11 Juli 2019 | Sport

Lieber Swakopmund als die Vereinigten Staaten

„Ich habe mich dafür entschieden, zu versuchen, meine Träume zu erfüllen"

Freiwasserschwimmer Phillip Seidler ist sehr heimatverbunden. Um in seinem gewohnten Umfeld zu trainieren und seine Schwimmkarriere voranzutreiben, begann er unter anderen ein Fernstudium. Dauerhaft in ein anderes Land zu gehen kann er sich kaum vorstellen. Seine Freundin versteht ihn und seinen Sport besonders gut, denn sie ist selbst Freiwasserschwimmerin in Südafrika.

Von Philipp Lüßen

Windhoek

Herr Seidler, was machen Sie noch neben dem Schwimmen?

Ich absolviere gerade ein Fernstudium in Business-Management und Marketing. Ich bin da zurzeit in dem letzten von drei Jahren und schreibe bald ein Examen, im September noch eins und dann bin ich fertig. Ein normales Studentenleben habe ich für den Schwimmsport aufgegeben. Ich musste mich entscheiden, was meine erste Priorität ist. Studieren und nebenbei Schwimmen - oder andersherum. Ich habe mich dafür entschieden, zu versuchen, meine Träume zu erfüllen und nebenbei zu studieren.

Wäre es für Sie denkbar, für Ihre Schwimmkarriere in ein anderes Land zu gehen?

Ich werde nur für Trainingscamps in ein anderes Land gehen. Nach der Weltmeisterschaft werde ich wahrscheinlich mit den beiden Topschwimmern Chad Ho und Danie Marais aus Südafrika trainieren, um auch da weiter dazuzulernen.

Außerdem sind wir in Kontakt mit Russland. Es könnte passieren, dass ich nächstes Jahr für ein paar Wochen mit dem olympischen Freiwasserteam schwimmen kann oder sie hierher kommen für ein Trainingscamp. Wir sind da bisher aber nur in Verhandlungen. Es ist noch nichts sicher.

Ein anderer namibischer Schwimmer, Xander Skinner, ist in die USA gegangen und versucht dort seinen Traum zu erfüllen. Das ist keine Option für Sie?

Ich glaube nicht an das Modell in den USA. Wenn du dort nicht im A-Team bist, trainierst du in einer schwächeren Trainingsgruppe. Deswegen bleibt mein Ausgangspunkt Swakopmund. Ich habe ein super Team, das hinter mir steht. Hier habe ich einen Physiotherapeuten, Arzt, Chyropraktiker und natürlich meine Eltern. Jeden Freitag simulieren wir zum Beispiel ein zehn Kilometer-Rennen, wo wir auch das Feeding trainieren. Mein Vater übernimmt den Job des Feeders. An einem drei Meter langen Stab ist dann mein Trinken befestigt und wir simulieren den realen Fall.

Inwieweit hilft es, dass ihre Freundin und Sie gemeinsam an Freiwasser-Wettkämpfen teilnehmen?

Meine Freundin ist unter den drei besten Freiwasserschwimmerinnen in Südafrika. Meistens treffen wir uns bei den verschiedenen Rennen und verbringen dann viel Zeit miteinander. Wir können uns gegenseitig sehr gut motivieren. Wir können beide sehr gut nachvollziehen, was der andere durchmachen muss und das hilft extrem.