13 Januar 2021 |

Lehre für Namibia aus den USA

Ob das Wahlsystem der Vereinigten Staaten veraltet ist oder nicht mehr den neusten Erwartungen entspricht, das sei dahingestellt. Solange sich die Amerikaner nicht zu einem neuen Wahlgesetz durchringen, müssen sie sich mit den Umständen abfinden. Das musste Al Gore im Jahr 2000 akzeptieren, als er knapp gegen George W. Bush verlor, und damit musste sich Hilary Clinton zufriedengeben, als sie trotz erlangter Mehrheit gegen Donald Trump verlor, der durch das „Electoral College“ doch zum Präsidenten der USA gewählt wurde.

Trotz viel Wind, muss sich auch ein Trump geschlagen geben, solange er keinen einzigen Gerichtstermin zu seinen Gunsten entscheiden kann. Stattdessen hat er einen Mob aufgewiegelt - natürlich gesichert hinter schussfestem Glas - und diesen zum Capitol geschickt. Ob er sich dabei Gedanken darüber machte, dass er hauptsächlich junge, begeisterungsfähige Menschen auf seine Politiker-Kollegen hetzte, ist zu bezweifeln. Tatsache ist, dass es fünf Menschenleben gekostet hat.

Im Januar 2018 wurde der Oberhäuptling der Herero, Adv. Vekuii Rukoro, in einem AZ-Kommentar kritisiert, da er wiederholt seine Untertanen zur Gewaltanwendung gegen den deutschsprachigen Teil der namibischen Bevölkerung aufgefordert hatte. Es wurde vor den Folgen gewarnt, wenn es jemals zu gewaltsamen Ausschreitungen käme, nur weil ein Politiker junge Heißsporne zu unsinniger Gewalt verleitet!

Ob es am Kommentar lag oder politischen Druck, jedenfalls flachten die versteckten Drohungen ab, bis dass US-Appellrichterin Laura Taylor Swain im September 2020 die umstrittene Genozid-Klage der Ovaherero- und Nama-Völker abwies. Plötzlich wurde wieder mit Gewalt gedroht.

Vieleicht sollten die betroffenen Gewaltanhänger sich die Entwicklung in den USA ansehen und sich Gedanken darüber machen, ob sie dazu bereit sind (a) die Verantwortung für verlorenes Leben zu übernehmen, und (b) ob sie sich dieser Verantwortung stellen oder ähnlich wie man es in Amerika sieht, dann auch plötzlich in der Vertiefung verschwinden?

Von Frank Steffen