30 April 2018 | Geschäft

Langer Heinrich vor dem Aus

Uranmine soll 2019 auf Eis gelegt werden – 600 Jobs bedroht

Mehr als 600 Jobs liegen in der Erongo-Region auf Messers Schneide: Das Uranbergwerk Langer Heinrich Uranium soll schon 2019 befristet stillgelegt werden. Erongo-Gouverneur Cleophas Mutjavikua ist er über den potentiellen Verlust der vielen Arbeitsplätze „ernsthaft besorgt“.

Von Erwin Leuschner

Swakopmund

Wenn man krank ist, gibt es nur zwei Optionen. Entweder man erholt sich oder man stirbt. Leider ist es bei Langer Heinrich das Letztere“, sagte Erongo-Gouverneur gestern im Telefonat mit der AZ. Er ergänzte: „Wir können eigentlich dankbar sein, dass (die Mine) Langer Heinrich trotz der wirtschaftlichen Umstände noch so lange in Betrieb war.“

Die Entscheidung, die Mine möglicherweise ab 2019 auf Eis zu legen, teilte Alexander Molyneux, Geschäftsführer des Mutterkonzerns Paladin Energy Limited, am vergangenen Donnerstag mit. Es wird nach der Trekkopje-Mine von Areva die zweite Uranmine in Namibia sein, die wegen des weltweit niedrigen Uranpreis in die Knie gezwungen wurde.

„Zurzeit füttern bestehende Erzvorräte die Verarbeitungsanlage. Diese Lagerhalden werden Mitte 2019 erschöpft sein“, teilte Molyneux schriftlich mit. Die Mine müsse mindestens sechs Monate vor dieser Frist eine Entscheidung treffen und erwäge nun verschiedene Optionen: Entweder wolle man wieder mit dem Abbau von Uran beginnen oder Erz mit niedrigem Urangehalt verarbeiten oder als letzte Alternative die Mine stilllegen.

„Angesichts verschiedener Makrofaktoren, wie bspw. der hartnäckig-niedrige Uranpreis, ist es unwahrscheinlich, dass die Mine wieder in Betrieb genommen wird. Infolgedessen hat Paladin bereits vorbereitende Schritte unternommen, die Mine auf Eis zu legen“, heißt es. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft werde in den nächsten zwei Monaten fallen.

Zurzeit sind bei der seit 2007 in Betrieb stehenden Mine Langer Heinrich mehr als 600 Angestellte und Kleinunternehmer beschäftigt. „Wir sind ernsthaft besorgt über den Verlust der vielen Jobs, vor allem wegen der wirtschaftlichen Umstände im Land. Ich weiß auch nicht, wo diese Leute untergebracht werden sollen“, sagte Mutjavikua.

Die Ankündigung war für Mutjavikua allerdings nicht neu. Er habe schon seit „einem Weilchen“ davon gewusst und habe genau aus diesem Grund die Führung der Minenarbeitergewerkschaft (MUN) gebeten, nicht „zu streng“ gegen den Arbeitgeber vorzugehen. „Langer Heinrich ist schon länger eines unserer kranken Kinder“, erklärte er.

In seiner Mitteilung versichert Geschäftsführer Molyneux allerdings, dass Paladin den „höchsten Standards“ entsprechen werde. Sollte die Mine tatsächlich vorübergehend den Betrieb stillegen, sei die Mine darauf bedacht den Angestellten und Kleinunternehmern sowie der Gemeinschaft und anderen Interessenträgern entgegenzukommen.

Der internationale Uranpreis ist seit dem Fukushima-Desaster auf einer Talfahrt und hat sich seither nicht erholt. Der bisherige Durchschnittspreis für Uranoxid (U3O8) sei in diesem Jahr der niedrigste seit 15 Jahren.