier zu sein, und ein guter Tag, ein freier Namibier zu sein“, so Omar von Reenen vom „Namibia Equal Rights Movement“ zu dem Urteil. „Dies ist ein Präzedenzfall für die Zukunft Namibias, für die Zukunft der Familie in Namibia, von gleichgeschlechtlichen Paaren und einem Volk der Vielfalt“, so auch Ndiilokelwa Nthengwe, eine Anwältin für Geschlechtergerechtigkeit vom „Positive Vibes Trust“. Es müsse allerdings noch viel verändert werden.

Unterdessen kämpft Guillermo Delgado in einem weiteren Gerichtsfall vor dem Obersten Gericht darum, Domizil in Namibia zu erhalten, das ihm bisher vom Innenministerium vorenthalten wurde. Die Aussagen von drei Oberrichtern in den vergangenen Tagen, lassen für ihn allerdings hoffen.