27 Dezember 2007 | Polizei & Gericht

Kukame wird vor Gericht schwer belastet

Windhoek - Der Prozess gegen den 27-jährigen Lesley Nico Kukame, der Anfang 2005 ein dreijähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet haben soll, hat am vergangenen Freitag einen Wendepunkt erlebt. Das schriftliche Geständnis, das Kukame gegenüber dem ehemaligen Polizisten Nelius Becker machte, wurde nach einem mehrwöchigen Nebenprozess vor Gericht als rechtmäßig anerkannt. Rechtsanwalt Ivo dos Santos hatte den Nebenprozess angestrengt, da alle Geständnisse Kukames seiner Meinung nach nicht rechtmäßig erlangt worden waren. Richterin Kato van Niekerk, die eigentlich schon am 1. November ihre Entscheidung bekannt geben wollte, wertete hingegen jetzt nur eine von vier Aussagen, aber dabei das am meisten belastende Geständnis, als zulässig.

Die entscheidende Aussage machte Kukame am 11. Februar 2005 - einen Tag nach seiner Festnahme. Kukame war damals zum Lügendetektortest beim ehemaligen Polizisten Nelius Becker gewesen, und habe den Test durchführen wollen, um seine Unschuld zu beweisen, so Kukame damals. Nach der Untersuchung habe Becker den Verdächtigen gefragt, ob er niederschreiben wolle, was er gerade gestanden habe. "Er hat freiwillig alles niedergeschrieben, was in der Auswertung herauskam. Kukame hätte den Test jederzeit abbrechen können, ich habe ihn zu nichts gezwungen", hatte Becker im Nebenprozess ausgesagt. Kukame wies diese Version ab: "Ich war vom vorigen Abend (10. Februar 2005) eingeschüchtert, weil mich da mehrere Beamte misshandelten hatten", so der 27-Jährige vor Gericht. Richterin van Niekerk sagte jedoch, dass ausreichende Beweise vorlägen und Becker die Wahrheit gesprochen habe. Kukame sei nicht eingeschüchtert gewesen und habe auch keinen Grund gehabt, "zu Tode verängstigt gewesen zu sein", wie der 27-Jährige betont hatte. Deshalb sah die Richterin das schriftliche Geständnis, in dem Kukame offenbar die Tat im Detail zugibt, als rechtmäßig an. Einige Aussagen nach diesem Geständnis gegenüber dem Ermittler Geoffrey Scott wurden ebenfalls vor Gericht anerkannt. Am Freitag waren diese Dokumente jedoch noch nicht für die Medien zugänglich.

Die weiteren schriftlichen Aussagen des Angeklagten bei der Polizei wurden vor Gericht allerdings zurückgewiesen. Dazu gehörten unter anderem ein weiteres Schuldeingeständnis, ein anerkennen der Tat sowie das persönliche Ausweisen des Tatorts. Für die rechtmäßige Erlangung dieser Aussagen lagen dem Gericht keine ausreichenden Beweise vor. Van Niekerk urteilte, dass Kukame am Abend kurz nach seiner Festnahme von Scott sowie einiger dessen Kollegen zur Tat befragt worden war und Scott ihn einmal eine Backpfeife verpasst, ihn in einer unmenschlichen Art Handschellen angelegt und mehrere Male gesagt habe, dass er (Kukame) reden solle, er habe das Mädchen schließlich vergewaltigt. Die besagten Ermittler hatten diese Anschuldigungen abgestritten.

Nach ihrem Urteil vertagte die Richterin den Prozess auf den 21. Februar 2008. Dann wird ein neuer Prozesstermin festgelegt.

Kukame muss sich in drei Anklagepunkten wegen der Vergewaltigung einer Minderjährigen, des Mordes und der Entführung verantworten. Er soll am 7. Februar 2005 nahe dem Kino in Katutura ein dreijähriges Mädchen verschleppt, es anal vergewaltigt und anschließend mit ihrem eigenen Slip im Mund erstickt und/oder ihrem Jäckchen um den Hals erwürgt haben. Er bleibt weiter in U-Haft.